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"Faust" zwischen Clownerie und großem Welttheater

Die letzte Opern-Neuinszenierung der Salzburger Festspielsaison ließ viele Fragen offen und spaltete das Publikum.

"Faust" zwischen Clownerie und großem Welttheater

Piotr Beczala als Faust (l.) und Ildar Abdrazakov als Méphistophélès Bild: (APA)

Am Mittwoch fand in Salzburg im Großen Festspielhaus die letzte Opern-Neuinszenierung der heurigen Festspielsaison statt und galt Charles Gounods Oper "Faust", die in der Lesart von Reinhard von der Thannen das Publikum spaltete.

Van der Thannen, der auch sein eigener Ausstatter ist, protzt mit opulenten Bildern. Vieles davon wirkt symbolisch, erschließt sich aber nicht unmittelbar. So verursacht das beim Soldatenmarsch behäbig mitmarschierende Riesenskelett eher Lacher, als dass es als Symbol für den Tod gesehen wird.

Dafür braucht van der Thannen ausgiebige Artikel im Programmheft, um seine Konzeption und Interpretation zu erläutern. Das macht stutzig, denn wenn ein Regisseur mit theaterwissenschaftlicher Philologie sein Handeln begründen muss, dann deshalb, weil er befürchtet, dass die szenische Umsetzung das nicht preisgibt.

Alles Spukhafte eliminiert

Und dem war auch so. Vor dem monumentalen, an das ehemalige ORF-Logo erinnernden Riesenauge mit spektakulärer Rampe spielt sich das Drama um die Kindsmörderin ab, das bewusst ins Zentrum gerückt wurde, da van der Thannen alles Spukhafte eliminiert hat.

Allerdings gelingt das nur beinahe krampfhaft, in dem Méphistophélès sich als böses Alter Ego seinem "Herren" annähert, so weit, dass sich selbst sein Outfit dem Fausts angleicht. Allerdings ist der Chor in gelbliche Overalls gekleidet, weiß geschminkt wie Clowns.

Spannenderweise waren jene Szenen, in denen das Schauen reduziert war und in denen es um das Menschliche ging, am spannendsten – die Kirchenszene und die Kerkerszene. Hier stört auch die oberflächliche Personenregie kaum. Ein Konzept, das auf dem Papier schlüssig wirkt, sich aber auf der Bühne als lähmend herausstellt. Das lag auch an der durchwachsenen musikalischen Umsetzung. Der argentinische Dirigent Alejo Pérez ließ die Wiener Philharmoniker unspektakulär musizieren und beschränkte seine Auffassung von Gounods Partitur auf eine effektvolle, teilweise oberflächliche Lesart, die Koordinationsschwierigkeiten mit den Sängern bescherte.

Piotr Beczala ist an diesem Abend nicht mehr als ein ordentlicher Faust. Auch Maria Agresta braucht als Marguerite Zeit, um zu wachsen. Der russische Bassist Ildar Abdrazakov kämpfte zwar mit der Tiefe, war aber sonst ein formidabler Méphistophélès. Alexey Markov wurde vom Publikum als Valentin gefeiert und Tara Erraught war fein singender Siébel. Der Philharmonia Chor Wien unter Walter Zeh beeindruckte mehr durch mengenmäßige Klangmassierung denn durch Nuancen. Das Ballettensemble überzeugte in der Choreographie von Giorgio Madia. Insgesamt eine Produktion, die viele Fragen – auch in musikalischer Hinsicht – offenlässt.

Salzburger Festspiele, Oper: "Faust", von Charles Gounod, Premiere: 10. August

OÖN Bewertung:

 

Charles Gounod

Seine Oper "Faust" brachte Charles Gounod 1859 den Durchbruch als angesehener Komponist. Zum damaligen Zeitpunkt war der Franzose 41 Jahre alt und Organist und Kirchenkapellmeister in Paris. In Deutschland wird die Oper oft auch unter dem Namen "Margarethe" gespielt, um den Unterschied zu Goethes "Faust" hervorzuheben. Charles Gounod starb 1893.

 

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Artikel Michael Wruss 12. August 2016 - 00:04 Uhr
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