Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Dienstag, 22. August 2017, 20:46 Uhr

Linz: 19°C Ort wählen »
 
Dienstag, 22. August 2017, 20:46 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

"Fake News": Wenn die Wahrheit in Gefahr ist

Eine hochkarätige Expertenrunde diskutierte im OÖ. Presseclub zum Thema "Fake, Fehler, Falschmeldungen"

"Fake News": Wenn die Wahrheit in Gefahr ist

Anwalt Oliver Plöckinger, OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer, Moderator Ulli Jelinek, Journalistin Judith Denkmayr, Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell, Redakteurin Barbara Wimmer (v.l.) Bild: VOLKER WEIHBOLD

"Die Empörungsbewirtschaftung zerstört unsere Kultur der Auseinandersetzung. Es wird definitiv eine Grenze überschritten!", warnte der renommierte Kommunikationswissenschafter Fritz Hausjell am Mittwochabend in einer kontroversen Diskussionsrunde des OÖ. Presseclubs zum Thema "Fake News". Was passiert mit einer Gesellschaft, in der sich jede Gruppe ihre eigenen Wahrheiten bastelt? Wenn Empörung kalkuliert fabriziert, wie ein Feld "bewirtschaftet" wird? Was, wenn die Wahrheit zwischen "alternativen" und echten Tatsachen aufgerieben wird? Dies diskutierte Hausjell mit Judith Denkmayr (von Dietrich Mateschitz’ Recherche-Projekt "Quo Vadis Veritas?"), dem Linzer Medienrechtsanwalt Oliver Plöckinger, "futurezone.at"-Redakteurin Barbara Wimmer und OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer. Durch den Abend führte der frühere "Life Radio"-Chef Ulli Jelinek.

Neu sind "Fake News" per se ja nicht, wie zu Beginn der zweistündigen Gesprächsrunde konstatiert wurde. "Fast jeder Krieg in der Geschichte begann mit falschen Meldungen", so Hausjell. Millionen von Facebook-Posts, zigtausende neue Blogs, unzählige YouTube-Videos – diese schier unaufhaltsame Online-Informationsflut verleihe dem "Fake News"-Phänomen aber völlig neue Dimensionen.

Die Lügenmaschine Internet

Die Konsequenz? Für Denkmayr ist es der verstärkte Wunsch vieler Menschen, diese Komplexität zu reduzieren: "Sie suchen nach einfachen Erklärungen für Dinge, die man nicht einfach erklären kann." Die Leute würden nur mehr lesen, was ihre ohnehin bereits vorhandenen Meinungen bestätige. Dies nützten Geschäftemacher im Internet aus, die mit reißerischen Falschmeldungen Klicks und Likes – und damit natürlich Geld! – generieren wollen. Zugespitzt bedeute dies, so Gerald Mandlbauer, dass "das Internet zu einer gigantischen Lügenmaschine verkommt". Eine Onlinewelt ohne Regeln, Anstand und Niveau sei aber nicht zu akzeptieren. Denn: Die ständigen, ungefilterten Attacken auf Politiker, Medien und Justiz schädigten unsere westlichen Demokratien nachhaltig.

Der Verrohung der Sitten im World Wide Web mit einer strengen Anlassgesetzgebung zu begegnen, wie derzeit im deutschen Parlament diskutiert wird, hält Rechtsanwalt Oliver Plöckinger aber nicht für notwendig. Der Grund: "Das österreichische Strafgesetzbuch bietet ausreichend Möglichkeiten, auf ,Fake News’ entsprechend zu reagieren." Problematisch sei aber, dass es quasi keine Möglichkeiten gebe, herauszufinden, wer hinter den anonymen IP-Adressen stecke.

Wie soll nun der Einzelne geschickt lancierte "Fake News" von echten Nachrichten unterscheiden? "Fragen Sie: Wie vertrauenswürdig ist die Quelle? Wer steckt hinter dieser Seite, Blog, Medium? Lernen Sie wie ein Wissenschafter zu denken!", riet Barbara Wimmer. Quellenkritik sei nicht nur für Journalisten essentiell, sondern auch vermehrt für die Konsumenten.

"Ein mittelprächtiger Horror"

Fritz Hausjell nahm in diesem Zusammenhang die heimischen Bildungspolitiker massiv in die Pflicht. Den Menschen die Werkzeuge zum Erkennen von "Fake News" in die Hand zu geben, sei eine "riesige Bildungsaufgabe", die bisher versäumt wurde. Die Schulen drückten sich davor, es sei "ein mittelprächtiger Horror", wie der "Medienerlass" zur Intensivierung der Medienarbeit für Jugendliche in der Praxis umgesetzt werde. Aber nur Aufklärungsarbeit in Schulen und Qualitätsmedien könne das "Fake News"-Problem für künftige Generationen lösen. "Denn sonst bleiben die Lügen der Giftköche für immer in der Welt!"

 

Was sind Fake News?

Was bedeutet der Begriff?

Kurz gesagt: „Fake News“ sind gefälschte Nachrichten. Diese lancierten Meldungen verbreiten sich primär über die sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter.

Wieso gibt es „Fake News“?

Mittels reißerischer Schlagzeilen, manipulierter Bilder und aus dem Kontext gerissener Zitate sollen „Fake News“ die Leser dazu animieren, sie anzuklicken, zu „liken“ und zu teilen. Das generiert Einnahmen für den Urheber. In der politischen Sphäre werden sie zur Hetze eingesetzt, um Randgruppen und politische Gegner zu diskreditieren.

Welchen Schaden richten sie an?

„Fake News“ manipulieren Menschen und erschüttern das Vertrauen in die
Politik und die Medien nachhaltig. Gesetze zur Regulierung von Falschmeldungen werden derzeit von vielen Regierungen diskutiert.

Die berühmtesten „Fake News“?

Während des US-Wahlkampfes 2016 wurde die später als „Pizzagate“ bekannte Falschmeldung verbreitet, Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton sei in einen Kinderpornoring verwickelt, der von einer Pizzeria in Washington aus agiere. Sogar Donald Trumps Sicherheitsberater Michael T. Flynn teilte die Meldung auf Twitter

Kommentare anzeigen »
Artikel Lukas Luger 02. Juni 2017 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

Burgtheater: Aufregung um Kusej-Interview

Kusej: "Suppen"-Sager auf kulturelles Klima bezogen

Schauspiel-Legende mit 97 Jahren gestorben

MÜNCHEN. Sie war eine deutsche Diva und ein Multitalent: Margot Hielscher.

Österreichischer Kabarettpreis geht an Lukas Resetarits

Lukas Resetarits wird im November mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

Pearl Jam veröffentlichen Konzert-Film und Soundtrack

WIEN. Die US-Rockband Pearl Jam bringt im Herbst den Konzertfilm "Let's Play Two" und den dazugehörenden ...

Burgtheater: Kusej will die Hälfte des Ensembles austauschen

Martin Kusej plant große Veränderungen
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!