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"Es wird einem bewusst, dass die Menschen alles haben, aber immer Liebe suchen"

Der Innviertler Kabarettist Peter Gahleitner feiert mit seinem neuen Programm Premiere in der Heimat. Mit den OÖN sprach er über den Schutz, den ihm seine Bühnenfigur bietet, Sehnsucht nach früher und die ständige Suche der Menschen nach Liebe.

Peter Gahleitner

Bild: Reinhard Windhager

Hauptberuflich ist Peter Gahleitner (55) Beamter, doch seit 2012 tritt er zwei Mal im Monat als Kabarettist auf. Auf der Bühne berichtet er von den Leiden des Lebens als konservativer Postler, jetzt in einem neuen Programm.

was ist los? Warum haben Sie "Ihren" Eggerdinger Postler nicht hinter sich gelassen?

Peter Gahleitner: Diese Figur bin ich wieder, und das ganz bewusst, weil ich mich hinter einer Figur verschanzen will, einfach weil ich mir damit auf der Bühne leichter tue. Er ist bisher auch sympathisch rübergekommen. Die Menschen mögen ihn, gerade weil er ein Patscherter ist. Und deshalb bin ich bei ihm geblieben. Es gab natürlich die Überlegung, einen kritischeren, politischeren Zugang zu finden.

Aber?

Davon bin ich sehr schnell wieder abgekommen. Es ha

ben mir auch sehr viele Menschen davon abgeraten. Einer der Gründe dafür war, dass ich dann ein politischer Kabarettist wäre, der nicht in der obersten Liga spielen würde. Und dann würde ich zum Beispiel im Theater Café in Graz vor 35 Menschen spielen. Und so spiele ich, nach wie vor als Regel nur zwei Mal im Monat, vor 300 bis 500 Menschen.

Um als politischer Kabarettist dorthin zu kommen, braucht man auch den Willen,
das hauptberuflich zu machen.

Ich habe die Entscheidung nicht aus Angst getroffen, zu versagen, sondern aus einer bestimmten Logik und aus einem Bauchgefühl heraus. Wenn ich in Salzburg, im Mühlviertel, in Niederösterreich und in Süddeutschland in einer Gemeinde mit 2000 Einwohnern spielen darf und dann 200 Menschen im Saal sitzen, die nach meinem Auftritt mit einem Lächeln hinausgehen, dann ist das eine Erfahrung, die ich als politischer Kabarettist, der vor 35 Menschen auftritt, nicht haben würde. Es gibt diese Art von Kabarett, aus dem die Menschen sehr nachdenklich hinausgehen. Das passt absolut. Aber ich will, dass sie danach nur glücklich sind. Das traue ich mir bei meinen Auftritten auch zu behaupten.

Das Lachen wär auch ein anderes. Wenn ich darüber lache, was in der Politik falsch läuft, dann ist das ein Stück weit Galgenhumor, weil ich letztlich davon betroffen bin.

Ja, das stimmt. Aber eine wichtige Grenze gibt es bei mir schon: Ich bemühe mich sehr, dass ich nur ja nicht in das Seichte, ins Derbe abdrifte. Wenn ich in Wien spiele, und das habe ich sieben, acht Mal getan, dann funktioniert mein Programm nicht. Weil ich nicht in jedem zweiten Satz, wie viele Wiener Kabarettisten, "Arsch" oder "Scheiße" sage. Und das musst du fast in Wien. Vielleicht ist das jetzt auch ein bisschen ein Klischee, aber es ist auch meine Erfahrung. In den Bundesländern, auch in Bayern, funktioniert es. Ich sehe den Grund darin, und ich kann selbstverständlich auch falsch liegen, dass ich das Derbe nicht in meinem Programm haben will. Dabei will ich auf keinen Fall sagen, dass das Wiener Publikum schuld ist. Schuld ist immer der, der auf der Bühne steht. Und das bin ich in diesem Fall ich selbst.

Zum Programm: Wie ergeht es Ihrem Postbeamten nun?

Im ersten Programm ist er unter dem Schlapfen seines Chefs und dem seiner Frau gestanden. Jetzt ist er, obwohl er es nie zugeben würde, auf der Suche nach Liebe. Das klingt lustig, der rote Faden durch das Programm ist auch lustig, aber es ist auch oft sehr traurig. Er unternimmt Dinge, die man als 50-jähriger Verlierer halt so unternimmt, um die Liebe zu finden. Und damit wird er nicht glücklicher. Im Endeffekt findet er dann in Polen eine erzkatholische Frau, die er dann ins Innviertel bringt...

Wie lange haben Sie gebraucht, um sich diesen Stoff zu erarbeiten?

Zwei Jahre. Ich muss sagen, ich bin wirklich ein Menschenbeobachter und einer, der im Kaffeehaus, unterwegs, anderen zuhört. Dabei wird einem wieder bewusst, dass die Menschen alles haben, aber immer auf der Suche nach Liebe sind.

Und für die Schreibarbeit reservieren Sie immer Zeit?

Bei mir ist es so, dass es Monate gibt, in denen mir gar nichts einfällt. Aber ich habe immer Papier und was zum Schreiben mit. Und speziell in der Früh, um fünf Uhr, wache ich öfters auf, und da sprudeln die Ideen nur so aus mir heraus. Daraus entwickle ich die Geschichten.

Ihr Sohn ist 26 Jahre alt, Ihr Techniker, aber auch Ihr erster Kritiker. Wirkt sich das auch dahingehend aus, dass Sie junges Publikum anlocken?

Ja, dass er viel streicht und auch wegwirft, die Ansichten seiner Generation einbringt, hat keinen Nachteil, weil komischerweise tatsächlich sehr viele junge Menschen bei mir im Publikum sind. Ich habe mir früher gedacht, dass das durch den Titel meines ersten Programms gekommen ist – "Früher war alles besser" –, dass das eine gewisse Sehnsucht angesprochen hat. Dass früher alles besser war, ist natürlich ein Blödsinn.

Sehnsucht danach gibt es aber bestimmt.

Ein Beispiel: Wenn man an die Oma denkt und daran, dass man zu ihr fährt, dann geht das doch ins Herz. Es hört sich kitschig an, aber das ist so. Es ist ja auch immer wieder lässig, wenn zu Weihnachten die Familie zusammensitzt. Ich will das alles nicht verklären, überhaupt nicht. Aber ich glaube, es ist eine Sehnsucht da, nach früheren Werten wie Sicherheit und Zusammenhalt.

*****

HINTERGRUND UND TERMINE

OÖ Tour: Das neue Kabarett „Ein Sommer wie damals“ ist zu sehen am:
27. 1., Kopfing (Karten: 07763 / 22490);
8. 2., Munderfing (0699 / 1056 8431);
15. 2., Aistersheim (0650 / 5253 662);
22. 2., Andorf (Karten: Sparkasse);
17. 3., St. Aegidi (Gemeinde);
22. 3., Sarleinsbach (0699 / 1882 / 8957);
11. 4., Dorf/Pram (Raika, Wirt), www.petergahleitner.at

Bühne: Seinen ersten Auftritt hatte der Innviertler Peter Gahleitner erst mit 50 Jahren. Sein Programm „Früha woar olles bessa“ war gleich ein Erfolg. Er trat u. a. mit Alfred Dorfer (re.) auf, im Münchner Schlachthof. Preise: Salzburger Kabarettpreis und Publikumspreis Leipzig.

Leben: Komödiant Gahleitner (55) ist Leiter des Strafvollzugs des Landes OÖ. Er war Vizebürgermeister in seinem Heimatort Riedau/Innviertel. Politik, Arbeit und Kabarett trennt er aber strikt. Gahleitner ist verheiratet, Sohn Daniel ist sein Kritiker und Techniker.

Erfolge: Nicht nur Anerkennung, sondern auch Gelassenheit brachten Gahleitner seine vielen Auftritte.
Sein Lampenfieber konnte er ablegen. Das schönste Kompliment erhielt er von einer älteren Dame, die sagte, er habe sie ihre Sorgen vergessen lassen.

 

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Artikel Nora Bruckmüller 12. Januar 2018 - 06:53 Uhr
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