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"Es ist speziell für mich, Österreich zu vertreten"

Bevor Cesár Sampson am 8. Mai beim Song Contest singt, begab er sich in seiner Heimatstadt Linz auf Spurensuche.

"Es ist speziell für mich, Österreich zu vertreten"

Cesár Sampson in Linz, der Stadt, in der er seine ersten acht Lebensjahre verbracht hat Bild: Alexander Schwarzl

"Hier auf der Promenade bin ich einmal verloren gegangen", sagt Cesár Sampson beim Spaziergang durch die Linzer Innenstadt. Das ist eine der wenigen Erinnerungen, die Österreichs Song-Contest-Vertreter an seine ersten Jahre in Linz geblieben sind. Nach der zweiten Klasse der Dr.-Ernst-Koref-Volksschule hat er mit seinen Eltern Oberösterreich Richtung Wien verlassen, weil die beiden Künstler dort mehr berufliche Möglichkeiten für sich sahen. Wiedergefunden haben sie ihr Kind, das "vor einem Schaufenster hängengeblieben ist, nach wahrscheinlich zehn Minuten, angefühlt hat es sich damals wie mindestens eine Stunde", sagt Sampson und lacht.

Emotionaler als erwartet

Jetzt ist er 34 Jahre alt und nicht nur Sänger, sondern auch Songwriter, Produzent, Personal Trainer, ausgebildeter Behindertenbetreuer und am 8. Mai der Mann, der versucht, sich als Österreichs Vertreter beim Eurovision Song Contest ins Finale zu singen. Der Moment, in dem es offiziell wurde, dass Sampson diese Aufgabe übernimmt, war für ihn emotionaler als erwartet: "Ich habe mir das gar nicht so besonders vorgestellt. Aber mit der Bekanntgabe und den Reaktionen darauf kam plötzlich auch ein Gefühl für Verantwortung dazu. Ich war bewegt und fühlte mich sehr verbunden. Es ist sehr speziell für mich, Österreich zu vertreten."

Worum es auf der Bühne in Lissabon geht, das weiß Cesár Sampson, er ist ein ESC-Profi. Zweimal verantwortete er mit seinem Produzentenkollektiv Symphonics den Auftritt des jeweiligen bulgarischen Starters, belohnt wurde der Einsatz am Ende mit einem beeindruckenden zweiten und einem vierten Platz. Auch an Conchitas Sieg war das Produzentenkollektiv beteiligt.

Dass er das Finale erreicht, davon geht Sampson aus. "Man darf sich auch nicht runterreden", sagt der Sänger, der seinen Midtempo-Song "Nobody But You" erst im März offiziell macht. "Er fetzt", nur so viel verrät er jetzt schon, und: "Es ist ein gutes Lied und könnte jeden Platz machen."

Was ein erfolgreiches Lied beim Song Contest braucht, hat er für sich bereits herausgefunden: "Je persönlicher, desto besser." Nicht nur selbstbewusst ist Cesár Sampson, auch ruhig, überlegt und mittlerweile sehr erfahren. Kreativität und Musikalität wurden ihm buchstäblich in die Wiege gelegt. Einen Song, den seine Mutter Kathy im Zug von Wien nach Oberösterreich schrieb, haben wohl viele Österreicher sehr oft gehört: "A good friend", das Titellied zur Serie "Kommissar Rex".

Bis er 20 Jahre alt war, stand Sampson regelmäßig auf der Bühne und performte. "Dann habe ich entschieden, ich will jetzt kein Angebot von einer Plattenfirma annehmen. Ich hatte mich schon jahrelang nur mit mir, meiner Performance und meiner Musik beschäftigt, ich wollte etwas, das mich erdet."

Also begann er ein Praktikum als Behindertenbetreuer. Einen abgeleisteten Zivildienst, eine Ausbildung und fünf Jahre später "war ich erwachsen", sagt Sampson heute. Aus dieser Zeit hat er vor allem eines mitgenommen: "Das Wissen, wie man jemanden coacht und das Potenzial von jemandem abrufen kann." Wissen, das er auch anwendet, wenn er als Personal Trainer seine Klienten wie zum Beispiel seinen Sängerkollegen Julian LePlay bewegt.

Stimme bei den "Dancing Stars"

Kleinere Schritte auf die Bühne zurück hat er manchmal unternommen, so hat er zum Beispiel bei "Dancing Stars" gesungen. "Aber eigentlich habe ich mich zehn Jahre wirklich zurückgehalten, und jetzt merke ich, dass die Menschen rund um mich sagen: ,Endlich!‘ Die dachten, ich sei verrückt, dass ich nicht schon längst probiert habe, etwas nach außen zu machen."

Beim Song Contest auf der Bühne zu stehen und zu wissen, dass 200 Millionen Menschen den Auftritt beobachten, ist nichts, was Sampson Angst einjagt. "Ich finde es schwieriger zu performen, wenn nur fünf Menschen zu sehen sind, Oma und Opa", sagt er und lacht.

Immerhin: Sein Opa Horace, der viele Jahre in Linz als Psychiater tätig war, ist der Grund, warum Sampson immer noch regelmäßig nach Oberösterreich kommt.

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Artikel Julia Evers 15. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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