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Er war das Herz des Rock’n’Roll

Chuck Berry starb am Samstag im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in Missouri.

Er war das Herz des Rock’n’Roll

Bild: Reuters

Wem aller wurde die Krone für die Rock’n’Roll-Regentschaft schon aufgesetzt? Elvis Presley, Little Richard, Bill Haley – alle haben an der musikalischen Evolution gedreht, aber kaum einer beeinflusste die vertonte Protestkultur so eindringlich wie Chuck Berry. Und wenn Musikkollege Bob Dylan, den sie 2016 sogar mit dem Literaturnobelpreis gekrönt haben, einst sagte, "solange Chuck Berry da ist, ist alles, wie es sein soll", dann hat dieses Wochenende einiges verändert. Am Samstagabend ist Chuck Berry im Alter von 90 Jahren in seinem Haus in St. Charles County (US-Bundesstaat Missouri) gestorben.

Wer Berrys 1987 erschienene Autobiografie liest, dem fällt der dringliche Wunsch nach Anerkennung auf. Autos und Frauen spielten eine große Rolle, obwohl Berry mit seiner Frau Themetta 69 Jahre lang verheiratet war. Neben ihr hinterlässt er einen Sohn und zwei Töchter. Zugleich ist da die bittere Erkenntnis zu lesen, wie Schwarze in der Showwelt der 50er-Jahre diskriminiert wurden. Wer sich Platten von Berry anhört, der spürt die stilprägende Kraft von "Roll over Beethoven" (1956) und vor allem von "Johnny B. Goode" (1958). Er erhob die Gitarre zum maßgeblichen Instrument des Rock.

Bub aus guten Verhältnissen

Berry wurde 1926 als Charles Edward Anderson Berry in St. Louis geboren und erhielt als Sohn eines Baptistenpredigers sogar gründlichen Schulunterricht. In den Country Club durfte sein Vater aber nur, wenn er den Fußboden oder die Fenster reparierte. Schwarze waren damals noch bessere Sklaven. Trotzdem: Chuck Berry kam aus guten Verhältnissen, Fragen nach seiner Kindheit würgte er gerne ab: "Jeder war mal Kind, da gibt’s nicht viel zu erzählen." Der Eindruck, den Berry 1955 – ein Jahr nach der Bühnenpremiere von Elvis – bei seinem ersten, von Muddy Waters vermittelten Auftritt mit "Maybellene" hinterließ, deutete an, was da noch kommen würde. Insofern klingt es nach Hohn, dass er es nur einmal – erst 1972 – mit " My Ding a Ling" an die Spitze der US-Charts schaffte. Seine Gitarrenriffs sind legendär, die Coverversionen seiner Kompositionen nicht mehr zu zählen.

1962 musste er wegen angeblicher Verführung Minderjähriger ins Gefängnis, und seine Laufbahn hätte zu Ende sein können, wenn ihn nicht die Jungen zu ihrem Gott erwählt hätten: die Beatles, die Rolling Stones, The Kinks, The Who, die Dave Clark Five, die Beach Boys, Jimi Hendrix. Schon 1944 war er drei Jahre gesessen, weil er ein Auto geklaut und einen Laden ausgeraubt hatte. 1979 landete er wegen Steuerhinterziehung erneut hinter Gittern.

Mit Waldheim im Weltraum

Als die NASA 1977 die Voyager-Sonde ins Weltall schickte, wurde sie mit einer Datenplatte ausgestattet. Die Außerirdischen können seitdem eine Rede von Kurt Waldheim hören, der seinerzeit UN-Generalsekretär war. Die größten Hits von Bach, Mozart und Beethoven sind dabei, aber auch Berrys "Johnny B. Goode".

Chronisch war der Musiker in Sorge, man könnte ihn um Gage und Tantiemen betrügen: Noch 2005, mit knapp 80, schleppte er eine Handvoll Karaoke-Unternehmen wegen etlicher Urheberrechte-Millionen vor Gericht.

Neues Album "Chuck"

In seinen Texten beschwor Berry nicht bloß die Rebellion der Teenager, er formulierte raffinierter: So steckt in "Sweet Little Sixteen" eine frühe Reflexion der Groupiekultur; "Memphis, Tennessee" erzählt in einer Liebesgeschichte verpackt das Sorgerechtsdrama eines Vaters – und "Promised Land" beschreibt eine afroamerikanische Landkarte. Anlässlich seines 90. Geburtstags kündigte Berry im Oktober ein neues Album mit dem Titel "Chuck" an. Es wird nun posthum erscheinen. 

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Artikel 20. März 2017 - 00:04 Uhr
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