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Eine Linzerin dirigiert die Netrebko ins Salzburger Scheinwerfer-Licht

Salzburger Festspiele: Die Musiktheater-Inspizientin Susanne Pauzenberger zieht bei Verdis "Aida" hinter der Bühne die Fäden, heute ist die Oper in ORF 2 (20.15 Uhr) zu sehen.

Eine Linzerin dirigiert die Netrebko ins Salzburger Scheinwerfer-Licht

Die Salzburger "Aida" in der Regie von Shirin Neshat, Riccardo Muti dirigiert die Wiener Philharmoniker. Bild: APA

Es gibt im Theater nicht viele Menschen, von denen sich Regisseure und Dirigenten etwas sagen lassen. Auf die Linzerin Susanne Pauzenberger hören sie alle: sowohl Shirin Neshat, die Iranerin hat soeben die "Aida"-Produktion der Salzburger Festspiele inszeniert, als auch Riccardo Muti.

Pauzenberger ist Inspizientin, also Fluglotsin der von Verdi vertonten Bühnenreise der "Aida" im Großen Salzburger Festspielhaus, dieser unglücklich verliebten äthiopischen Sklavin am Hof des ägyptischen Königs. Der englische Begriff "Stage Manager" bezeichnet besser, was Pauzenberger so treibt: "Während der Vorstellung bin ich für den gesamten Ablauf hinter der Bühne zuständig." In Gesprächen mit Regisseuren, Lichtdesignern und Bühnenbildnern listet sie auf, wann was zu geschehen hat: Wann geht der Vorhang auf, in welcher Minute starten Ton- oder Videoeinspielungen, wann ändert sich das Licht, wann dreht sich die Bühne – und wie weit. Meistens spielt es sich so ab: "Der Regisseur kommt mit Wünschen – und wenn sich die weder zeitlich noch organisatorisch ausgehen, muss ich bessere Vorschläge machen."

Pauzenberger ist hauptberuflich Chef-Inspizientin des Linzer Musiktheaters, dort werkt sie am leuchtenden Pult alleine. In Salzburg, wo sie seit 2011 in den Sommermonaten arbeitet, teilt sie sich den Job mit zwei, drei Kollegen pro Abend. "Das wäre anders gar nicht möglich. Die Bühnen im Großen Festspielhaus und in der Felsenreitschule sind riesig, außerdem ist die Bühnenprobezeit der Festspiele viel kürzer."

Bei "Aida" verantwortet Pauzenberger Ton und Licht. In Linz sei die Technik moderner, aber in Salzburg der Spielraum größer: "Wenn man – wie bei "Aida" – feststellt, dass die Bühnen-Aufbauten zu schwer sind und sich die Bühne nicht dreht, dann schraubt keiner am Bühnenbild herum, sondern es werden stärkere Bühnenmotoren und -rollen gekauft." Neben der Flexibilität habe sie hier auch den Umgang mit Branchenstars gelernt. Pauzenberger: "Jene Regisseure und Dirigenten, die am meisten draufhaben, sind die unkompliziertesten." Riccardo Muti formuliere seine Wünsche zum Beispiel überzeugend und kompromisslos, "aber er versteht die Vorgänge auf einer Bühne – das ist viel wert."

Netrebko kommt immer zu spät

Wie war es mit Regisseurin Neshat, die noch nie im Theater inszeniert hat? Pauzenberger: "Das hab’ ich mir schwierig vorgestellt, aber sie ist ein so liebenswürdiger, offener Mensch. Sie kommt von der Fotografie, also hat sie uns Bilder, die sie gestalten wollte, beschrieben. Zusammen haben wir ihre Vorstellungen umgesetzt." Komplizierter, aber um nichts weniger liebenswert sei die Zusammenarbeit mit Anna Netrebko. Der 45-jährige Sopran-Weltstar pflegt sich bei Proben zu verspäten, "aber sobald sie da ist, war’s das mit der schlechten Stimmung. Sie ist auf der Bühne so präsent und immer bestens vorbereitet." Nur im vierten Akt, wenn Aida zusammen mit dem ägyptischen Heerführer Radamés in diesem riesigen Kubus lebendig begraben wird, sei Netrebko immer zu weit hinten gestanden, sodass sie vom Scheinwerfer nicht beleuchtet werden konnte. "Dann muss man ihr schon sagen: Bitte geh zwei Schritte nach vorn, sonst sieht dich keiner." Dass man die Netrebko nun nicht bloß hört, liegt an Susanne Pauzenberger.

 

„Aida“ heute in Radio und Fernsehen

Seit Herbert von Karajan, der Verdis „Aida“ 1979 mit Mirella Freni in der Titelpartie und José Carreras als ägyptischer Heerführer Radamés auf die Bühne brachte, hat es bei den Festspielen in Salzburg keine szenische Aufführung dieser Oper mehr gegeben. Heute überträgt ORF 2 die diesjährige „Aida“-Produktion mit Anna Netrebko ab 20.15 Uhr zeitversetzt live (Moderation: Barbara Rett). Im Radio läuft die Übertragung auf Ö1 ab 19.30 Uhr. ORF III zeigt die Oper morgen um 21.30 Uhr.

 

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Artikel Peter Grubmüller 12. August 2017 - 00:04 Uhr
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