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Die letzte Schlacht im Pflegeheim

Der Kulturverein Musentempel tritt zu den ersten „Musenspielen“ in der Linzer Tabakfabrik an, um ernsthafte Ideen und kuriose Utopien zur Planung der späteren Nutzung des kolossalen Industriebaus beizutragen. Die erste Theater-Uraufführung der Musenspiele, „Plastikinferno“ von Anjo Schwarz am Montag, war da keine Ausnahme.

Die letzte Schlacht im Pflegeheim

Nancy Fischer und »Doppelagent« Andreas Wipplinger. Bild: Musentempel

Das Prächtige an den Musenspielen ist, dass sich das Festival nicht vor frisch geföhnten Gästen verbeugt. Hier wird nichts Fertiges verhökert. Die Zuschauer sollen kommen, wenn sie darauf aus sind, der Kunst beim Wachsen zuzusehen. Alles wirkt zusammengestückelt, aus jedem Winkel zwinkert der Charme leidenschaftlicher Handarbeit zu. Das beginnt bei der prächtigen Mitmach-Ausstellung der Künstlergruppe Expanderrr (http://www.expanderrr.org/), trägt sich über das eigens aufgestellte Planschbecken („Nur für geübte Schwimmer“) und fand am Eröffnungstag sein erstes Finale in der Uraufführung von „Plastikinferno“ des jungen deutschen Autors Anjo Schwarz.

Theater-Phönix-Schauspielerin Judith Richter inszenierte diesen Kampf eines in die Jahre gekommenen Mannes (wunderbar schrullig: Alois Frank). Ein Weltkriegsverbrecher soll es sein, der als Pflegeheiminsasse seinen Lebensraum mit allen Mitteln gegen tatsächliche und imaginäre Eindringlinge verteidigt. In seinem Zimmer hat er sich eine Spielzeugstadt erschaffen, das Plüsch-Nashorn ist sein einziger Freund. Es darf auch dabei sein, wenn die wesentlich jüngere Gemahlin (in jeder Phase trittsicher und mit allen verführerischen Wassern gebadet: Nancy Fischer) des Alten mit sexuellen Dienstleistungen zu Besuch kommt. Sie wünscht den Tod ihres Mannes herbei, um endlich sein Haus – seine letzte reale Bastion – verkaufen zu können. Der Alte besticht einen Pfleger (ein bisschen zu brav: Andreas Wipplinger). Dieser soll die Pläne der Gattin ausspionieren. Das Manöver ist der Beginn einer Doppelagenten-Karriere.

In flotter, humorvoller Sprache strotzt der Abend vor Anspielungen, die nie am Schopf gepackt werden. Sehr wohl kostet die Inszenierung Eifersucht aus – auf Jugend, Sex, Geschichtslosigkeit – die Eifersucht auf ein Leben mit Zukunft.

 

Musenspiele, Tabakfabrik Linz, bis 20. Juli

Täglich ab 16 Uhr: Kinderprogramm, heute: Integrationsgruppe Ada, Ausschnitte aus „Linz Heimat“ (Theater von Jugendlichen mit Migrationshintergrund). Täglich ab 17 Uhr: In Anlehnung an das antike Prinzip des Agons – edler Wettkampf im sportlichen sowie musischen Sinne – findet ein Wettstreit der interdisziplinären Künste statt.
Theater heute, 21 Uhr: „PacMan City Blues“ von Daniel Wild, Uraufführung, Regie: Esther Muschol. Musik-Nightline ab 22.30 Uhr (Hinterland, DJ Flip & Dan/Texta). Weitere Vorstellungen von „Plastikinferno“: 14., 15., 16., 18., 19. Juli (jeweils 21 Uhr.
www.musenspiele.at

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Artikel Peter Grubmüller 13. Juli 2011 - 00:04 Uhr
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