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Die harte Schule, wie van Gogh zu malen

Kino: Heute startet mit "Loving Vincent" ein Kinofilm, der auf bloßer Malerei basiert. Ermöglicht haben das 125 Künstler, Catalina Codreanu aus Linz war eine von ihnen.

Die harte Schule, wie van Gogh zu malen

Oben: Im Film spielt Chris O’Dowd (l.) einen mit van Gogh befreundeten Postmann, er und die Vorlage verschmolzen. Unten: Catalina Codreanu bei ihrer Arbeit (l.), das berühmte Selbstporträt im Film (M.), van Goghs Original Bild: (Lunaf., Wiki)

Mit "Loving Vincent" startet heute ein außergewöhnlicher Kinofilm. Das europäische Werk, an dem mehr als sechs Jahre lang gearbeitet worden ist, erzählt von Künstler Vincent van Gogh. So, wie es sich für einen der Vertreter der modernen Malerei gehört: "Loving Vincent" ist der erste lange Spielfilm, der nur auf Malerei basiert. Einer, der van Goghs typisch lebhaften Strich, seine mutige Art der Abstraktion und Farbigkeit feiert. Sowie 130 seiner Originalwerke.

Wie das möglich war, weiß Catalina Codreanu. Die gebürtige Rumänin, die der Liebe wegen zuerst nach Salzburg gezogen ist und seit Mai in Linz lebt und arbeitet, war eine der knapp 400 ausgewählten Künstler, die "Loving Vincent" gemalt haben – die einzige aus Österreich. Die 29-Jährige hatte erst gar nicht geglaubt, eine Chance zu haben, dabei zu sein: "Im April 2016 habe ich den Trailer gesehen. Unwiderstehlich! Ich war mir sicher, dass der Film fertig war, aber ich musste mich bewerben."

Farbe abkratzen, neu beginnen

Ihr "Anruf aus Hollywood" kam aus Danzig (Polen), wo sie es unter die letzten 13 Maler schaffte, die "Loving Vincent" finalisieren sollten. Knapp zwei Monate lang saß sie dafür in einer Mal-Kabine. Zwei mal zwei Meter groß, hinter ihr ein Projektor, der ein für ihre Szene zu malendes Werk auf einen Bildschirm über ihr warf. Nachdem sie es gemalt hatte, fotografierte und digitalisierte sie es – und kratzte die unter Zeitdruck aufgetragene Farbe auf der Malfläche ab, um mit dem nächsten zu beginnen. Hundert Bilder entstanden so. "Geblieben ist mir nur das allerletzte. Wir wussten auch, dass für Maler wie uns kein Raum für Kreativität blieb." Die Vorlagen stammten von den Leitern der Film-Abteilung "Malerei". Einerseits Motive im Stil van Goghs, die der Handlung dienten, andererseits Bilder, den Originalen nachempfunden, teils adaptiert, wenn es Tages- oder Jahreszeit verlangten.

"Ich habe in dieser intensiven Zeit sehr viel gelernt. Wenn du wie ich ein Porträt hundert Mal malst, kannst du’s einfach. Und nachdem ich vorher nie wie van Gogh pastos (zähflüssig aufgetragen, Anm.) gemalt habe, habe ich eine neue Verbindung zur Ölfarbe entwickelt, die ich ausleben möchte. Aber erst, wenn es für mein Kind ungefährlich ist", sagt Codreanu und streichelt über ihren Bauch, in dem sich Kind Nr. 2 auf die Welt vorbereitet. Ihr Erstgeborener inspirierte sie zu ihrer Serie Ludo, die ab heute in der Sturm und Drang Galerie in der Linzer Altstadt zu sehen ist. Sie huldigt unschuldig schöner, bunter Leichtigkeit. sturm-drang.at

 

Hintergrund zu Van Gogh und Filmkritik

Vincent van Gogh (1853- 1890) scheiterte als Kunstverkäufer, war Hilfslehrer und Pfarrer, bevor er mit 27 Maler wurde. Diesen Weg ermöglichte ihm sein jüngerer Bruder Theo (1857-1891), der in „Loving Vincent“ eine große Rolle spielt. Er schenkte Vincent einen Aufenthalt in Südfrankreich mit Maler-Kollegen Paul Gauguin. In Arles schnitt sich van Gogh auch einen Teil seines linken Ohres ab. Über die Gründe (Streit mit Gauguin?, Gauguin als Täter?) wird so viel spekuliert wie über van Goghs Zustand zu Lebzeiten (Epilepsie, Depression?). Am 27. 7. 1890 schoss er sich eine Kugel in den Körper, am 29. 7. starb er an Theos Seite. Posthum erzielten seine Werke Rekordpreise.

Kurzkritik: „Loving Vincent“ ist optisch herausragend. Inhaltlich ist es ein eher konventioneller Kunstkrimi, der damit beginnt, dass Postmann Joseph Raulin (Chris O’Dowd) Sohn Armand beauftragt, van Goghs letzten Brief an Theo zu übermitteln. Die erst gespielten Szenen wurden gemalt und ergänzt (s. oben). So entstand ein Traum, der auf 65.000 Ölgemälden basiert.
 

5 von 6 Sterne

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Artikel Nora Bruckmüller 29. Dezember 2017 - 00:04 Uhr
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