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Die Revue zum Finanzskandal

Dokumentationstheater "Swap – Wem gehört die Stadt?" ab Samstag in den Kammerspielen

Die Revue zum Finanzskandal

Sie sind in "Swap" zu erleben: Sebastian Hufschmidt, Gunda Schanderer, Anna Rieser, Corinna Mühle, Björn Büchner, Angela Waidmann, Jan-Nikolaus Cerha (v.l.) Bild: OÖLTH/Baltz

Am 12. Februar 2007 unterschrieb die Stadt Linz etwas Folgenschweres: den Vertrag mit der Bawag PSK für den Swap 4175. Im Zuge der Finanzkrise kam das hochspekulative Finanzgeschäft ins Trudeln, zehn Jahre und etliche gerichtliche Auseinandersetzungen mit nach wie vor offenem Ausgang später droht der Stadt ein Schaden von rund 500 Millionen Euro. Das verzockte Vertrauen der Bevölkerung noch gar nicht eingerechnet. Im Linzer Landestheater nehmen sich mit Hans-Werner Kroesinger und Regine Dura zwei der bedeutendsten deutschsprachigen Entwickler von Dokumentationstheater der Sache an. Ihre Inszenierung "Swap – Wem gehört die Stadt?" verdichtet ab Samstag in den Linzer Kammerspielen die Rechercheergebnisse der beiden und deren unterschiedliche Perspektiven zum Nachdenken über Geld und Verantwortung.

Keiner versteht das System

Kroesinger/Dura beantworten weder die Frage, wem die Stadt gehört, noch suchen sie Schuldige. "Es ist alleine wichtig, die Fragen danach zu stellen. Man lässt schnell außer Acht, welche Verantwortung wir als Gesellschaft zu übernehmen haben", sagt Kroesinger im Gespräch mit den OÖN. Das werde mit einer "unterhaltsamen Revue auf herausforderndem Niveau" eingerichtet – mit sieben Schauspielern. Dura: "Es ist ein so trockenes Thema, das kann man eigentlich nur vertanzen."

Es gehe darum, die Systeme von Politik und Banken zu durchschauen, die bei einem Swap kollidieren. Kroesinger: "Beim Swap hat man den Eindruck, es sei ein Geschäft, das weder Banken noch Politiker verstehen – und trotzdem wird es gemacht, weil es in der jeweiligen Logik funktioniert: für die Bank, weil es ein gutes Geschäft ist; für die Stadt, weil es die Zinsen reduziert. Aber dann stellt man fest, dass es nur für einen Dritten funktioniert: für den dahinterstehenden Hedgefonds." In Gesprächen mit Linzern in Cafés stellten die beiden zwar ein Unrechtsbewusstsein für diese Geschäfte fest, "aber", sagt Kroesinger, "die Menschen gehen davon aus, die Stadt werde das bezahlen – dass es jeder Bürger der Stadt bezahlen muss, wird selten bemerkt".

Das Bankengeschäft sei so komplex, dass es kaum einer der Befragten erklären konnte. Dura: "Also halten wir die unterschiedlichen Positionen fest, anstatt Formeln aufzuschlüsseln, warum das alles exponentiell zu Schaden geführt hat."

Die beiden lassen einen Text der amerikanischen Schriftstellerin Gertrude Stein ("Geld. Mehr über Geld. Alles über Geld") einfließen und sie wollen dahinterkommen, unter welchen Prämissen Banken handeln. Kroesinger: "Die Bawag ist etwa als Arbeiterbank angetreten, um sich gegen gewisse Finanzstrukturen zu wehren – und was ist nun aus dieser Arbeiterbank geworden?" Und anders herum: Wie wohltuend politisch relevant präsentiert sich das Landestheater unter der neuen Intendanz!

Dokumentartheater: "Swap – Wem gehört die Stadt?", Inszenierung: Hans-Werner Kroesinger, Text: Regine Dura, Bühne und Kostüme: Rob Moonen, Premiere: 25. Februar (19.30 Uhr), Linzer Kammerspiele, Termine: 3., 7., 9., 17., 30. März; 6., 13., 21. April; 3. Mai, Karten-Tel: 0800 218 000, www.landestheater-linz.at.

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Artikel Peter Grubmüller 21. Februar 2017 - 00:04 Uhr
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