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Die Puppen sind die bösen Väter

Die weltweit renommierte Puppenbauerin Rebekah Wild arbeitet auch in Oberösterreich.

Die Puppen sind die bösen Väter

Rebekah Wild mit Herrn Capulet, der bei „Romeo und Julia“ in Wilhering zum Einsatz kommt. Bild: sin

Manchmal ergeben sich eben Zufälle: Und so kommt es, dass die aus Neuseeland stammende, seit vielen Jahren in Wien lebende Puppenspielerin Rebekah Wild binnen weniger Monate gleich drei Einsätze in Oberösterreich hat. Begonnen hat es mit dem grünen Elf in dem Stück "Der zwölfte Elf Herr Zwölf" im Linzer Theater des Kindes. Dann folgte ihre puppenspielerische Mitarbeit bei der Sommertheater-Produktion "Romeo und Julia" beim theaterSpectacel Wilhering und beim von Henry Mason für den Theatersommer Helfenberg verfassten Stück "Wie man Götter dämmert" (ab 26. Juli).

Joachim Rathke, künstlerischer Leiter in Wilhering, hat für "Romeo und Julia" an Puppen gedacht, weil die "Väter den Hass in die Liebesgeschichte bringen. Ich wollte sie als Allegorien darstellen, also nicht von Schauspielern, sondern als Puppen." Rebekah Wild kennt er vom Theater der Jugend in Wien, wo er wiederum unter der Regie von Henry Mason 2015 in "Ramayana" eine der von ihr kunstvoll gefertigten Puppen führen durfte. Und privat ist Joachim Rathke mit Nora Dirisamer liiert, die "Der zwölfte Elf Herr Zwölf" geschrieben hat. Also gibt es doch keine Zufälle? Auf jeden Fall aber die gegenseitige Anerkennung der Arbeit des jeweils anderen.

Vom West End nach Helfenberg

Mit eher kleinen Theatergruppen zu arbeiten wie derzeit in Oberösterreich, ist für Rebekah Wild, die etwa schon im Londoner Little Angel Theatre oder im Londoner West End und bei vielen internationalen Festivals aufgetreten ist, "ein großer Spaß! Ich bin hier von Beginn an mit dabei. In großen Häusern arbeitet man oft sehr isoliert von den anderen."

Sie arbeitet auch immer wieder viel mit Müll, mit Trödel, den sie findet. "Ich sehe bei jedem Spaziergang immer und überall Köpfe, Körper. Ich sehe in jedem Ding, jedem Stein oder auch Treibholz ein gewisses Potenzial. In Neuseeland haben wir einen Theatergarten gebaut. Die Idee dabei war, dass die Leute Sachen mitnehmen und dort auch selbst bauen und spielen konnten. Was unser Planet braucht, ist, dass wir alle besser auf ihn aufpassen. Wenn wir davon ausgehen, dass alle Dinge auch irgendwie Leben in sich haben, passen wir vielleicht auch besser auf." Schaut es bei ihr daheim also wie in einer Rumpelkammer aus? "Ja! Nun, ich habe meinem Mann versprochen, nur mehr mein Atelier – das kleinste Zimmer unserer Wohnung – für meine Arbeit zu nutzen."

Wie ist es, sich von Puppen trennen zu müssen? "Wenn ich sie für Theaterhäuser baue, bleiben sie sehr oft dort. Das weiß ich von Beginn an. Manchmal braucht es ein längeres Good-Bye. Besonders gerne mag ich derzeit die beiden hier: Capulet und Montague", die in Wilhering im Einsatz sind. Die beiden sind sehr wertvoll gekleidet – die Kostüme hat sie mit Barbara Kriegl gestaltet.

Wie viel sind die Puppen wert? "Das lässt sich nicht konkret sagen. Das ist sehr unterschiedlich." Sind sie zu kaufen? "Grundsätzlich ja. Aber ich denke, die Leute haben keine Vorstellung, wie viel sie wirklich kosten würden. Die Leute sind es nicht gewöhnt, aufwändige Handarbeit dementsprechend zu bezahlen."

Wie sieht sie die Möglichkeiten für Puppenspieler in Österreich? "Ganz gut, aber es könnte natürlich besser sein. Es gibt die Puppentheater-Festivals in Mistelbach seit 30 und jenes in Wels seit 26 Jahren. Aber das sind Gastspiel-Festivals."

Wie kommt man von Neuseeland nach Österreich? "Der Liebe wegen!", sagt Rebekah Wild. 2001 hat sie bei den Wiener Festwochen mit der britischen Anarcho-Truppe Tiger Lillys in "Shockheaded Peter" mitgemacht – und hinter der Bühne "meinen Mann kennengelernt!" Seitdem lebt sie in Wien – eben, es gibt kaum Zufälle.

"Romeo und Julia" beim theaterSPECTACEL Wilhering, Karten: www.theaterspectacel.at; Tel.: 0699/10 97 67 39

"Wie man Götter dämmert" von Henry Mason (Uraufführung am 26. Juli in der Kulturfabrik Helfenberg), Karten: www.theaterinderkulturfabrik.at, Tel.: 0680/335 92 36

Rebekah Wild

 

Geboren in Aotearoa/Neuseeland, lebt seit 1996 in Europa. Sie hat in Theatern weltweit als Puppenspielerin, Puppenbauerin und -designerin gearbeitet.

Als Figurenbauerin u.a. Mitarbeit bei Walt Disneys Theatrical „The Lion King“ (1999), Royal Shakespeare Company „The Tempest“ (2010). 2005 gründete sie mit Gerhard Pichler das Wild Theatre und ist auch mit eigenen Produktionen auf Tournee.

 

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Artikel Silvia Nagl 19. Juli 2017 - 00:04 Uhr
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