Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Mittwoch, 24. September 2014, 06:26 Uhr

Linz: 5°C Ort wählen »
 
Mittwoch, 24. September 2014, 06:26 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Die Legende um den Liebstattsonntag

Die Legende um den Liebstattsonntag

Brauch mit Herz Bild: K. Fellner

Gegen jede Art von Schmerz hilft ein Gmundner Liebstattherz – darum war dies auch in Gmunden vor Jahrhunderten erfunden.“

Mit diesem Slogan wird in Gmunden alljährlich der Liebstattsonntag (heuer am 3. April) beworben. Gmundens Konditoren backen tausende Lebkuchenherzen und verzieren sie kunstvoll mit Schwänen, Sprüchen und bunten Zuckerblumen. Die Gmundner sind stolz auf ihr scheinbar uraltes Brauchtum. In vielen Gmundner Haushalten findet man immer wieder Liebstattherzen als Wanddekorationen. Das Abbröckeln des Zuckergusses lässt das Alter der Liebesbezeugungen erahnen. Doch wie alt ist der Liebstattbrauch wirklich?

Die karge Zeit des Fastens wurde durch die Sonntage unterbrochen, die niemals als Fasttage galten. Vor allem der Mittfastensonntag, der 4. Fastensonntag, steht im Zeichen heiliger Vorfreude. Er wird „Laetare“ genannt. In Gmunden wird dieser Fastensonntag als „Liebstattsonntag“ gefeiert, an dem man spruchbezierte Lebkuchenherzen austauscht und somit „Liebe abstattet“.

In einer Legende wird dieser Brauch auf die Zeit der Gegenreformation zurückgeführt. Belegbar ist davon aber nichts, da die Aufzeichnungen zur Geschichte des Liebstattsonntags nur sehr spärlich sind. Verbreitet ist, dass der Passauer Bischof im Jahr 1641 die „Corporis-Christi-Bruderschaft“ bestätigte, die im Sinne der Gegenreformation eine Vertiefung des religiösen Lebens in der Stadt bewirken sollte.

Brüderliche Liebe

Diese Bruderschaft wählte als Tag ihrer Jahreshauptversammlung den 4. Fastensonntag und begann den Tag mit einem Kirchgang und einem festlichen Mahl. Dabei sollen auch die Armen der Stadt geladen gewesen sein – als Zeichen brüderlicher Liebe zu den Mitmenschen. Daraus soll sich der Liebstattsonntag, wie wir ihn heute kennen, entwickelt haben.

Quellen aus dem Jahr 1856 sprechen am Mittfastensonntag von einer Art Heiratsmarkt, an dem sich junge Mädchen besonders fein herausputzten, sich am Hauptplatz einfanden und hofften, von den Burschen ins Lebzelterhaus zu Met eingeladen zu werden. Dieser Tag galt damals als jener Tag, an dem man Liebesverhältnisse begann, bestätigte oder auflöste. Von Lebkuchenherzen ist aber noch nicht die Rede.

Erst zu Beginn der 1930er Jahre lassen sich verzierte Lebkuchenherzen von Gmundner Konditoren nachweisen. Der Liebstattsonntag in der heutigen Form ist also ein Ergebnis der Folklorisierung, die mit der Gründung der Trachtenvereine zu Beginn des 20. Jahrhunderts einhergeht. Der als uralt gehandelte Liebstattsonntag ist heute einer der wichtigsten Tage für den Tourismus der Stadt Gmunden.

Schon im Jahr 1963 war die Kurverwaltung darauf bedacht und spendete Lebkuchenherzen zum Zwecke der Werbung. Man darf also davon ausgehen, dass der Liebstattsonntag der Gegenwart in die 1950er bzw. 1960er Jahre zurückreicht. Und der „feierliche Kirchgang in schöner alter Gmundner Tracht“ kann schon allein deshalb nicht so alt sein, weil diese schöne alte Tracht erst im Jahr 1908 eingeführt wurde.

Der Liebstattsonntag in Gmunden beginnt am kommenden Sonntag um 9.30 Uhr mit einer Festmesse in der Pfarrkirche. Nach dem anschließenden Festzug von der Kirche zum Rathausplatz werden die Lebkuchenherzen verteilt.

Kommentare
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Neuen Kommentar schreiben

  Für nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken.
Als Autor des Kommentars scheint Ihr gewünschter Benutzername auf.

Um sich registrieren zu können müssen Sie uns mindestens einen Benutzernamen, ein Passwort und Ihre E-Mail-Adresse mitteilen.
Gewünschter Benutzername
Gewünschtes Passwort
Wiederholung Passwort
E-Mail
Anrede
  Frau    Herr 
Vorname
Nachname
OÖNcard / Kundennummer (optional)
Handynummer
 
/
 

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 2 + 2? : 


Artikel Sandra Galatz 31. März 2011 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

"Ich singe für Gott und genieße jeden Augenblick"

87 junge Talente singen noch heute beim Competizione dell’Opera im Linzer Brucknerhaus um den ...

Internetanschluss verpflichtet nicht zur Rundfunk-Gebühr

Folgenschweres Urteil des Bundesverwaltungsgerichts: "Wenn Sie eine Rundfunkempfangseinrichtung, also ein ...

Wo Welten in subtiler Zartheit aufeinanderprallen

Am Montag gestaltete Peter Androsch gemeinsam mit Didi Bruckmayr (Stimme), Mariko Onishi (Klavier), Bernd ...

Burgtheater: Hartmann kämpft vor Gericht gegen Entlassung an

WIEN. Vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht (ASG) findet am Mittwoch die erste von zwei weiteren ...

Arianna Huffington: „Die Zukunft des Journalismus ist golden"

WIEN. Die „Königin der Blogger" Arianna Huffington über die künftige Art der Mediennutzung und die ...
Meistgelesene Artikel   mehr »