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Die Gier der Welt und die Sprachlosigkeit des Mannes

TheaterSPECTACEL Wilhering bringt "Signore Volpone und seine Erbschleicher" und "Indien" auf die Bühne.

Die Gier der Welt und die Sprachlosigkeit des Mannes

„Indien“: Rathke (l.), Dreiling Bild: Erblehner

Zu Lebzeiten war Ben Jonson (1572–1637) erfolgreicher als William Shakespeare. Knapp 400 Jahre später erinnert sich kaum jemand an den Hofpoeten in Diensten der englischen Krone. Dass er nicht ganz vergessen wurde, ist auch ein Verdienst Stefan Zweigs (1881–1942). Der Schriftsteller zog sich einst nach Marseille zurück, um Jonsons Drama "Volpone" zu übersetzen. Dummerweise ließ Zweig die englische Vorlage in Salzburg liegen, also dichtete er das Stück auf Gedächtniskrücken neu.

Das theaterSPECTACEL Wilhering wird diesen Text von 10. bis 29. Juli 15 Mal in der Scheune des Stiftes auf die Bühne bringen – in der Regie von theaterSPECTACEL-Chef Joachim Rathke und mit Günter Rainer in der Titelrolle. Der vermeintlich im Sterben liegende, aber stinkreiche Volpone verspricht all seinen windigen Geschäftsfreunden, sie als Alleinerben einzusetzen, sofern diese ihm einen Teil ihres vor der Steuer versteckten oder durch Gaunereien angehäuften Reichtums überlassen. Die tiefsinnige Farce über die Gier der Welt breitet Rathke auf den Dächern des sinnbildlich untergegangenen Venedig aus.

Das Ensemble ist eine Wucht: Neben Rainer sind Tom Pohl, Larius Phoulivong, Peter Woy, Manuel Klein, Daniela Dett, Katharina Hofmann, Lutz Zeidler und Christian Bauer zu erleben.

Schrullige Wirtshausprüfer

Das Novum, zwei Stücke pro Sommersaison anzubieten, bescherte den Wilheringern im vergangenen Jahr mit insgesamt 6640 Zuschauern eine Auslastung von 93 Prozent. Also gibt es ab 4. August für acht Vorstellungen die Hader-Dorfer-Tragikomödie "Indien" mit Rathke als verklemmter Fellner und Martin Dreiling als vom Testosteron geschüttelter Bösel. Der feine Dialog der schrulligen Wirtshausprüfer entlarvt die Sprachlosigkeit der Männer, die erst eine schreckliche Diagnose aufweicht. Doris Happls Inszenierung, sagt Rathke, weiche dem Film-Vorbild so weit wie möglich aus.

Das Wilheringer Programm wird obendrein mit Julia Ribbecks und Christiane Waaks Abend "Die Familie und die Mädchen" (19., 21. August), von Monika Ballweins Beatles-Fest (25. August) und von Regina Leitners Hommage an Georg Kreisler ("Fürchten wir das Beste", 1. September) angereichert. Fünf beste Anlässe für vielversprechende Sommerabende in der Scheune des Stiftes Wilhering.

theaterSPECTACEL Wilhering, Karten/Infos, Tel: 0699/10976739, www.theaterspectacel.at

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Artikel Peter Grubmüller 13. Juni 2018 - 00:04 Uhr
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