29. August 2015 - 00:04 Uhr · Jasmin Bürger · Kultur

Der Sisi- und Mozart-Exporteur

Der Sisi- und Mozart-Exporteur

Im Zuschauerraum des Theaters an der Wien, dem Opernhaus der Vereinigten Bühnen Wien Bild: OÖN / Johannes Zinner

Thomas Drozda treibt als Generaldirektor der Vereinigten Bühnen Wien den Export von Musicals wie "Elisabeth" oder "Mozart" nach Asien voran. Gelernt hat der Trauner auch im Kabinett von Ex-Kanzler Vranitzky.

Zuerst Seoul, dann Tokio: Im August konnte Thomas Drozda gleich zwei asiatischen Versionen der singenden Sisi lauschen. Sowohl in Südkorea wie auch in Japan feierte das von den Vereinigten Bühnen Wien (VBW) ersonnene Musical "Elisabeth" heuer schon eine Neuauflage, in Japan läuft auch "Der Besuch der alten Dame".

Drozda ist seit 2008 Generaldirektor der VBW, die in Wien zwei Musical- und zwei Opernbühnen betreiben, und gibt beim Export Gas: Nach Südkorea ist China nächster Hoffnungsmarkt. Was in Wien und der Welt an österreichischen Musicals geboten wird, orchestriert der smarte 50-Jährige von seinem Eckbüro im Theater an der Wien zwischen Vintage-Möbeln, moderner Kunst und großzügigem Blick auf den Naschmarkt.

Nicht verlegen ist Drozda, der vom Burgtheater an die VBW gewechselt ist, um eine Antwort, warum er ins seichte Fach übergelaufen ist. "Das Leichte ist immer das Schwierigste, sagen viele Künstler. Und das stimmt auch."

Wobei die künstlerische Verantwortung bei den Intendanten von Musical und Oper liegt, Drozda ist vor allem der Zahlenmann. "Natürlich entscheiden wir aber letztlich gemeinsam, und ich interessiere mich sehr fürs Inhaltliche", sagt er. 91 Prozent Auslastung im Musical und 95,7 Prozent in der Opernsparte in Wien geben seinem Kurs recht.

Den Umgang mit Zahlen hat er gelernt: In Linz studierte der in Kematen an der Krems geborene und in Traun aufgewachsene Drozda Volkswirtschafts- und Betriebswirtschaftslehre. 1990, nach fünf Jahren, schloss er beides ab. BWL hatte er den Eltern zuliebe inskribiert: "Mit VWL kriegst nie einen Job", befanden der Geschäftsführer eines Chemieunternehmens und die Buchhalterin, die nun beide in Pension sind. Drozda besucht sie und die Schwester in Neuhofen regelmäßig, fühlt sich aber "schon mehr als Wiener denn als Oberösterreicher".

Der Sisi- und Mozart-Exporteur

VBW-Generaldirektor Drozda in seinem Büro

Rote Vergangenheit

Nach Wien zog es den jungen Ökonomen nach dem Zivildienst. Ein Jahr war er Geschäftsführer des Trotzdem-Verlags, nebenbei Finanzverantwortlicher der Sozialistischen Jugend. Den Weg zur Karriere ebnete dann doch das VWL-Studium: 1992 fing Drozda in der Volkswirtschaftlichen Abteilung der Nationalbank an. Die Kontakte zur SPÖ brachten bald ein interessanteres Angebot – beim damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky.

Dessen Kabinettchef Johann Sereinig (heute Verbund-Vorstand) holte Drozda als Berater zum Kanzler. "Ich hatte ein Sammelsurium an Themen zu betreuen, Jugend, Frauen und Soziales." Kultur und Finanzen kamen später dazu. Für den damals 27-Jährigen war es "ein Privileg, mitzubekommen, wie politische Entscheidungen fallen".

Vranitzky beeindruckte ihn, Nachfolger Viktor Klima nicht mehr so sehr. Da kam 1998 ein Ruf aus der Kultur, die ihn immer schon interessierte, gerade recht: Dem damaligen Burgtheater-Direktor Klaus Bachler war der Zuag’roaste im Kanzlerkabinett aufgefallen. "Er hat mich gefragt: Wollen Sie eigentlich Ihr Leben in der Politik verbringen oder wollen Sie irgendwann einmal etwas Gescheites machen?", erzählt Drozda.

Er wollte wechseln: 1999 bis 2008 war er dann kaufmännischer Direktor des Burgtheaters – bevor der Finanzskandal die Bühnenbretter ins Wanken brachte.

Dass die VBW als Teil der Wien-Holding auch im Fokus politischer Debatten stehen, nimmt Drozda hin, dass man SP-Nähe für einen Job dort brauche, weist er zurück. Die oft kritisierten Subventionen verteidigt er: "Im internationalen Vergleich ist der Pro-Kopf-Zuschuss gering", ohne wäre der Betrieb historischer Spielstätten und des eigenen Orchesters nicht möglich.

Selbstbewusst ist der umtriebige Kulturmanager. Gefragt nach seinen Flops, fällt ihm nur einer ein: "Natürlich blond" habe nicht funktioniert. Andere Lizenzproduktionen schon: "Mary Poppins" geht dank bisher 251.000 Besuchern in die Verlängerung, bei den Eigenproduktionen scharren "I am from Austria" und ein Musical rund um Theaterregisseur Emanuel Schikaneder in den Startlöchern.

Der Sisi- und Mozart-Exporteur

Asiatische Sisi: Das Musical „Elisabeth“ feiert in Südkorea große Erfolge. Im Linzer Musiktheater wurde auch schon eine Version gezeigt.

Offene Zukunft

Drozdas Vertrag läuft bis 2018, spätestens 2016 werden alle VBW-Führungsposten ausgeschrieben. Drozda will sich wieder bewerben, findet aber den Ausschreibungsprozess "seltsam": "Entweder man hat etwas zur Zufriedenheit der Eigentümer gemacht, dann ist eine Verlängerung naheliegend, oder eben nicht." Was dann? "Ich weiß, was ich kann und was ich gelernt habe, wenn es anders kommt", sagt er. Abgeschlossen hat er mit der Politik: "Höchste Exponiertheit bei einem Sozialprestige gegen null, das würde ich weder wollen noch aushalten."

Nachdenklich zum 50er

Nachdenklich wird der Neo-Bartträger, wenn er übers Alter spricht: Der 50er im Juli "war zwar wider Erwarten nicht so schwierig, aber es wird einem bewusst, dass die Zeit, in der man ein selbstbestimmtes Leben führen kann, kürzer wird".

In Wien ist Drozda stolzer Gartenbesitzer, obwohl er, als er Traun und den elterlichen Garten verließ, dachte, "das brauche ich nie wieder", und von Flügeltüren und Altbauparkett träumte. Der Garten gehört zu einem Haus im 18. Bezirk, wo er mit seiner Frau Isabella, einer Salzburgerin, die in der Kunsthalle Wien arbeitet, lebt. "Mitten im Grünen und trotzdem in 20 Minuten in der Stadt", genießt das kinderlose Paar, das heuer zehnjähriges Hochzeitsjubiläum feierte, die Vorzüge.

Was in Wien fehlt, sind die Berge: Drozda ist begeisterter Skifahrer. Umso mehr schätzt er die Museen und anderen Theater in Wien, das Linzer Musiktheater sei allerdings auch eine Bereicherung. Regelmäßiger Gast ist Drozda bei Proben an den eigenen Bühnen. 60 bis 80 Vorstellungen im Jahr sieht er locker, könnte also schon mitsingen, "was aber in der Regel nicht gewünscht ist, und das vollkommen zu Recht".

Der Sisi- und Mozart-Exporteur

Im Raimund-Theater feiert am 24. September eine Neuinszenierung von „Mozart“ Premiere.

 

1987 wurden die VBW als Unternehmen der Wien-Holding gegründet. Mit Raimund-Theater und Ronacher gibt es zwei Musicalbühnen, daneben die Kammeroper. Das Theater an der Wien feiert 2016 sein Zehn-Jahres-Jubiläum als Opernhaus. 750 Mitarbeiter, davon knapp ein Drittel Künstler, sind an den VBW, der Bilanzgewinn im Inland lag 2014 bei 917.484 Euro.

10 Millionen Besucher haben bisher in elf Ländern (z.B. Deutschland, Italien, Schweden, Südkorea, Japan) „Elisabeth“ gesehen. Es ist die erfolgreichste Eigenproduktion. Wien-Premiere war 1992.

42 Millionen Euro bekommen die VBW heuer an Subventionen, bis 2017 sinkt die Summe jährlich um eine Million. Der Pro-Kopf-Zuschuss liegt im Musical bei 35 Euro, über alle vier Häuser gerechnet bei rund 60 Euro.

 

Nachgefragt...

Heimat ist für mich … mit Freunden Zeit zu verbringen

Heimweh nach Oberösterreich bekomme ich … wenn ich im Wetterfernsehen sehe, wie schön die Berge und Seen sind

Das fehlt mir in Wien aus Oberösterreich ... Die Seen, meine Eltern und meine Schwester

Mein Lieblingsplatz in Wien ... Der Währinger Markt

Der größte Unterschied zwischen Wienern und Oberösterreichern ist... Dass man in Oberösterreich die „Waffen“ sieht.

 

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Der-Sisi-und-Mozart-Exporteur;art16,1953981
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