Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Donnerstag, 23. November 2017, 15:51 Uhr

Linz: 5°C Ort wählen »
 
Donnerstag, 23. November 2017, 15:51 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Der Querdenker des Austropop ist tot

BAD GOISERN. Am Sonntagabend hat Wilfried Scheutz, der ewig unbeugsame Querdenker des Austropop, den Kampf gegen den Krebs verloren. Der gebürtige Bad Goiserer wurde 67 Jahre alt.

"Mit dem Auf-die-Gosch’n-Fallen kenne ich mich seit Jahrzehnten bestens aus"

(Wiflried) Bild: Astrid Knie

Er war ein Unbequemer. Ein Ausprobierer. Ein Wagemutiger. Einer, der fantastische Erfolge feierte und grandios scheiterte. „Mit dem Auf-die-Gosch’n-Fallen kenne ich mich seit Jahrzehnten bestens aus. Ich probiere hundert Mal lieber was aus, als aus Feigheit die Füße still zu halten“, sagte er vor wenigen Wochen in seinem letzten OÖN-Interview. Am Sonntagabend hat Wilfried Scheutz, der ewig unbeugsame Querdenker des Austropop, den Kampf gegen den Krebs verloren. Der gebürtige Bad Goiserer wurde 67 Jahre alt.

Den Chartseinstieg seines exzellenten, gemeinsam mit seinem Sohn Hanibal eingespielten Abschiedsalbums „Gut Lack“ durfte Wilfried noch erleben. „Ich gestehen: Ich freue mich sehr...Juuuhu!“ postete er auf Facebook. Auf dieser letzten Platte demonstrierte er noch einmal, was ihn während seiner 40-jährigen Karriere stets auszeichnete: die Fähigkeit, die unterschiedlichsten Genres zu einem organischen Ganzen zu vermengen und dabei doch unverwechselbar nach sich selbst zu klingen.

Der ORF-Bericht zum Tod des Sängers: 

In die DNA gepflanzt

Das musikalische Talent wurde dem am 24. Juni 1950 Geborenen in die DNA gepflanzt. Der Großvater spielte in der Dorfkapelle, das elterliche Wirtshaus fungierte als Musikantentreff. Mit 14 gründetet Wilfried seine erste Band, inspiriert von Colosseum und von Blood, Sweat & Tears aber auch von echter Volksmusik. 1973 landete er mit „Mary, Oh Mary“ den ersten Hit. Im Jahr darauf schuf er mit „Ziwui Ziwui“, einer zünftigen Neuinterpretation eines Vogelfängerliedes, einen Austropop-Klassiker für die Ewigkeit. Mit eigenwilligen Stücken wie „Highdelbeeren“, „Lass mi bei dir sein“ oder „Ikarus“ zementierte der Kurzzeit-Sänger der EAV (1978-79) seinen Ruf als Künstler, der sich jeder Schubladisierung entzog.

Den Tiefpunkt seiner Karriere stellte seine Teilnahme beim Song Contest 1988 dar. Mit „Lisa Mona Lisa“ landete er punktelos auf dem letzten Platz. Seiner Kreativität tat dieser Nackenschlag keinen Abbruch. Er arbeitete als Schauspieler, widmete sich dem Musical und gründetet die A-Cappella-Combo „4Xang“. 2009 eröffnete er mit seiner Frau Marina in Pressbaum die Gaststätte „Vereinsmeierei“, wo er auch „Gut Lack“ vorstellte.
„Man hätte natürlich gerne, dass von einem was übrig bleibt, wenn man irgendwann nimmer ist“, sinnierte Wilfried im letzten OÖN-Gespräch. Das wird es. Ohne jeden Zweifel. Pfiat di, Wilfried.

 

Kultureller Doppelpass auf dem Admira-Platz

Ich durfte ihn persönlich kennenlernen. Bis drei in der Früh saßen wir zusammen und sangen uns zum Riff von „Route 66“ Gstanzln zu. Blonder Engel

 

"folkshilfe" fürs fünfte Gusenside

„Jedes Jahr leitete Wilfried einen Workshop am Pop-Borg in Linz, das wir besuchten. Er hat viel in die Jugend investiert. Das gab uns Kraft und Motivation!“ Folkshilfe, Pop-Band aus OÖ

 

 

 

Thomas Spitzer

„Liebenswerter Sturkopf, du warst nicht nur Wegbereiter der EAV; du bist mir ein Vorbild. Es hat mir imponiert, dass für dich unentdecktes Terrain stets interessanter als eingetretene Pfade waren.“ Thomas Spitzer, EAV-Gitarrist

 
Kommentare anzeigen »
Artikel Lukas Luger 17. Juli 2017 - 11:54 Uhr
Weitere Themen

Bregenzer Festspiele trauern um Bühnenbildner Paul Brown

BREGENZ. Paul Brown, Schöpfer der Kulisse zur Seebühnenoper "Aida" (2009/2010).

Mirelle Mathieu ist "100 Prozent made in France"

PARIS. Die französische Chanson-Sängerin Mireille Mathieu (71) gibt sich als wahre Patriotin: "Ich bin ...

Brucknerhaus: Der neue Chef werkt und verstört

Am Montag wird Hans-Joachim Frey als Chef des Brucknerhauses in allen Ehren verabschiedet.

Das Pop-BORG sucht den Parov Stelar von morgen

Die Kaderschmiede der österreichischen Popmusik ist im Herzen von Linz angesiedelt, genauer gesagt in der ...

Bei Julian Rachlin darf Musik auch einmal einfach nur schön sein

Konzert-Kritik: Der Violinist und das English Chamber Orchestra überzeugten mit perfekt intonierter Musik ...
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!