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Crossing Europe-Vorschau: Von Aliens bis schamlose Nacktheit

Filmkritik: Am 23. April startet das 12. Filmfestival Crossing Europe in Linz. Die OÖNachrichten haben ausgewählte Werke bereits gesichtet und besprochen.

Auf der Suche nach Isolde

Auf der Suche nach Isolde Bild: Crossing Europe

Auf der Suche nach Isolde 

Es ist ein Gesicht, das einen sofort in seinen Bann zieht: Isolde Klietmann vereinte die verführerischen Brauen- und Lippenbögen eines Pin-Ups aus den 60er-Jahren und die Grazie einer Filmikonie des frühen Hollywoods. Aber nicht nur in dieser Ästhetik kann man sich verlieren, sondern auch in jener ihrer Bewegungen.

Die Linzer Regisseurin Barabara Windtner und die Tänzerin Ulrike Hager haben sich für ihren Dokumentarfilm aufgemacht, diese nach zu tanzen. Dafür sind sie in Klietmanns Geburtsort, das slowenische Marburg, gereist, haben in Linz, wo sie als junge Frau am Landestheater engagiert war, geforscht, und in Klietmanns Exil Argentinien, in das sie das Nationalsozialisten zwangen, ihre alten Tanzschülerinnen aufgespürt.

Dabei hat das Regie-Duo ein leichtfüßiges, oft melancholisch schweres Werk über eine Tochter des frühen

Europas geschaffen, die aufgrund ihrer Heirat mit dem jüdischen Linzer Likör-Erben Hans Mostny vertrieben worden war. Obwohl Klietmann anfänglich bloß wie ein Geist aus der Vergangenheit erscheint, entwickelt sich bis zum Ende hin ein greifbares, facettenreiches Bild über eine Tanz- und Überlebenskünstlerin.

Termine: Do., 23. 4., 21.15 Uhr, Ursulinensaal; Di. 28. 4., 19 Uhr, Movie 3
Sektion: Local Artists 

Filminfo: Auf der Suche nach Isolde, Österreich/Deutschland/Slowenien/Argentinien 2015, 70 min, OmeU

 

22m² Österreich 

In der breiten Öffentlichkeit spricht eine Heerschar an Experten über das Thema Migration. Meist wird dabei viel geredet, aber wenig gesagt – vor allem, weil eine zentrale Perspektive marginal beachtet wird: jene der Migranten selbst. Der  Filmemacher Ufuk Serbest liegt mit „22 m² Österreich“ nun ein Werk vor, das die Geschichte von Linzer Frauen, die aus der Türkei stammen, aus dem Innersten erzählt. Was sie erlebt haben und worauf sie zurückblicken, wirkt vertraut – Gastarbeit, das verheißungsvolle, vermeintlich reiche Europa, Fremdenfeindlichkeit und Anpassungsschwierigkeiten.

Und doch wirkt alles neu, anders und überraschend, weil keine vorgefertigten Meinungen oder mediale Zerrbilder vorkommen. Die Frauen erzählen ehrlich, von der Angst angesprochen zu werden, weil sie bei ihrer Ankunft kein Wort Deutsch verstanden haben. Von zehn Kilometer langen Fußwegen zum nächsten Greißler mit dem Kinderwagen, weil das Geld nicht für ein Auto gereicht hatte. Von verletztem Stolz, als Ausländer abgetan zu werden. Vom zehn Jahre dauernden Leben auf 22 Quadratmetern, von Fehlern, falschen Vorstellungen und vor allem über die Familie und die Kinder, die zwischen zwei Kulturen aufgewachsen sind. Serbest hat diesen Frauen mit ihren brüchigen Lebensläufen und dem Publikum damit etwas geschenkt: eine Menschwerdung.

Termine: Do., 23. 4., 19.45,  Ursulinensaal; Di.,  28. 4.,  16.30,  Movie 3
Sektion: Local Artists 

Filminfo: Evdeki Ses/ 22m2 Österreich,  2015, 62 Min., OmdU

 

Femme brutal

Mut und Schüchternheit, Macht und Auslieferung, Stärke und Zerbrechlichkeit, Schönheit und individuelle Körperbilder – bringt man die Themen aus Liesa Kovacs und Nick Prokeschs Dokumentarfilm „Femme brutal“ auf den Punkt, könnte man meinen, sie stammen aus einer durchschnittlichen Frauenzeitschrift.

Was die Regisseure aber zu zeigen hat, ist das glatte Gegenteil: ihr Werk über die Burlesque-Gruppe „Femme brutal“ lebt von wohltuend unangepassten Frauen, deren Selbstbestimmung und künstlerische Freiheit von einer unfassbaren Wucht sind. Er werden Show-Szenen mit Interview-Passagen verbunden. Daraus formt sich eine hinreißende Melange aus frechen, liebevollen und schonungslosen ehrlichen Worten und Bildern, die ein andeutungsreiches, augenzwinkerndes Spiel mit der Weiblichkeit feiern. Brüste werden zu Propellern, an barocken Körpern wird mit Früchten Erotik inszeniert und üppige Nacktheit mit Bondage im Zaum gehalten. Eine wunderbare Klammer bildet die Musik – von röhrendem Jazz, mitreißenden Vivaldi-Melodien bis hin zu süßlichen Gesangs-Harmonien für die Mädchen, die ohne Zweifel Macht haben.

Termine: So., 26. 4., 20.30 Uhr, Ursulinensaal
Sektion: Cinema Next Europe  

Filminfo: Österreich 2015, 75 min, OmeU

 

The Visit 

Was macht dich glücklich? Wie lange wirst du hier bleiben? Was ist dir wichtig? Kennst du den Unterschied zwischen Gut und Böse? Diese Fragen werden im Film „The Visit“ von Regisseur Michael Madsen weder von Menschen bei einem ersten Date gestellt, noch von Philosophen an das denkende Individuum. Am Wort sind echte Wissenschafter und Experten der europäischen Raumfahrt.  Sie blicken direkt in die Kamera, in die Augen des Zusehers, und tun so, als hätten sie die Gelegenheit, eine außerirdische Lebensform zu interviewen.

Es sind wenige von vielen, im hypnotischen Fluss von Natur-, Städte- und Weltallbildern dahinfließenden Szenen, in denen die Begegnung mit dem fremdest Möglichen seit Menschengedenken theoretisch durchexerziert wird.
Das Groteske daran: Sie gehen einem nahe. Weil die Experten – vom Juristen für interstellares Recht bis hin zum Ethikbeauftragten für Weltallangelegenheiten – Sorgsamkeit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Feinfühligkeit an den Tag legen, die Erdenbürgern heute meist verwehrt bleiben.

Im Kern zeigt „The Visit“ wie fremd sich die Menschen geworden sind, wie sehr sie sich auf erprobte Routinen und angesammeltes Wissen verlassen, ausgeliefert der Hybris, zu glauben, alles unter Kontrolle zu haben. Mit dem inszenierten Eintreffen eines anonymen Aliens wir dieser Schein getrübt. Hinzu kommt ein raffiniertes Spiel von Fiktion und Fakten. Die Experten sind echt, die Situationen nachgestellt und dazwischen viele Bilder von Männern im Anzug, leeren Bürofluren mit künstlichem Licht und Hektik in Besprechungszimmern, die man längst aus Serien wie „Akte X“ und sämtlichen Sci-Fi-Epen von „Armageddon“ bis „Interstallar“ kennt. Eine fantastische, filmische Lektion über das Sein mit ein paar wenigen Längen.

Termine: Do., 23. 4., 20.15, City 1; Di., 28. 4., 19 Uhr, City 1
Sektion: European Panorama 
Filminfo: 
Danemark/Österreich/Irland/Finnland/Norwegen 2015, 90 min, EFmdU

 

Abseits der Autobahn

Es ist ein Glücksfall für den Zuseher, wie gekonnt die Schweizer Regisseurin Rhona Mühlebach in ihrem Kurzfilm „Abseits der Autobahn“ Freiheit mit Beklemmung und Bewegung mit Stillstand zusammenbringt. Dabei spielt sie das Äußere gegenüber dem Inneren aus. Man sieht wie das Paar Linda und Roman durch die Schweizer Berge radelt – entlang satter grüner Wiesen unter dem blitzblauen Himmel und von der Sonne geküsst.

Je länger man sie beobachten kann, desto stärker spürt man allerdings den Sand im Getriebe ihrer Beziehung, wie zäh das Öl geworden ist, durch das früher der Motor ihrer Beziehung wie geschmiert gelaufen ist. Als Roman plötzlich alleine fahren will und sich verfährt, kommen beide als Paar von der gemeinsamen Route ab. Sie lassen Bitterkeit und Enttäuschung freien Lauf, während die Berge zu Mauern zum Sinnbild selbstgemachter Gefängnisses  werden und die langen Stämme der Waldbäume an Gitterstäbe erinnern. Ein tragisch-komisches Stück über eine sterbende Beziehung. 

Termine: Mo., 27. 4., 17.30, Ursulinensaal 
Sektion: European Cinema Next
Filminfo: Abseits der Autobahn, Off the Highway, Schweiz 2014, 21 min, OmeU

 

Karteninfo

Von 9. bis 22. April können täglich von 17 bis 22 Uhr Karten im Moviemento Linz im vergünstigten Vorverkauf erworben werden. Während des Festivals, von 23. bis 28. April, sind täglich von 10 bis 23 Uhr Tickets in den Festivalkinos Moviemento und City in Linz erhältlich. Tickethotline: 0680 506 1 506

www.crossingeurope.at
 

Gewinnspiel:

OÖNcard-Gewinnspiel: 3 Crossing Movie Cards und 8x2 Einzeltickets zu gewinnen!

Wir verlosen für das Crossing Europe Filmfestival Linz von 23. bis 28. April 2015 unter OÖNcard-Inhabern 8x2 Einzeltickets sowie 3 Crossing Movie Cards inklusive OÖN-Rucksack mit Crossing Europe Kapuzenjacke.

 

Mehr Infos unter: www.crossingeurope.at/

 

Die Gewinner werden per E-Mail verständigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Eine Barablöse ist nicht möglich. Teilnahmeschluss: 13.4.2015.

 

Wir wünschen Ihnen Viel Glück!


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