Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Dienstag, 24. April 2018, 12:44 Uhr

Linz: 17°C Ort wählen »
 
Dienstag, 24. April 2018, 12:44 Uhr mehr Wetter »
Startseite  > Kultur

Buchtipp: Das Böse in Perfektion

Der preisgekrönte japanische Schriftsteller Fuminori Nakamura legt mit seinem zweiten Roman einen elektrisierenden Thriller noir vor.

Das Böse in Perfektion

Fuminori Nakamura Bild: Sodo Kawaguchi

Fuminori Nakamura ist kein Mann von langatmigen Einleitungen. Das literarische Wunderkind Japans geht gleich aufs Ganze, wenn auf der ersten Seite der greise Vater seinem Sohn verkündet: "Ich will ein Geschwür in diese Welt setzen. Unter meiner Obhut wirst du zu diesem Geschwür heranwachsen." Zu einem "Stachel des Bösen" soll der Elfjährige werden. Es ist das Vermächtnis eines reichen, mächtigen Mannes, einer jahrhundertelangen, menschenverachtenden Tradition folgend, bei der ein Patriarch am Ende seines Lebens noch ein Kind zeugt, das so viel Übel wie möglich in die Welt bringen soll.

Fumihiro soll zunächst mächtig werden, dann von innen Anarchie verbreiten. Um den Sohn zum besagten Stachel des absolut Bösen zu machen, holt der Vater das Waisenmädchen Kaori ins Haus. Der Sprössling soll sich verlieben, bevor er aus dem Paradies in die Hölle gestoßen wird. Doch der Junge durchschaut den teuflischen Plan, will das Leben des Mädchens und ihre Liebe retten und macht sich damit den Vater zu seinem schlimmsten Feind. Seine Weigerung hat einen Kampf auf Leben und Tod zur Folge, bei der Fumihiro auch vor Mord nicht zurückschreckt und damit selbst in die Hölle abzudriften droht, in der er längst gefangen ist. Was er auch macht, es scheint kein Entrinnen zu geben. Zu mächtig ist das Böse, zu allgegenwärtig auch die inneren Dämonen.

"Die Maske" pendelt zwischen einem düsteren Thriller noir und einer märchenhaften Liebesgesichte. Nakamura geizt nicht mit dramaturgischen Überraschungen und Wendungen, seine Sprache ist unterkühlt, aber auch bildhaft schön. Ein lesenswertes Buch, für dessen Übersetzung Thomas Eggenberg verantwortlich zeichnete, der auch bereits mehrere Werke von Banana Yoshimoto übersetzte.

Nach "Der Dieb" ist "Die Maske" Fuminori Nakamuras zweiter, in deutscher Sprache erschienener Roman. Der 40-Jährige, der in Tokio geboren wurde und dort lebt, hat in Japan bereits mehr als ein Dutzend Romane veröffentlicht. Seine Bücher sind vielfach preisgekrönt und "Die Maske" soll noch 2018 in Japan ins Kino kommen.

Das Böse in Perfektion

Fuminori Nakamura: "Die Maske", Diogenes, 352 Seiten, 24,70 Euro

Kommentare anzeigen »
Artikel Roswitha Fitzinger 31. März 2018 - 00:04 Uhr
Mehr Kultur

Warum Türknäufe Sarah Kuttner wütend machen

Die Moderatorin will bei Serien-Drehorten mehr Authentizität

Staatsoper verbietet Sopranistin Auftritt, weil sie schwanger ist

HAMBURG. Sängerin Julie Fuchs wird wegen ihrer Schwangerschaft nicht wie geplant im Mai in der ...

Musical Hair: Ein Lebensgefühl, gesungen und getanzt

Galt MacDermot komponierte ein Musical, das zum Meilenstein der Popkultur der 1960er wurde

Eine Sternstunde des Amateur-Theaters

Theater in der Werkstatt in Kirchdorf/Krems brilliert mit "Don Juan"-Version

Kostbares aus dem Archiv

Musica Sacra: Das Amani-Ensemble in der Minoritenkirche
Meistgelesen   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!