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Bilderbuch: "Popstars, aber auf leiwand"

Wie kaum eine andere Band haben Bilderbuch in den vergangenen Jahren die österreichische Popmusik geprägt. Das neue Album "Magic Life", die Tode von Bowie und Prince, das Tabakfabrik-Open-Air – Sänger Maurice Ernst hat viel zu erzählen im OÖN-Interview.

Bilderbuch: "Popstars, aber auf  leiwand"

Mit ihrem vierten Album "Magic Life" wollen Maurice Ernst (3. v. l.) und seine Bilderbuch-Kollegen neue musikalische Wege beschreiten. Bild: MAHIR JAHMAL

OÖN: Während eines OÖN-Interviews im Februar 2015 haben Sie David Bowie als Vorbild genannt, und seine Fähigkeit bewundert, sich mit jedem Album neu erfunden zu haben. Welche kreative Verwandlung haben Bilderbuch mit "Magic Life" unternommen?

Maurice Ernst: "Schick Schock" war selbstbewusst, offensiv nach Außen drängend. Wir wollten Popstars sein, aber auf leiwand. "Magic Life" dagegen ist viel introvertierter, der Blick geht nach innen, wir erlauben uns Gefühle. Die Platte ist musikalisch weniger von Idolen wie Bowie oder Prince geprägt, die wir bereits in unseren Sound-Kosmos integriert haben. Man könnte sagen, der "Gigolo" den wir auf "Schick Schock" besungen haben, wird zunehmend melancholisch. "Magic Life" mit seinen ruhigeren, fast gospelhaften Passagen, ist uns passiert, das war so nicht geplant.

Wie groß war die Versuchung, "Schick Schock Vol. 2" zu machen?

Nicht vorhanden. Wir sind nicht skrupellos genug, um diesen Schmäh zu recyceln. Als Band befinden wir uns noch auf der Suche. Ich bin keiner, der sagt: "Ich will ja nur Geld verdienen mit dem Schas." Ich will nach sieben, acht Bilderbuch-Platten zurückblicken und dabei feststellen können, dass eine künstlerische Entwicklung bei uns stattgefunden hat.

Ist "Magic Life" als Statement gegen den grassierenden, billigen "All-Inclusive-Pop" gedacht?

Ja, unter anderem. "Schick Schock" war Ausdruck eines Höhepunkts. Alles war super und glänzend, auch in der Gesellschaft. Den Griechen ging’s schlecht, sonst protzten aber alle mit ihren Statussymbolen. Und dann kam die Krise! "Magic Life" ist politisch. Nicht direkt, sondern sich leise anschleichend. Der Begriff funktioniert als Metapher für meine Generation. Ein "Magic Life"-Club baut eine Mauer auf: du genießt drinnen das Leben, draußen ist die echte Welt. Wir glauben, es sei unser Recht, "all inclusive" zu leben. Jetzt sollen wir dieses Recht teilen. Der Song speziell, aber auch das Album, transportieren dieses allgegenwärtige Gefühl der Verunsicherung.

Im Video zur Single "Bungalow" ziehen Sie alle Register, inklusive Tanz an der Stange und laszivem Staubsaugen. Wie bleibt man da bitte während des Drehs ernst?

Gar kein Problem. Es gibt nur eine Sache, die ich wirklich gut kann: leiwand performen! Ich hatte zuvor noch nie an einer Pole-Stange getanzt. Wurscht. Ich habe mich mit Babyöl eingeschmiert und so richtig losgelegt. Ich muss nicht in Coolness sterben (lacht).

Apropos, mit Bowie und Prince starben in den vergangenen zwölf Monaten zwei Künstler, die Fixsterne im Koordinatensystem von Bilderbuch waren. Wie haben Sie deren Tode erlebt?

Der Tag an dem Prince starb, war krass. Wir hatten für diesen Abend ein Kino gemietet, um mit Freunden seinen Film "Purple Rain" anzusehen. Zwei Stunden vor Beginn saßen wir beim Chinesen, als die Meldung kam: Prince ist tot. Ich sagte nur: "Welchen Prinz meinst’ denn?" Ohne esoterisch klingen zu wollen: Als Musiker erlebst du das Sterben solcher Größen noch intensiver, es existiert eine spirituelle Verwandtschaft. Bei Bowie war’s ganz ähnlich. Mike, unser Gitarrist, trug bei einem Auftritt in Graz zum ersten Mal ein Leiberl mit dem Cover von "Low", am nächsten Tag war Bowie tot. Natürlich ist das Zufall, aber verdammt ...

Am 26. August steht in der Tabakfabrik Linz ein großes Open-Air-Konzert – präsentiert von den OÖN – auf dem Programm ...

Wir hegen große Pläne für diesen Abend. Das wird der große Tour-Abschluss, den wollen wir irgendwie einfangen. Live-DVD, Fernsehmitschnitt ... alles ist möglich!

 

Reinhören: "Bungalow"

CD-Kritik "Magic Life"

Weniger zugänglich als der grell-knallige Vorgänger "Schick Schock", punktet "Magic Life" mit hintergründigem Charme, Stil und Attitüde. Die Lässigkeit mit der Bilderbuch Sprachwitz, popkulturelle Zitate und allerlei zwischen Pop, Funk und Soul changierende Sounds vermengen, ist beeindruckend. Musik zum Sich-Hineinfallen-Lassen!

Anspieltipps: "Baba" "Bungalow", "Sweetlove"

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Lukas Luger 17. Februar 2017 - 00:04 Uhr
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