10. Dezember 2016 - 00:04 Uhr · Jasmin Bürger · Kultur

Benedikt Föger: Harry Potter und der Buch-Macher

Harry Potter und der Buch-Macher

Bibliothek im Palais Fürstenberg, seit 1927 Sitz des Buchhandelsverbands Bild: OÖN / Johannes Zinner

Er wollte Verhaltensforscher werden, war Journalist und lebt heute als Verleger seinen Jugendtraum: Der Rieder Benedikt Föger leitet den Wiener Czernin-Verlag und steht dem Verband des österreichischen Buchhandels vor.

Benedikt Föger gehört mit seinen 46 Jahren nicht zur typischen Zielgruppe von "Harry Potter". Dennoch ist er Fan des Zauberlehrlings – aus beruflichen Gründen: Der gebürtige Rieder ist Geschäftsführer des Czernin-Verlags und Präsident des Hauptverbands des österreichischen Buchhhandels.

"Bestseller sind die Freunde der kleinen Auflagen", sagt er. Der Potter-Hype ziehe Menschen in Buchhandlungen, "und wer schon im Geschäft ist, nimmt oft auch ein zweites Buch mit".

Seit 2014 ist Föger als Hauptverbandspräsident nicht nur Sprachrohr der 400 Buchhandlungen in Österreich, sondern vertritt auch die Interessen von Verlegern. Seit 2004 ist er selbst einer: Mit der Übernahme des Czernin-Verlags erfüllte sich – spät – ein Jugendtraum. "Ich habe in der Schule eine Biographie des Verlegers Lord Weidenfeld und über Suhrkamp-Gründer Unseld gelesen, das hat mich fasziniert, ich wollte Verleger werden", erzählt Föger. "Mit 16 bin ich mit meiner Mutter zum ersten Mal zur Frankfurter Buchmesse gefahren", Bücher gab es im Elternhaus viele.

Der Bauernhof in der Stadt

Er entschied sich nach der Matura aber doch für ein Biologie-Studium – auch nicht ganz abwegig, mit einem Vater, der, gebürtig aus Tirol, den Rieder Fleckviehzuchtverband leitete, und einer Mutter, die ebenfalls dort arbeitete und auch Biologie studiert hatte. "Ich wollte Verhaltensforscher werden", sagt Föger. Mit Tieren war er am Volksfestplatz 1 aufgewachsen: "Es gab Stiere, Hühner, Pfaue, einen Misthaufen – ein Bauernhof mitten in der Stadt." In Wien "hab ich mich ins gemachte Nest gesetzt", scherzt Föger – er zog 1988 in die bereits bestehende WG seiner beiden älteren Brüder. Der eine ist heute Fotograf, der andere bei der AGES.

Harry Potter und der Buch-Macher

Mit dem Studium ließ sich der sehr reflektiert wirkende Föger Zeit, begann nebenbei über Forschungsprojekte zu schreiben. Bald erschienen seine Artikel im Wissenschaftsteil der "Presse" und im "Universum"-Magazin. Studienaufenthalte in Oxford und Uruguay – "ein spannendes Projekt mit Seelöwen" – folgten. Heimischen Tieren widmete er sich auch. Er war einer der ersten Praktikanten in der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau.

Der damals schon bekannten Nazi-Vergangeheit des Verhaltensforschers widmete sich Föger journalistisch: 2001 fand er im Staatsarchiv Lorenz’ NSDAP-Antrag und veröffentlichte seine Erkenntnisse in der "Presse". Ein Bericht, der Neo-Verleger und Ex-"profil"-Herausgeber Hubertus Czernin auf Föger aufmerksam werden ließ.

An die erste Begegnung erinnert er sich gut: "Wir haben uns im Café Bräunerhof getroffen, wo ich als Student auch häufig war. Als die Kellner nicht nur Czernin, sondern auch mich freundlich grüßten, sagte er: ,Man kennt Sie hier? Das ist eigentlich mein Wohnzimmer’."

Der Jungjournalist war überrascht von Czernins Angebot, die Lorenz-Biographie zu verlegen: "Das ist interessant, aber ich habe noch nie ein Buch geschrieben und weiß gar nicht, wie das geht", sagte er damals. Czernin vertraute auf Fögers Können – das mit Klaus Taschwer geschriebene Buch erschien binnen weniger Monate.

Spätestens da "war mir klar, dass ich mein Studium nicht mehr abschließen werde", sagt Föger. Als Czernin erkrankte, bat er 2003 den "Freund des Verlages", ihm bei der Nachfolgersuche zu helfen. Und erkor dann den damals 33-Jährigen selbst zur Idealbesetzung. Der fühlte sich trotz Jugendtraums überrumpelt, "ich hatte ja keine Ahnung von Wirtschaft und Verlagsgeschäft". Er wagte es mit einem Co-Geschäftsführer und festigte bis heute den Ruf des Verlags.

"Wir wollen Diskussionen anstoßen", erklärt Föger das Programm mit vorwiegend zeitgeschichtlichen und politischen Büchern. Einer der Bestseller ist das "Handbuch gegen Vorurteile" für Jugendliche. Wenig Chancen – schon allein weil meist nicht zum Programm passend – haben unverlangt eingereichte Manuskripte, dennoch versuchen es viele: "Wir bekommen im Schnitt zwei pro Tag."

Harry Potter und der Buch-Macher

Johannes Gutenberg, Erfinder des modernen Buchdrucks, darf in der Bibliothek nicht fehlen.

 

Föger sieht sich im Traumberuf: "Es hat keinen Tag gegeben, an dem ich nicht gern ins Büro gegangen bin. Die Freiheit, die Bücher zu machen, die man gerne machen möchte, ist unbezahlbar." Auch privat ist er glücklich: Mit Studienfreundin Ursula, die aus Molln stammt, ist er seit 2003 verheiratet. Im selben Jahr kam Sohn Valentin, 2005 Tochter Katharina zur Welt. Als Kinder zweier Oberösterreicher beherrschen sie den Dialekt, "sprechen ihn aber nur, wenn sie uns veräppeln wollen", lacht der Vater.

Die Rückkehr zum Landleben

In Molln ist die Familie regelmäßig, noch häufiger frönt Föger dem Landleben in einem Wochenendhaus im Burgenland: "Es ist erstaunlich, wie glücklich mich Gärtnern macht." Auch weil es ein Kontrast zum Arbeitsalltag ist.

Sein Verlag mit vier Mitarbeitern residiert bescheiden: in einem ehemaligen Schulbuchlager im Souterrain. Der Sitz des Hauptverbands im noblen Innenstadt-Palais zeugt dagegen noch von altem Glanz.

Harry Potter und der Buch-Macher

43.000 Besucher zählte die „Buch Wien“, Österreichs größte Buchmesse, heuer.

 

Rosig sind die Zeiten für die Buchbranche nicht mehr: Umsatzrückgänge beschert einerseits Online-Konkurrenz wie Amazon, andererseits auch, "dass die Menschen generell weniger Zeit für Bücher haben", verweist Föger auf die zunehmende Nutzung sozialer Netzwerke und Medien. Dennoch ist sein Blick in die Zukunft positiv: "Das gedruckte Buch wird immer bestehen", den digitalen Markt dürfe man aber nicht vernachlässigen. Einen Wettbewerbsvorteil habe der klassische Buchhandel: "Buchhandlungen sind ein Ort des Austauschs und der Diskussion, das kann Online so nicht bieten." Allerdings müssen Verleger und Buchhändler "viel stärker mit Endkunden kommunizieren".

Föger liest lieber vom Papier, Manuskripte aber auch am iPad. Und die Harry-Potter-Serie kennt er genau: "Ich habe meinem Sohn alle Bände vorgelesen" – mehr als 4000 Seiten. Für wen das anstrengender war, bleibt Familiengeheimnis.

 

1859: Seit Mitte des 19. Jahrhunderts vertritt der Hauptverband des österreichischen Buchhandels die Interessen von Verlegern, Buchhändlern, Auslieferern, Verlagsvertretern und Antiquaren. Wichtigste Anliegen sind etwa Urheberrecht und Buchpreisbindung. Die „Buch Wien“ zählt zu den wichtigsten Veranstaltungen der Branche.

400 Vollsortiments-Buchhandlungen mit rund 3000 Mitarbeitern gibt es in Österreich. 2015 erwirtschaftete der heimische Buchhandel rund 730 Millionen Euro Umsatz. Der Marktanteil von E-Books liegt, so der Verbandspräsident, bei etwa fünf Prozent.

20 Bücher pro Jahr legt der Czernin-Verlag in etwa neu auf. Der vom mittlerweile verstorbenen Hubertus Czernin 1999 gegründete Verlag legt den Schwerpunkt auf Sachbücher, die „unbequeme Themen aufgreifen und Diskussionen anregen“.

 

Nachgefragt ...

Heimat ist für mich ... dort, wo meine Familie ist.

Das fehlt mir in Wien aus Oberösterreich ... die Leit

Mein Lieblingsplatz in Wien… das Café Bräunerhof an einem Wochentag vormittags

Mostschädl oder Weana Bazi, das beschreibt mich eher… Mostschädl

Der größte Unterschied zwischen Wienern und Oberösterreichern ... Oberösterreicher gehen offener und vorbehaltloser auf andere Menschen zu.

 

 

 

Quelle: nachrichten.at
Artikel: http://www.nachrichten.at/nachrichten/kultur/Benedikt-Foeger-Harry-Potter-und-der-Buch-Macher;art16,2414457
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