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Aus 13 mach 1 – das neue Kulturquartier

Landeskulturzentrum Ursulinenhof und OK gehören ab 17. März zusammen Leiter Martin Sturm: „Ich will aus den Leuten mehr herauslocken.“

Aus 13 mach 1 – das neue Kulturquartier

Die künstlerische Leitung des OÖ Kulturquartiers liegt in den Händen von Martin Sturm. Bild: Reiter

OÖNachrichten: Wer hat wann warum entschieden, aus dem Landeskulturzentrum Ursulinenhof und aus dem OK das Kulturquartier entstehen zu lassen?
Martin Sturm: Es war vor etwa zweieinhalb Jahren im Rahmen der Aufgabenreform des Landes die Frage, ob man durch das Zusammenlegen mehr Effizienz erreichen kann. Was ursprünglich in manchen Köpfen ein Sparprojekt war, hat sich in ein Marketingprojekt mit Mehrwert verwandelt. Durch die Bündelung entsteht mehr Kraft, wie am Museumsquartier oder am Grazer Joanneum-Viertel zu sehen ist. Es wurde quasi aus der Not eine Tugend gemacht.

OÖN: Wie sieht der programmatische Ansatz aus?
Sturm: Dass aus lauter Einzelspielern ein Orchester wird, dass man einzelne Programme gemeinsam vermarktet, zum Beispiel über eine lange Donnerstagnacht einmal im Monat oder, wie zur Eröffnung, indem Formate geschaffen werden, in die sich alle einbringen können. Durch die Bandbreite zwischen Regionalkultur-Plattform und internationalem Festivalzentrum entsteht eine Spannung im Kulturbegriff. Die soll nicht nebeneinander stattfinden, sondern wir wollen versuchen, uns gegenseitig zu infizieren.

OÖN: Die Galerien im Ursulinenhof könnten Sie als Eindringling betrachten?
Sturm: Ich bin gegen feindliche Übernahmen. Ich habe eigene Möglichkeiten der Gestaltung, ich brauche aber die Partner, von denen ich 13 im Kulturquartier habe. Gescheitert bin ich, wenn keiner mitgehen will.

OÖN: Haben Sie Partner?
Sturm: Die OÖ. Fotogalerie hat sich beim Klavier-Thema eingeklinkt: Wie kann man Töne in Farben übersetzen? Mit dem Moviemento wird es einen Filmclub mit dem Kulturphilosophen Thomas Macho geben, der Gäste einlädt und Filme besonders bespricht.

OÖN: Ganz reibungsfrei soll die Zusammenlegung nicht verlaufen. Wer fürchtet sich vor Martin Sturm?
Sturm: Es ist wie mit dem Riesen Tur Tur bei „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, der als Leuchtturmwärter alleine steht – je näher man ihm kommt, desto mehr sieht man, dass er wie ein normaler Mensch ausschaut. Je näher man mich kennenlernt, umso weniger werden die Ängste sein. Ich will nur mehr herauslocken aus den Leuten, damit sie mehr machen als die letzten 30 Jahre ewig das Gleiche.

OÖN: Die zur Kunstsammlung gehörende Artothek hat noch Probleme bei den Ausleihungen.
Sturm: Ich glaube, dass das Quartier helfen kann, denn wir sind eine Kunst- und Kulturvermittlungseinrichtung. Wir müssen schauen, dass wir Berührungsängste wegbringen und dann die Leute sagen, ich will das Bild mitnehmen.

OÖN: Das OK litt lange unter einem Popularitätsdefizit. Die Räusche – Kauf-, Tiefen- und Höhenrausch – haben das verändert. Erreicht zeitgenössische Kunst die Menschen ohne Eventkultur nicht?
Sturm: Wenn man breitere Besucherschichten erreichen will und nicht nur für das Experten- und Fachpublikum arbeitet, dann braucht man solche Event-Elemente, die die Kunst zu den Leuten bringen und nicht umgekehrt. Das Rausgehen aus dem Elfenbeinturm ist ein wichtiger Aspekt, der der zeitgenössischen Kunst Publikum bringt. Dadurch kann ich gleichzeitig aber wieder stärker das Labor etablieren, um Ideen entwickeln zu können. Das ist der Think-Tank, den so ein Quartier braucht.

OÖN: Der nächste Rausch kommt bestimmt?
Sturm: Das wird im Sommer der Sinnesrausch sein, der das Kulturquartier als einen ästhetischen Erlebnisraum in den Mittelpunkt stellt, mit einer sehr sinnlichen Kunst mit Wahrnehmungsgeräten zum Hören, Riechen und Schmecken.

OÖN: Gibt es schon konkrete Stationen?
Sturm: Wir werden auf dem Dach mit der Kunstuniversität ein großes Projekt zum Thema Wasser machen, es wird eine neue Geruchsorgel eines in Berlin lebenden Künstlers geben (Georgsdorf), und wir haben die tschechische Künstlergruppe „Play“, die als Kern der Ausstellung künstlerische Wahrnehmungsobjekte entworfen hat.

OÖN: Was wird mit dem Untergeschoß passieren, wenn das junge Theater auszieht?
Sturm: Das ist noch offen. Es gibt einen Wunsch im Landeskulturbeirat, dass das für Theaterexperimente oder die freie Szene zur Verfügung steht. Ich möchte erst die Gesamtsituation analysieren.

 

Tage der eröffneten Tür

Festakt: Um 17.30 Uhr beginnt am Samstag, 17. März, der Festakt, bei dem Chefdirigent Dennis Russell Davies „Spring“ von John Cage aufführt. Gezeigt wird auch ein Film, der alle 13 Partner im OÖ Kulturquartier vorstellt. Dazwischen gibt’s „Minutenstücke“ für 1-6 Klaviere, die von Las Vegas Sound über „toy piano“ bis hin zu Bruckner mit vielen Schattierungen verblüffen.Spazier!

Durchs OÖ Kulturquartier: Auch ein Spaziergang mit vielen Kunstüberraschungen (18.30–20.30 Uhr) und Klangvolles im „Garten der Klaviere“ (20.45–21.45 Uhr) sind angesagt. Durchgehend kulinarisch verwöhnt wird man bis 23 Uhr mit den Köstlichkeiten aus der mobilen Müllcontainerküche der „kantinestrauss“.

Offene Flügel: Der Sonntag, 18. März, wird zum „Tag der tausend Tasten erklärt“ und lädt alle Tasten-Freudigen ein, mitzuspielen. Vom Anfänger bis zum Profi: Noten mitnehmen und los geht’s.

Suppenfest: Lassen Sie sich einkochen mit den besten Frühlingssuppen Oberösterreichs.So ist man auch bestens gestärkt für die mit Überraschungen gespickte Familienexpedition „Suuuper Sonntag“ oder die „Guten Tag“-Führungen durch das OÖ Kulturquartier.

Nähere Informationen zum Eröffnungsprogramm unter www.ooe.kulturquartier.at

Kulturquartier-Zahlen

6 Millionen Euro wurden in den Wiederaufbau nach dem verheerenden Brand vom 3. Juni 2009 investiert, fünf Millionen kommen von den Versicherungen.

10 Prozent des Budgetvolumens können durch die Zusammenlegung eingespart werden. Das Kulturquartier verfügt jetzt pro Jahr über ein Budget von 1,5 Millionen Euro.

13 Partner werken unter einem Dach: OK-Offenes Kulturhaus (seit 1988), Landeskulturzentrum Ursulinenhof (seit 1977), Kunstsammlung mit Artothek (seit 2009), Fotografische Gesellschaft (1968), Verein Freunde des Musiktheaters (1985), Club-Galerie der Dr. Ernst-Koref-Stiftung (1969), OÖ. Presseclub (1976), Zülow Gruppe (1955), OÖ Kunstverein (1851 gegründet), Berufsvereinigung Bildender Künstler OÖ (1945), u\\hof: Theater für junges Publikum (1998), Moviemento (1990), Ursulinenkirche (1985 restauriert).

17 Tennisplätze hätten auf der Raumfläche von 3300 Quadratmetern Platz. Nimmt man den OK-Platz und den Ursulinen-Innenhof dazu, wären es 28.

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Artikel Bernhard Lichtenberger 13. März 2012 - 00:04 Uhr
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