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Ars Electronica bringt die Zukunft nach Berlin

Einmalige Sonderschau "Human Factor – endless prototyping" im Volkswagen Group Forum.

Ars Electronica bringt die Zukunft nach Berlin

Die Ars-Electronica-Geschäftsführer Gerfried Stocker und Diethard Schwarzmair vor dem Projekt "Environment Dress 2.0" (Maria Castellanos und Alberto Valverde) Bild:

Im Hamburger Bahnhof, dem Berliner "Museum für Gegenwart", zeigen sie aktuell "Das Kapital Raum 1970–77", ein Schlüsselwerk des Utopisten Joseph Beuys. In der "Berlinischen Galerie" gibt’s humorvolle Arbeiten von Erwin Wurm. Der eindeutig vorwärtsgewandte Kunst-Essay in der deutschen Hauptstadt wird noch bis 28. August im frisch renovierten "DRIVE" erzählt, dem Volkswagen Group Forum in der noblen Friedrichstraße.

Der Automobilkonzern hat zum fünften Mal die Ars Electronica mit einer Sonderschau beauftragt, und die Linzer Institution erledigt, was sie am besten kann: Sie parkt neben glänzenden Bugatti-Modellen und auffrisierten VW-Golf-Flügeltür-Studien mögliche Lösungen für ökologische, gesellschaftliche und ökonomische Fragestellungen. "Human Factor – endless prototyping" heißt die von Ars-Electronica-EXPORT-Chefin Manuela Naveau fein justierte Schau, die Arbeiten von rund 50 Künstlern an der Schnittstelle von Industrie und Kunst auffächert. Es sind allesamt Prototypen. Unsicher, unreif, spektakulär, möglicherweise visionär – wie Prototypen so sind.

Kunststück mit sechs Tonnen

Und so unfertig wie die Skulpturen des Italieners Davide Quayola, der sich 2013 in Linz die Goldene Nica abgeholt hat. "Es war schon ein Kunststück, dass wir seinen sechs Tonnen schweren Fräse-Roboter hier hereinbekommen ha- ben", sagt Cornelia Schneider, Leiterin der VW-Konzernkommunikation. Dort steht nun der Koloss und löst aus riesigen, weißen Kunststoffquadern Kopien der altgriechischen Laokoon-Gruppe heraus. Er hinterfragt damit, was bleiben würde, wenn die auf Perfektionismus getrimmte Maschine die Skulpturen zu Ende bringen würde.

Ars Electronica bringt die Zukunft nach Berlin

Der Fräse-Roboter von Davide Quayola plus zwei Bentleys im Hintergrund.

Patrick Tressets (Fra) Zeichenroboter vermessen menschliche Gesichter, beim Anfertigen des Abbildes erinnert ihre Haltung sogar an jene von Straßenzeichnern, die Ergebnisse sind überraschend prächtig. Das "Environment Dress 2.0" der Spanier Maria Castellano und Alberto Valverde misst Lärm, Luftdruck, Temperatur, Kohlenmonoxid und UV-Strahlung und schließt sich im Fall der Schadstoff-Überlastung wie der Helm einer futuristischen Ritterrüstung.

Ars Electronica bringt die Zukunft nach Berlin

Der Zeichenroboter „Human Study #1 - 3RNP von Patrick Tresset

Das deutsch-britische Kollektiv INAPRO verbindet die Aufzucht von Fischen und Pflanzen in einem geschlossenen Wasserkreislauf, indem das Fischwasser die Nahrungsgrundlage für Pflanzen darstellt, die wiederum das Wasser für die Fische liefern. Michael Burtons (Eng) und Michiko Nittas (Jap) "Instruments of the Afterlife" verwandeln mithilfe von Pflanzen und gentechnisch veränderten Bakterien toxische Stoffe in hochwertige Materialien.

Ars Electronica bringt die Zukunft nach Berlin

Die Aquaponik-Arbeit des Kollektivs INAPRO

480.000 Euro Budget

VW hat der Ars Electronica 480.000 Euro für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt. Zehn vergleichbare Projekte verwirklichte Ars Electronica EXPORT im vergangenen Jahr in neun Ländern. Für heuer stehen noch Großprojekte in London und Athen auf dem Programm, Buenos Aires folgt Anfang 2017. Wenige hundert Meter vom Volkswagen Group Forum entfernt hat SAP 2004 seine Hauptstadt-Zentrale eingerichtet. Seitdem ist Ars Electronica der Exklusivpartner des Software-Riesen in Medienkunst – mit Projekten von New York bis zum SAP-Hauptsitz im baden-württembergischen Walldorf.

SOLUTIONS-Chef Michael Badics und Futurelab-Direktor Horst Hörtner verantworten die anwendungsnahen und gewinnorientierten Segmente der Ars Electronica. Sie schaffen medienkünstlerische Konzepte für Industrie, Messen und Events. Aktuell tüfteln sie mit Künstler Stefan Mittlböck-Jungwirth-Fohringer etwas Neues, noch Geheimes für ein SAP-Projekt aus. "Die Ars Electronica versteht Technik, und sie versteht Kunst. Sie bringt von beidem das Beste zusammen, deshalb werden wir weiterhin mit den Linzern planen", sagt SAP-Vizepräsidentin Anka Wittenberg. Allein die Ars Electronica SOLUTIONS erzielte im Vorjahr Erträge in der Höhe von 3,6 Millionen Euro.

Horst Hörtner: "Ars Electronica hat sich weltweit als Kreativwerkstatt etabliert. Das wird einem klarer, je weiter man sich von Linz entfernt." Von der Europäischen Kommission wurde die Ars Electronica mit der Ausrichtung von "STARTS" geadelt – eine mit zwei Mal 20.000 Euro dotierte Auszeichnung für das beste Miteinander von Wissenschaft, Technologie und Kunst.

Unter 1861 Einreichungen aus 54 Ländern entschied sich die AEC-Jury für das "Magnetic Motion"-Projekt der Designerin Iris van Herpens (Nl) und für "Artificial Skins and Bones" der Kunsthochschule Berlin Weißensee/Ottobock-Medizintechnik/Fab Lab Berlin. Zu sehen im Open Innovation Space von Ottobock in Berlin, wo Ars Electronica längst mehr als bloß einen Koffer stehen hat.

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Artikel Peter Grubmüller aus Berlin 07. Juli 2016 - 00:04 Uhr
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