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Andreas Vitasek: "Ewig Revoluzzer zu sein, ist peinlich"

Andreas Vitasek ist Stargast der Verleihung des Salzburger Stiers in Gmunden.

"Ewig Revoluzzer zu sein, ist peinlich"

Seit 34 Jahren beleuchtet er den Alltag satirisch. Bild: Udo Leitner

Am 8. und 9. Mai (jeweils 19.30 Uhr) wird im Stadttheater Gmunden mit dem Salzburger Stier der wichtigste Kabarettpreis im deutschen Sprachraum verliehen. Andreas Vitasek (58) wird die Gala des guten Humors mit seinem Programm "Sekundenschlaf" veredeln. Im Interview spricht Vitasek über seinen Weg zum Kabarettisten und darüber, wie sich das Genre im Laufe seiner 34-jährigen Karriere entwickelt hat.

 

OÖNachrichten: Sie haben den Salzburger Stier 1986 bekommen, was hat Ihnen der Preis damals bedeutet?

Andreas Vitasek: Prinzipiell freut man sich über fast jeden Preis, aber der Salzburger Stier ist speziell. Den kriegt wirklich nur das Who-is-Who des deutschsprachigen Kabaretts. Ich habe recherchiert, wer ihn damals mit mir bekommen hat, und ich glaub’, man kennt den Mann: Harald Schmidt. Wir sind uns aber nie begegnet, weil damals die Preise für Deutsche, Österreicher und Schweizer an verschiedenen Tagen vergeben wurden.

Sie haben eine Theaterausbildung. Wie wurden Sie eigentlich Kabarettist?

In meiner Welt gab es den Beruf des Kabarettisten gar nicht. Mehr noch als Theater hat mich Literatur interessiert, ich hab’ ja auch Theaterwissenschaft und Germanistik studiert. Nur während des Studiums ist mir ein bissl langweilig geworden – damals gab es kein Internet, also haben wir die sonnigen Tage im Lesesaal von Bibliotheken verbracht. Da hab’ ich mich gefragt, ob das mein Leben sein soll. Zum Theater bin ich nur übers Geldverdienen gekommen: Ich war im Burgtheater Komparse und hatte das Glück, bei Giorgio Strehler in "Das Spiel der Mächtigen" eingesetzt zu werden. Das war eine Inszenierung, von der die Leute, die dabei waren, noch immer schwärmen. Dass ich von da an den Alltag satirisch beleuchten werde, war aber auch damals noch nicht klar – erst nach meinen ersten pantomimischen Programmen, als ich mich mit Helmut Qualtinger, und wie sie alle heißen, beschäftigt habe.

Sind Sie im Laufe Ihrer über 30-jährigen Karriere gelassener oder misstrauischer gegenüber ihren Programmen geworden?

Ein bisschen von beidem. Ganz sicher bin ich heute selbstkritischer. Wenn man jung ist, weiß man glücklicherweise nicht, wie mittelmäßig man ist, sonst würde man ja nicht auf die Bühne gehen. Man hat ein überhöhtes Selbstwertgefühl, aber das ist auch die Voraussetzung, überhaupt vor ein Publikum zu gehen. Im Laufe der Jahre wird man besser und gelassener, weil man erfahren hat, dass eine Premiere kein Kampf auf Leben und Tod ist.

Hat sich Ihr Publikum im Laufe der Jahre verändert?

Es hat sich das Konsumverhalten beim Kabarett verändert. Als ich angefangen hab’, war das eine Art Alternativkultur, die auch den Reiz hatte, dass man sich nicht schön anziehen musste, man durfte während der Vorstellung noch rauchen und Bier trinken. Mittlerweile ist Kabarett eine gleichberechtigte Form des Mainstream-Kulturkonsums – wie Theater, Oper, Kino.

Halten Sie das für gut?

Eigentlich schon, weil ewig alternativ und ewig Revoluzzer zu sein, ist ab einem gewissen Alter auch ein bissl peinlich.

Wie hat Fernsehen das Kabarett verändert?

Sehr ambivalent: Einerseits hat man bald festgestellt, dass die Übertragung von der Kabarettbühne ins Fernsehen nicht eins zu eins funktioniert. Abgefilmte Kabarettabende haben maximal dokumentarischen Wert – das ist wie der Unterschied von Urlaub und Urlaubsfotos. Das andere sind die eigens fürs Fernsehen gemachten Formate, bei denen die Pointe binnen kurzer Zeit kommen muss, was der Erzählung nicht immer gut tut. Daraus ist die Comedy entstanden. Sie ist eine Kreuzung aus Fernsehen und Kabarett – und dabei herausgekommen ist dieses Dings. Ich verteufle dieses Genre aber nicht, weil es einige gibt, die das gut können.

Haben Sie jemals Formate abgelehnt, um sich selbst nicht zu beschädigen?

Tja, ich habe in der Telenovela "Anna und die Liebe" für eine Folge sogar mitgespielt. Und die Leute haben gerätselt, was der Kabarettist da macht – ob er eine Wette verloren hat. Nein, ich war nur neugierig, wie das funktioniert – und es war gut bezahlt. Ich schau mir solche Serien nicht an, aber seitdem hab’ ich Hochachtung vor diesen Leuten. Es ist verblüffend, wie professionell dort gearbeitet wird. Ich erfahre mich auch gerne in neuen Situationen.

Wie bei "Was gibt es Neues?"?

Genau. Ich hab’ immer gewusst, dass ich Pointen vorbereiten muss, ich muss sie schreiben, ich muss feilen, bis sie sitzen. Bei "Was gibt es Neues?" hab’ ich mich am Anfang wie der Fisch auf dem Trockenen gefühlt, aber es wurde zu einer Übung für Spontaneität.

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Artikel Peter Grubmüller 23. April 2015 - 00:04 Uhr
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