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Als Bob Dylan plötzlich Jesus fand

Die Box "Trouble No More" rehabilitiert die umstrittene christliche Phase der Rocklegende.

Als Bob Dylan plötzlich Jesus fand

Anfang der 80er-Jahre entdeckte der in einer Lebenskrise steckende Bob Dylan die Religion für sich. Bild: Sony

Ein kleines versilbertes Kreuz läutete eines der umstrittensten Kapitel in der Karriere von Bob Dylan ein. Im November 1978 von einem Besucher als Geschenk auf die Bühne geworfen, befeuerte es die Hinwendung des von schlechten Kritiken und einer erbitterten Scheidung psychisch schwer angeschlagenen Rockstars zum Christentum. Bis 1981 nahm Dylan mit "Slow Train Coming", "Saved" und "Shot Of Love" drei Alben voller religiöser, stark Gospel-geprägter Songs auf, die seine Fangemeinde zutiefst verstörten. Die jetzt erschienene Werkschau "The Bootleg Series Vol.13 – Trouble No More" (1979–981)" berichtet von jenen kontroversen Jahren – und zeigt erstmals auf, welch’ großartige, inspirierte und pulsierende Musik der damalige Kreuzritter des Christentums spielte.

Insgesamt 30 unveröffentlichte Live-Aufnahmen sind auf der exzellenten, sorgsam editierten "Trouble No More"-Doppel-CD versammelt, die acht CDs umfassende Deluxe Edition ist nur für Hardcore-Fans essenziell. Sie zeigen einen Dylan, der seinen kreativen Funken sucht – und diesen im Gegensatz zu den uninspirierten Studioaufnahmen der Zeit auch findet. Angetrieben von einer fantastischen Band um Pianist Spooner Oldham und drei Gospel-Sängerinnen, präsentiert sich Dylan auf "Trouble No More" als furioser Rock & Blues & Gospel-Prediger, der durch Jesus wieder zu alter künstlerischer Stärke findet.

Mit voller Geschwindigkeit

Der "Slow Train" braust plötzlich mit voller Geschwindigkeit, auch die Live-Versionen von "Gotta Serve Somebody", "Every Grain Of Sand" oder "The Groom’s Still Waiting At The Altar" schlagen die bekannten Studio-Aufnahmen in punckto Energie, Spielfreude und Virtuosität um Längen. Sie zeigen eine Wiedergeburt, nicht nur in spiritueller, auch in musikalischer Hinsicht. Hier entwickelt Dylan jenen originären, zwischen Blues, Folk und Rock hin und her scheppernden Sound, den er bis heute pflegt. Warum er aber großartige, auf "Trouble No More" teils zum ersten Mal zu hörende Stücke wie "Carribean Wind", "Ain’t No Man Righteous No Not One", oder "Ain’t Gonna Go To Hell For Anybody" damals ins Archiv verbannte, dass weiß nur Dylan selbst. Eventuell auch noch der liebe Gott, der an ihrer Entstehung ja nicht ganz unbeteiligt war.

Neue Dylan-Box

„Trouble No More – The Bootleg Series Vol. 13 – 1979-1981“ ist als Doppel-CD und auch in Form eines Deluxe-Box-Set (8CD) erschienen. Die Box enthält zusätzlich ein Fotobuch sowie eine DVD mit dem Konzertfilm ‘Trouble No More: A Musical Film’.

 

 

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Artikel Lukas Luger 15. November 2017 - 00:04 Uhr
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