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Allein die Kunst zählt

Auftakt zum integrativen Kulturfestival sicht:wechsel in Linz.

Allein die Kunst zählt

Herzerfrischend: Das inklusive Berliner Theater RambaZamba eröffnete das Festival sicht:wechsel. Bild: Reinhard Winkler

Mit lässigen wie gekonnten Bewegungen queren die Tänzer der Urban Artists Linz und der "Ich bin O.K."-Dance Company Wien die Bühne der Linzer Kammerspiele. Ein Ausschnitt des Stücks "zeitLupe – erkenne den Moment" (zu sehen auch heute und morgen, 15 Uhr, auf dem Linzer Taubenmarkt) gab am Dienstag den Auftakt zur Eröffnung des Internationalen Integrativen Kulturfestivals sicht:wechsel im Beisein von Landeshauptmann Josef Pühringer und vieler Ehrengäste.

Die kurze Einlage unterstrich eindringlich das Credo des Festivals und seiner Organisatoren Elisabeth Braun, künstlerische Leiterin, und Alfred Rauch, Geschäftsführer: "Allein die Kunst zählt, nicht die Behinderung" heißt es bis 25. Juni zum vierten Mal in Linz bei 53 Veranstaltungen – Theater, Tanz, Workshops, Filme, Lesungen und Ausstellungen. Auch das nächste Festival 2019 – bereits ein Jahr früher als bisher – ist gesichert: Land, Stadt und Hypovereinsbank haben ihre Unterstützung zugesagt.

Brecht, erfrischend anders

Höhepunkt des Abends, charmant moderiert von Brigitte Kogseder (Theater Malaria) und Roland Huber (ORF), war ein Gastspiel des inklusiven Berliner Theaters RambaZamba: "Der gute Mensch von Downtown" ist inspiriert von Bert Brecht und seiner Frage: Inwieweit kann der Mensch im täglichen Überlebenskampf gut handeln?

Im Himmel tobt ein heftiger Streit: Eine neue Sintflut sei fällig, findet ein energischer Gott, schleudert seinen Erzengeln Gummistiefel vor die Füße und lässt sich doch besänftigen, sollten sich drei gute Menschen finden. Tatsächlich: Bei drei Rettern mit Down-Syndrom finden die "Flüchtlings"-Engel (Eva Mattes und Hans-Harald Janke) Unterschlupf. Und bald auch die ganze WG und sogar deren Betreuerin! Das ist zu viel des Guten, Chaos ist angesagt, ganz zur Freude des Publikums, in der herzerfrischenden, augenzwinkernden Inszenierung von Gisela Höhne samt Live-Band. Als Verwandlungskünstler mutieren Juliana Götze, Nele Winkler und Zora Schemm von den guten Schwestern zu deren furchterregenden Brüdern. Meriam Abbas nährt als strenge Betreuerin den Wunsch auf Selbstbestimmung.

Eine eindringlicher, mit knapp vier Stunden aber etwas zu langer Eröffnungsabend.

Programm, Infos zum Festival: www.sicht-wechsel.at

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Artikel Karin Schütze 23. Juni 2016 - 00:04 Uhr
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