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Die innere Uhr: Wie wir ticken

Die innere Uhr: Wie wir ticken

Einige ruft sie jeden Morgen pünktlich aus dem Bett, ohne dass der Wecker läutet, während andere erst dann so richtig aufblühen, wenn sich die Sonne hinterm Horizont verabschiedet. Die innere Uhr macht uns aber nicht nur zu Morgen- oder Abendmenschen, sondern hat weit mehr Auswirkungen. Wie und warum sie unser Leben beeinflusst, erklärt der Chronobiologe Dr. Wolfgang Marktl. Viele körperliche Funktionen werden von einer biologischen Uhr gesteuert – sie laufen also in einem bestimmten Rhythmus ab. Nicht nur die Atmung und Verdauung oder die Monatsblutung bei Frauen unterliegen bestimmten Rhythmen, sondern auch Herzschlag, Körpertemperatur und vieles mehr, wie Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Präsident der Wiener Internationalen Akademie für Ganzheitsmedizin, erklärt: „Alle Funktionen des Körpers unterliegen einer bestimmten Rhythmizität. Sie verlaufen in zeitlichen Mustern, die wenige Millisekunden wie etwa die Hirn- und Nervenaktivität, einige Stunden, beispielsweise die Verdauung, oder sogar einen Tag, zum Beispiel der Hell-Dunkel-Wechsel, beziehungsweise noch länger dauern können.“ Die Wissenschaft von den Rhythmen wird auch als Chronobiologie bezeichnet. Sie beschäftigt sich mit der Zeitstruktur des Organismus und der Zeitabhängigkeit aller biologischen Phänomene.

03. Februar 2012 - 11:58 Uhr

Dreh- und Angelpunkt: die „Masterclock“ im Gehirn

Verantwortlich für diese Wechsel ist eine kleine Ansammlung von Nervenzellen im Gehirn. Genau genommen handelt es sich um eine Region im Zwischenhirn – sie wird auch als suprachiasmatischer Nucleus (SCN) bezeichnet. „Dieser Nucleus, also Kern, ist eine Struktur im Hypothalamus, dem Schaltzentrum des vegetativen Systems, und wird im Englischen als ‚Masterclock‘ bezeichnet“, so der Chronobiologie. Er steuert die innere Uhr und passt den Stoffwechsel an die Tageszeiten an. Doch was ist nun eigentlich die „innere Uhr“ und warum unterliegen die Körperfunktionen verschiedenen Rhythmen? Marktl erklärt: „Es handelt sich dabei um angeborene biologische Vorgänge, die man bei jedem Lebewesen, egal ob Fuchs oder Mensch, beobachten kann. Es gibt viele Rhythmen, die auch in der Natur vorkommen wie etwa der Tag-Nacht-Rhythmus. Der Mensch versucht, sich diesen äußeren Zeitgebern anzupassen, um das Überleben zu sichern. Auch wenn die Zivilisation heute vieles verändert hat, dient diese sogenannte exogene Synchronisation der Vorbereitung des Organismus auf die Tagesaktivität beziehungsweise Nachtruhe.“ Die innere Uhr hingegen bezieht sich auf eine endogene Synchronisation. „Für kürzere, unter 24 Stunden dauernde Rhythmen gibt es in der Natur keine Entsprechung. Man ist der Meinung, dass sie dazu da sind, um die einzelnen Körperfunktionen optimal aufeinander abzustimmen – wie das Räderwerk einer Uhr. Sie dienen also der Aufrechterhaltung der zeitlichen Ordnung im Inneren“, erklärt der Mediziner.

Morgenmuffel versus Partytiger

Am Beispiel des Hormons Melatonin zeigt sich, wie wichtig die innere Uhr ist. „Es informiert quasi die inneren Organe, die ja nicht sehen können, dass es draußen finster wird, über die einsetzende Dunkelheit“, so Marktl. Wird Melatonin freigesetzt, bereitet sich der Körper auf die nächtliche Ruhephase vor. Etwa um drei Uhr morgens erhöhen sich dann wieder viele Werte wie etwa der Puls oder die Körpertemperatur, um uns auf den kommenden Tag einzustimmen. Zwischen 14 und 16 Uhr erreichen die meisten Werte ihren Höhenpunkt. Der Körper bereitet sich dann bereits wieder auf die Ruheaktivität vor, was einige Zeit in Anspruch nimmt. Jeder Mensch hat jedoch seinen eigenen Rhythmus, den persönlichen Chronotyp. Er ist dafür verantwortlich, ob wir Frühaufsteher – sogenannte Lerchen – oder Nachtmenschen, also Eulen, sind. Wie es dazu kommt, weiß der Chronobiologe: „Bei ausgeprägten Morgen- oder Abendmenschen sind die biologischen Hoch- und Tiefphasen um einige Stunden verschoben. “

Zeitumstellung bringt uns aus dem Takt

Die innere Uhr wird auch als "circadiane Uhr" (circadian = um den Tag herum) bezeichnet und ist genetisch bedingt. „Versuche unter Ausschluss zur Außenwelt haben gezeigt, dass die innere Uhr einen Rhythmus von 24,8 bis 25 Stunden hat, also etwas mehr als ein Tag. Das ist auch der Grund, warum viele Menschen die Zeitumstellung im Herbst, wenn wir eine Stunde hinzubekommen, weniger schlimm empfinden als im Frühjahr. Das Dazugewinnen einer Stunde entspricht in etwa unserer inneren Uhr. Im Frühjahr hingegen führt die Zeitumstellung – so haben Studien gezeigt – zu einer Häufung der Verkehrsunfälle am darauffolgenden Montag“, sagt der Mediziner. Apropos Zeitumstellung: Seit dem Sommerzeitmodell von 1980 bringt sie die innere Uhr bei vielen Menschen aus dem Takt. „Ich kenne keinen Chronobiologen, der die Zeitumstellung befürwortet“, bringt es Marktl auf den Punkt. Während die Sommerzeit nur vorübergehend Probleme bereitet, kann ein dauerhaftes Ignorieren der inneren Uhr gesundheitliche Folgen haben. Die Palette reicht von Verdauungs- und Schlafstörungen bis zu Bluthochdruck.

Wann man welche Medikamente einnehmen sollte

Die innere Uhr hat auch einen Einfluss auf die Einnahme von Medikamenten. Die Chronopharmakologie beschäftigt sich damit, wann im Tagesablauf welches Arzneimittel am besten wirkt. Der Zeitpunkt der Einnahme hat nämlich Auswirkungen auf die Dosierung, die Wirkung und mögliche Nebenwirkungen. Einige Beispiele: Medikamente gegen Asthma oder Magensäure hemmende Arzneimittel wirken abends am besten, während man am Morgen zu Cortison oder Mitteln gegen Bluthochdruck – wenn verordnet – greifen sollte.

MMag. Birgit Koxeder
Jänner 2012


Foto: Bilderbox

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