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Das Ungeborene raucht mit – Rauchstopp bei werdenden Müttern wichtig

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Das Ungeborene raucht mit – Rauchstopp bei werdenden Müttern wichtig

Rauchen in der Schwangerschaft ist für das Ungeborene besonders schädlich. Raucht die werdende Mutter, steigt die Gefahr einer Früh- oder Fehlgeburt ebenso wie die Gefahr eines plötzlichen Kindstodes.

23. Januar 2017 - 00:00 Uhr

Werdende Mütter sollten beraten und unterstützt werden, damit ein Rauchstopp gelingen kann. Schwangerschaft und Rauchen besitzt viele Berührungspunkte. Das enthaltene Nikotin und die große Anzahl weiterer schädlicher Stoffe wie Teer, Arsen, Benzol, Cadmium, Blei, Blausäure und Kohlenmonoxid schädigt nicht nur die Raucherin, sondern auch das Ungeborene.

Auch die Frage, ob überhaupt eine Schwangerschaft eintreten kann, wird berührt. Ist eine Schwangerschaft geplant, sollten beide Partner das Rauchen beenden. Rauchen verschlechtert die Qualität der Spermien und vermindert die Zahl der lebensfähigen Samenzellen. Auch die Chance auf eine erfolgreiche künstliche Befruchtung ist bei Raucherinnen geringer als bei Nichtraucherinnen.

Da bei Raucherinnen in der Schwangerschaft mehr Komplikationen auftreten als bei Nichtraucherinnen, müssen diese häufiger einen Gynäkologen aufsuchen.

Risiken für das Ungeborene

  • Häufigere Fehlgeburten: Die Fehlgeburtsrate steigt, weil sich die Placenta-Komplikationen häufen.
  • Die Gefahr einer Frühgeburt steigt, da der Mutterkuchen schlechter durchblutet ist.
  • Geringes Geburtsgewicht: Die Babys wachsen langsamer.
  • Lippenspalten (deutliche Risikoerhöhung!): Spalte in der Mitte der Oberlippe, die sich Richtung Nase zieht.
  • Rauchen beeinflusst die neurologische Entwicklung des Fötus negativ.
  • Nikotin ist ein Nervengift: Rauchen schadet dem Nervensystem des Ungeborenen und kann die Entwicklung stören. Ultraschallaufnahmen eines britischen Medizinerteams zeigen, dass Föten bei Nikotinzufuhr unruhig werden und sich viel mehr bewegen als Babys von Nichtraucherinnen. „Das sind Anzeichen dafür, dass das Nikotin sich auf das zentrale Nervensystem auswirkt und die Ungeborenen von der Inhalation des Gifts unmittelbar betroffen sind“, sagt Priv.-Doz. Dr. Angela Zacharasiewicz, Fachärztin für Kinder-und Jugendheilkunde am Wilhelminenspital Wien.

Erhöhte Risiken nach der Geburt

Nach der Geburt haben Babys von Raucherinnen ein erhöhtes Risiko in folgenden Punkten:

  • Plötzlicher Kindstod
  • Häufigere Infekte
  • Asthma und Allergien
  • Neurologische Störungen wie ADHS und Lernschwäche, Verzögerung der geistigen Entwicklung
  • Zudem gibt es Hinweise auf Risikoerhöhung vieler anderer Erkrankungen und Entwicklungseinschränkungen

Passives Rauchen

Der Rauch in der Raumluft enthält die gleichen giftigen Inhaltsstoffe, wie der direkt inhalierte Rauch. Daher schadet auch passives Rauchen der Mutter dem Ungeborenen, auch wenn die Auswirkungen von der Intensität her schwächer sind. Darum sollte auch der Partner im Haushalt nicht rauchen und verrauchte Räume sollten gemieden werden.

Jede einzelne Zigarette schadet

Mit jeder Zigarette werden Schadstoffe zum im Mutterleib wachsenden Kind transportiert. Mit jeder Zigarette steigt dessen Gesundheitsrisiko. Es gilt daher: Je mehr geraucht wird, desto schlechter für das Kind. Daher ist auch jede Reduktion der Zigarettenanzahl gut, wenngleich ein Rauchstopp das Ziel sein sollte. „Die Annahme, dass ein bisschen Rauchen schon nicht schaden werde, stimmt nicht. Da jede einzelne Zigarette giftig ist, gibt es keine untere Toleranzgrenze. Mit dem Rauchen aufzuhören ist das Beste, was man für die eigene Gesundheit und die des Kindes tun kann“, sagt Zacharasiewicz.

Zeitpunkt des Rauchstopps

Ein Rauchstopp sollte möglichst vor der Schwangerschaft erfolgen. Denn vor der Schwangerschaft ist es einfacher aufzuhören als während der Schwangerschaft, da der Entzug leichter gelingt. „Ist eine Frau schwanger, wird das Nikotin im Blut schneller abgebaut, wodurch auch schneller Entzugserscheinungen auftreten. Das soll aber keine Ausrede sein, Aufhören gar nicht erst zu versuchen. Viele Frauen schaffen es dennoch, in der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufzuhören. Sie wollen ihrem Kind nicht schaden, und das ist der entscheidende Faktor, die starke Motivation“, sagt Zacharasiewicz. Der (fallweise im Internet zu lesende) Einwand, dass man nicht aufhören soll zu rauchen, weil sonst das Ungeborene an Entzugserscheinungen zu leiden habe, ist Unsinn.

Kinder ahmen Eltern nach

Ob durch das Rauchen der Mutter auch das Ungeborene Gefahr läuft, später einmal selbst nikotinabhängig zu werden, ist umstritten, Studien weisen in diese Richtung. Da Nikotin auch in das Gehirn des Ungeborenen dringt, dürfte das Gehirn auf Nikotin sensibilisiert werden. Absolut sicher ist dagegen die Tatsache, dass Kinder, die in einem Raucherhaushalt aufwachsen, ein erhöhtes Risiko haben, selbst einmal zu rauchen. „Kinder ahmen ihre Eltern nach und wachsen in dem Glauben auf, dass Rauchen etwas ganz Normales sei. Wenn Mama und Papa das machen, kann es ja nicht schlecht sein, denken sie“, so Zacharasiewicz.

Rauchfreie Stillzeit

Stillende Mütter sollten nicht rauchen, weil die inhalierten Giftstoffe über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben werden können. Säuglinge und Kinder sollten zudem vom schädlichen Passivrauch ferngehalten werden, da sonst das Erkrankungsrisiko (z.B. Atemwegsinfektion, Bronchitis, Mittelohrentzündung) steigt.

Zahlen nicht bekannt

Wie viele Frauen auch während der Schwangerschaft rauchen, ist unbekannt. Schätzungen gehen von 20 bis 30 Prozent aus. „Umfragen kann man nicht trauen, denn Rauchen in der Schwangerschaft wird oft verschwiegen und tabuisiert. Was man weiß, ist, dass insbesondere ganz junge, alleinstehende Frauen mit niedrigem Bildungsstatus weiterrauchen“, sagt die Ärztin.

Aufklären und unterstützen

Eine verpflichtende Beratung aller Schwangeren über die Folgen des Rauchens ist in Österreich noch nicht flächendeckend einheitlich umgesetzt. „Man sollte rauchende Frauen aber nicht an den Pranger stellen, sondern sie aufklären und vor allem unterstützen, um mit dem Rauchen aufhören zu können. Solche Angebote sollten flächendeckend und kostenlos angeboten werden. Denkbar wäre im Rahmen des Mutter-Kind-Passes eine Messung des Nikotingehalts im Harn durchzuführen. Jede Frau kann dann sehen, ob und wie hoch der Wert ist und das kann eine gute Motivation sein, mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt die Kinder - und Jugendärztin.

Rauchfreier Start ins Leben

Jede Mutter möchte ihren Kindern helfen und ihnen einen guten Start ins Leben ermöglichen. Ist ein Kind geboren und wächst es auf, wird mit vielerlei Maßnahmen und Aktivitäten versucht, es zu fördern und seine Gesundheit zu sichern. „Das ist gut und richtig, besonders wirkungsvoll ist es auch, das Kind schon vor der Geburt zu schützen. Nicht zu rauchen ist eine wichtige Maßnahme, um dem eigenen Kind einen guten Start ins Leben zu ermöglichen“, so Zacharasiewicz.

 

Dr. Thomas Hartl

Jänner 2017

 

Bild: shutterstock

 

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