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Badeotitis – Vor Ohrenschmerzen in der Badesaison schützen

Bild: shutterstock

Badeotitis – Vor Ohrenschmerzen in der Badesaison schützen

Schmerzhafte Entzündungen in den Ohren können das Urlaubsfeeling vermiesen und die sommerlichen Freuden dämpfen.

19. Juni 2017 - 00:04 Uhr

Um die Badesaison unbeschwert und schmerzfrei genießen zu können, sollte man bestimmte Vorkehrungen treffen und die Ohren vor Wasser schützen.

Ohrenschmerzen würde man in der Regel mit Kälte, Verkühlung und Winter verbinden, doch tatsächlich treten sie vorwiegend im Sommer auf. Eine solche saisonale, schmerzhafte Erkrankung des äußeren Gehörgangs nennt man Badeotitis (Fachausdruck: Otitis externa). Es handelt sich um eine Entzündung, die durch Keime verursacht wird, die mit dem Badewasser ins Ohr gelangen. Ursache der Entzündungen sind in diesen Fällen also nicht Verkühlungen (virale Infekte), sondern Keime im Wasser. Zumeist handelt es sich um Bakterien. Chlor im Wasser und die sommerliche Hitze sind zusätzliche Risikofaktoren, welche eine Entzündung verstärken können.

Symptome

Das Hauptsymptom sind Ohrenschmerzen. Diese können leicht bis heftig ausfallen. Häufig zeigt sich auch Juckreiz und Druckgefühl. Der betroffene Gehörgang ist gerötet und oft auch geschwollen. Die Haut des Gehörgangs ist entzündet. Bei starken Schmerzen sollte man jedenfalls einen Arzt aufsuchen.

Vorbeugung

Das Schwimmen und Plantschen im Wasser zählt für Kinder, aber auch für viele Erwachsene, zu den beliebtesten Augenblicken des Sommers. Damit das Badevergnügen nicht in einer schmerzhaften Ohrenentzündung endet und man schmerzfrei durch die Badesaison kommt, sollte man sich durch einige Vorsichtsmaßnahmen schützen. Vorbeugende Maßnahmen zielen darauf ab, dass kein Wasser in die Ohren kommt. „Am einfachsten ist das zu erreichen, indem man beim Schwimmen den Kopf nicht unter Wasser taucht, damit die Ohren trocken bleiben“, sagt Univ.-Prof. Dr. Nicole Rotter, Vorstand der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des Kepler Universitätsklinikum Linz, Med Campus III.

Vor allem Menschen, die in der Vergangenheit schon öfters Ohrenschmerzen hatten, sollten sich schützen. Folgende Maßnahmen können helfen:

Schmutziges Wasser meiden: In schmutzigem Wasser sind jede Menge Keime enthalten. Wer sich davon nicht vom Baden abhalten lassen will, sollte zumindest den Kopf über Wasser halten, damit kein Wasser in die Ohren dringt.

Passstücke einsetzen: Individuell angefertigte Passstücke für die Ohren anfertigen lassen und diese vor dem Baden einsetzen. „Diese vorbeugende Maßnahme empfiehlt sich für Menschen, die häufig tauchen oder schnorcheln und zu Ohrenschmerzen neigen. Individuelle Passstücke sind bei Hörgeräteakustikern erhältlich“, sagt Dr. Rotter.

Ohrstöpsel verwenden: Wer nur ab und zu schwimmen geht, wird sich wohl kaum den Aufwand machen und individuelle Passstücke anfertigen lassen. Ersatzweise kann man sich aber mit gewöhnlichen Ohrstöpseln notdürftig behelfen. Diese dichten zwar die Gehörgänge nicht völlig ab, halten beim bloßen Plantschen (wenn der Kopf über Wasser bleibt) aber doch die Ohren zumeist trocken.

Eingefettete Watte: Eine andere Möglichkeit, ein Eindringen von Wasser in die äußeren Gehörgänge zu verhindern ist es, sich mit Vaseline eingefettete Watte in die Ohren zu stopfen. Auch hier gilt das zu den Ohrstöpseln Gesagte: Sie bieten einen gewissen Schutz, halten die Gehörgänge aber nicht trocken, wenn der Kopf unter Wasser geht.

Ohren trocknen: Kann oder will man die Ohren nicht trocken halten (bei Kindern ist das schwer möglich), sollte man die Ohren nach dem Baden trocknen. Entweder, indem man das Wasser herausschüttelt (den Kopf neigt und hüpft) und/oder das Wasser in den Ohren mit einem Föhn trocknet. Nicht mit Wattestäbchen in die Ohren fahren!

Ohrschmalz entfernen

Da Ohrenentzündungen häufig beim Baden im Meer, See, oder Schwimmbad entstehen, kann es ratsam sein, sich vor dem Urlaub das Ohrschmalz entfernen zu lassen. Dr. Rotter: „Vor allem, wenn man empfindlich auf Wasser in den Ohren reagiert und viel Ohrschmalz produziert, sollte man vor der Badesaison einen Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde aufsuchen. Denn die Kombination von viel Ohrschmalz und keimbelastetem Wasser führt häufig zu Entzündungen.“ Befindet sich viel Ohrschmalz im Ohr, quellt das Wasser dieses auf und es bildet sich ein idealer Nährboden für von Bakterien verursachte Entzündungen. Zu viel Ohrenschmalz kann auch den Wasserrückfluss aus dem Ohr heraus verhindern. Befindet sich sogar ein Ohrenschmalz-Pfropfen tief im Gehörgang und löst er sich nicht vom Trommelfell und verstopft den Gehörgang, sollte dieser jedenfalls vom HNO-Arzt entfernt werden, bevor man baden geht.

Es gibt mehrere Methoden, wie man Ohrschmalz entfernen lassen kann:

Ohrspülungen: Das Ohr wird mit Wasserdruck ausgespült. Diese Methode eignet sich gut bei weichem Ohrschmalz.

Absaugen: Der Schmalzpfropfen wird mit einem dünnen Metallröhrchen aus dem Gehörgang angesaugt und entfernt. Ebenfalls gut geeignet bei weichem Ohrschmalz.

Häkchen: Ein Pfropfen kann auch mit einem Häkchen aus dem Gehörgang gezogen werden.

Tipp: Ein paar Tage vor dem Arztbesuch empfiehlt es sich, das vorhandene Ohrschmalz aufzuweichen, falls dieses sehr hart ist. Dafür eignen sich Ohrenöl, Olivenöl oder Ohrentropfen.

Man sollte nicht versuchen, das Ohrschmalz eigenhändig zu entfernen, sei es mit den Fingern oder mittels Wattestäbchen. Wenn man mit Wattestäbchen im Ohr herumstochert, stopft man das Ohrschmalz noch weiter in den Gehörgang und löst damit erst recht Probleme (Pochen, Schmerzen) aus.

Behandlung und Verlauf

Eine beginnende Entzündung kann sich rasch als Jucken oder Schmerz bemerkbar machen. Sie kann spontan abklingen oder sich auch verschlimmern. Ist eine schmerzhafte Badeotitis trotzt aller Vorkehrungsmaßnahmen entstanden, ist ein Besuch beim HNO-Arzt ratsam. Er wird zunächst die Gehörgänge reinigen und dann einen mit antibakteriellen Tropfen getränkten Streifen einlegen. Diese Maßnahme soll die Entzündung lindern und die Schwellung abklingen lassen. Unter Umständen ist die Gabe von Ohrtropfen im Abstand von wenigen Tagen zu wiederholen. „Alternativ werden auch mit 70-prozentigem Alkohol getränkte Streifen eingelegt. Streifen mit Kortison oder Antibiotika kommen bei Diabetikern und allgemein dann zum Einsatz, wenn die bisherige Behandlung keinen Erfolg gebracht hat“, sagt Dr. Rotter.

Eine Badeotitis heilt in leichten Fällen binnen zwei bis drei Tagen aus, in schwereren Fällen kann es über eine Woche dauern.

Im Urlaub

Schmerzmittel sollten in keiner Urlaubsapotheke fehlen. Empfindliche Personen sollten Ohrstöpsel mit auf die Reise nehmen. Bei starken Schmerzen sollte auch Ausland ein Arzt aufgesucht werden, um eine Verschlimmerung der Entzündung zu vermeiden.

Badeotitis und Mittelohrentzündung

Im Falle von starken Ohrenschmerzen kann auch eine Mittelohrentzündung vorliegen. Bei Schmerzen sollte man daher zum HNO-Arzt gehen, nur dieser kann diagnostizieren, ob eine eher harmlose Entzündung vorliegt oder bereits eine Mittelohrentzündung.

Schwere Fälle einer Badeotitis sollten nicht auf die leichte Schulter genommen und behandelt werden. Der Grund: Fällt die Entzündung massiv aus und wird sie nicht behandelt wird, kann sie in eine Mittelohrentzündung übergehen.

 

Dr. Thomas Hartl

Juni 2017

 

Foto: shutterstock

 

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