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Die Waage ist eine unbestechliche Richterin

Bild: OON

Die Waage ist eine unbestechliche Richterin

Haben wir zu Ostern zu viel geschlemmt? Oder bei der letzten Diät übertrieben? Ist das Idealgewicht wieder erreicht? Die Waage ist eine unbestechliche Richterin.

Von Roman Sangruber, 02. April 2016 - 00:04 Uhr

Wortgeschichtlich hängt sie mit "bewegen" zusammen: Waage, Wagen, Woge, Bewegung und Gewicht haben die gleiche Wortwurzel – sich bewegen. 1927 wurde per Ministererlass zur besseren Unterscheidbarkeit vom Wagen bei der Waage das doppelte A eingefügt.

Die Waage ist eine der ältesten Erfindungen der Menschheit. Sie wurde notwendig, als der Handel einsetzte und man nicht mehr nur Felle oder Feuersteine tauschte. Metalle oder Gewürze und vieles andere muss man wiegen. Der älteste in einem ägyptischen Grab entdeckte Waagebalken wird ins 5. Jahrtausend v. Chr. datiert. Waagen wurden bald nicht nur für diesseitige Zwecke verwendet, sondern auch zum Wiegen der Seelen. Die Waage wurde zum Symbol für Gerechtigkeit und ewiges Gericht.

Das Gleichgewicht ist das Wesen der Waage. Vom zweischenkeligen Waagebaum, lateinisch Bilanx, kommt man schnell zur "balance" und Bilanz. Populär wurden diese Begriffe im englischen politischen und ökonomischen Schrifttum des 17. und 18. Jahrhunderts, als man die Theorie der Selbststeuerung der wirtschaftlichen und politischen Systeme erfand: balance of trade, balance of payment und balance of power. Nicht mehr die "unsichtbare Hand" eines allmächtigen Gottes oder eines genauso allmächtigen Staates soll Wirtschaft und Politik steuern, sondern die Automatik des Marktes und der gegenseitige Ausgleich durch Gewaltenteilung und ökonomische Gleichgewichte.

Waagen wurden schon früh zu sehr genauen Messgeräten. Unterschiedlichste Systeme wurden entwickelt: Küchenwaagen und Apothekerwaagen, Brückenwaagen und Briefwaagen, Balkenwaagen und Federwaagen, mechanische und elektronische Systeme. Waagen wurden früh automatisiert. Personenwaagen gehören zur ersten Generation von Münzautomaten. In Wien wurden die ersten öffentlichen Münzpersonenwaagen im Jahr 1888 aufgestellt. Sie stehen dort immer noch an vielen Straßenecken. In keiner anderen Großstadt gibt es eine so dichte Präsenz, an Straßenbahnhaltestellen, in Schwimmbädern und Parks. Heute sind sie nur mehr Kuriosa, die von Touristen bestaunt werden. Die Waagen sind so billig geworden, dass man sie sich überall leisten kann. Als Personenwaagen sind sie ins Badezimmer gewandert. Aber an diesen Waagen bewegt sich nichts mehr. Nur mehr die digitale Anzeige flackert. Zu mehr Bewegung sollen sie trotzdem aufrufen.

 

Roman Sandgruber ist emeritierter Professor für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Johannes Kepler Universität Linz.   

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