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Volkskrankheit Kreuzweh: In Österreich leidet schon fast jeder Zweite daran

Studie: Übergewicht, Bewegungsmangel und langes Sitzen belasten die Wirbelsäule.

Volkskrankheit Kreuzweh: In Österreich leidet schon fast jeder Zweite daran

Autsch! Kreuzweh kann die Lebensfreude trüben. Bild: Wodicka

Viele Österreicher über 20 leiden an Kreuzweh. Mit knapp 40 Prozent Betroffenen hat sich ihre Zahl laut einer Studie von Grazer Wissenschaftern seit Mitte der 70er Jahre verdoppelt. Dabei gibt es aber deutliche regionale Unterschiede.

Im Westen sind weniger Menschen von Kreuzweh betroffen als in Zentral- oder Ostösterreich. Die meisten Probleme haben fettleibige Männer und Frauen. Zu den häufigsten Gründen gehören bekannterweise Übergewicht, Verspannungen und Bewegungsmangel.

"Der Rücken ist bei vielen Menschen so etwas wie ein Spiegel ihres Wohlbefindens", sagt Gunther Mittermayr, leitender Physiotherapeut im Landeskrankenhaus Rohrbach, der den OÖNachrichten die wichtigsten Fragen zum Thema beantwortet hat.

 

Was ist das Schlimmste, das wir unserem Rücken antun können?

Keine Bewegung, also das Dasein als Couch-Potatoe, ist für die menschliche Wirbelsäule das Schlimmste. Wer sich schont, wird mit Kreuzweh belohnt! Aber auch einseitige Belastungen ohne Ausgleich schaden dem Kreuz. Wer in der Arbeit immer sitzt, sollte sich zum Ausgleich bewegen.

 

Früher hieß es, dass man sich schonen muss, wenn man Rückenschmerzen hat. Gilt das heute noch?

In den meisten Fällen nicht. Wir raten allen Menschen, unbedingt in Bewegung zu bleiben. Auch bei Abnützungen und Knorpelschäden ist Bewegung anzuraten. Man weiß heute, dass lange Schonungsphasen die Belastbarkeit und die Muskulatur massiv schwächen.

 

Ist Sitzen tatsächlich Gift fürs Kreuz, wie oft behauptet wird?

Sitzen ist eine einseitige Belastung – besonders dann, wenn man es stundenlang macht. Deshalb sollte man nicht stundenlang sitzen, sondern beim Telefonieren beispielsweise aufstehen oder auch auf Stehtischen arbeiten. Problematisch ist Sitzen dann, wenn keine Abwechslung geschieht.

 

Sind Sportler gegen Kreuzschmerzen gefeit?

Leider nein. Trotzdem muss man sagen, dass Menschen, die viel Sport betreiben, meist einen gut trainierten Körper haben. Manche reizen allerdings auch sportlich die einseitige Belastung derart aus, dass sie sich gesundheitliche Probleme zuziehen.

 

Kann die richtige Matratze Rückenschmerzen lindern oder verhindern?

Diese Frage lässt sich auf seriöse Weise nicht beantworten: Der eine schwört auf weiche Matratzen, der andere liegt lieber hart. Hier stehen individuelle Vorlieben im Vordergrund. Wissenschaftliche Beweise gibt’s keine.

 

Stimmt es, dass Rückenschmerzen oft mit der psychischen Verfassung zusammenhängen?

Rückenschmerzen hängen immer eng mit der Psyche zusammen, wobei man oft nicht weiß, was zuerst da war. Wer chronische Beschwerden im Kreuz hat und immerzu an Schmerzen leidet, ist automatisch auch psychisch belastet. Und dann gibt es Menschen, die alles perfekt machen wollen. Dieses Ziel führt zu ständiger Überbeanspruchung von Strukturen wie Bändern und Sehnen. Die Psyche löst körperliche Prozesse aus. Depressive Menschen haben oftmals eine gekrümmte Körperhaltung, die zu extremen Verspannungen im Nacken führt.

 

Haben Frauen tatsächlich öfter Probleme mit der Wirbelsäule als Männer?

Meiner Meinung nach leiden Männer früher an diesen Beschwerden, nämlich sehr stark im Alter zwischen 35 und 45. Frauen haben mit der Wirbelsäule oft erst zwischen 50 und 60 Jahren zu tun.

 

Sind Rückenschmerzen wirklich eine Alterserscheinung?

Abnützungen sind Alterserscheinungen, aber Abnützung heißt nicht unbedingt, dass Schmerzen vorhanden sein müssen.

 

 

Zahlen und Leiden

Verdoppelt - Zwischen 1973 und 2007 hat sich die Zahl der Menschen in Österreich, die an Kreuzweh leiden, fast verdoppelt. Das hat eine neue Studie von Grazer Wissenschaftern ergeben.

180.000 Personen über 20 Jahre wurden bei dieser großen Gesundheitsbefragung erfasst.

1973 - In diesem Jahr ergab eine Untersuchung, dass 14,8 Prozent der Österreicher Rückenschmerzen haben. Bei der Befragung im Jahr 2006/2007 waren es 34,3 Prozent. Mittlerweile haben die Beschwerden auch schon viele Kinder und Jugendliche erfasst, weil Bewegungsmangel ein Phänomen unserer Zeit geworden ist.

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Artikel OÖN 23. Februar 2016 - 00:04 Uhr
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