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Wissenschafter versuchen herauszufinden, wie das Gehirn funktioniert. Bild: colourbox

So hilft sich das Gehirn von Einhändigen

Eine britische Studie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie flexibel das Hirn ist: Fehlt von Geburt an eine Hand, ist die zugehörige Hirnregion auch dann aktiv, wenn ein anderer Körperteil - Lippen oder Beine - für die Tätigkeit genutzt wird.

21. April 2017 - 13:36 Uhr

Bei von Geburt an einhändigen Menschen repräsentiert die für die fehlende Hand zuständige Hirnregion die stattdessen genutzten Körperteile. Das können der Armstumpf, die Beine oder die Lippen sein, wie Forscher um Tamar Makin vom britischen University College London im Fachblatt "Current Biology" schreiben. 

Die Neurowissenschaftler ließen 17 Menschen, die nur mit einer Hand geboren wurden, verschiedene alltägliche Arbeiten verrichten: eine Flasche öffnen, einen Bleistift anspitzen, ein Geschenk einpacken. Die Probanden behalfen sich dabei mit anderen Körperteilen. Mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) sahen sich die Wissenschafter an, welche Hirnregionen während der Tätigkeiten aktiv waren. 

Die Forscher stellten fest, dass während der Tätigkeiten diejenigen Hirnregionen, die üblicherweise das Steuern der fehlenden Hand übernehmen würden, aktiv sind. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn die einarmige Versuchsperson eine Flasche zwischen die Beine klemmt, um sie mit der vorhandenen Hand zu öffnen. Wenn der Mund oder der handlose Arm zum Öffnen genutzt wird, leuchten bei der fMRT ebenfalls die handtypischen Regionen im motorischen Cortex auf. Diese Regionen entsprechen bei Menschen mit zwei Händen der nicht bevorzugten Hand, also der linken Hand bei einem Rechtshänder. 

Bei Menschen mit einer fehlenden Hand ist also die zugehörige Hirnregion auch bei der Bewegung verschiedener anderer Körperteile aktiv. "Wenn das richtig ist, bedeutet dies, dass wir die Organisation des Gehirns missverstanden haben: Sie basiert nicht auf Körperteilen, sondern auf Funktionen", wird Makin in einer Mitteilung der Fachzeitschrift zitiert. Allerdings schränkt sie gleich wieder ein, dass dies nur eine Arbeitstheorie sei. Ihre Arbeiten könnten aber für eine bessere Verwendung von Prothesen nützlich sein. Hansjörg Scherberger vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, der nicht an der Untersuchung beteiligt war, findet die Studie wegen der Teilnehmer sehr interessant: "Es ist anders als bei amputierten Händen, denn die Hand war ja noch nie da", erläutert er den Unterschied zu früheren Untersuchungen. Dass die Hirnregion, die normalerweise die fehlende Hand steuern würde, bei der Benutzung anderer Körperteile aktiv ist, erklärt er mit der verfolgten Absicht: Die Planung einer Tätigkeit geschehe in der Handregion, die Ausführung dann mit anderen Körperteilen.

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