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Methadon, leider kein Wundermittel

Wissenschafter erforschten die Wirkung von Methadon im Labor. Bild: Vasiliy Koval

Methadon, leider kein Wundermittel

Biologin Sabine Spiegl-Kreinecker konnte klar nachweisen, dass der als Drogenersatz bekannte Wirkstoff die Wirkung einer Chemotherapie nicht verstärkt.

Von Valerie Hader, 11. Oktober 2017 - 00:04 Uhr

Methadon ist ein starkes Schmerzmedikament, das vor allem dafür bekannt ist, die Entzugserscheinungen bei Drogenabhängigen zu reduzieren. Die deutsche Wissenschafterin Claudia Friesen aus Ulm hatte unter Laborbedingungen aber noch eine weitere Eigenschaft des Präparats beobachtet: Dass es die Wirkung der Chemotherapie verstärken und so auch hartnäckige Tumorzellen töten kann.

Die Ergebnisse ihrer Forschungen hat die Chemikerin 2015 der Öffentlichkeit präsentiert und damit hohe Wellen geschlagen. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich die ersten Kritiker – unter anderem die Deutsche Krebsgesellschaft und wie die Österreichische Gesellschaft für Medizinische Onkologie – zu Wort meldeten: Beide Organisationen wiesen auf fehlende Studien über die Wirksamkeit von Methadon bei Krebspatienten hin.

Viele Betroffene schöpften dennoch Hoffnung – und zwar bis heute. "Wir bekommen wöchentlich mehrere Anrufe zu dem Thema", sagt etwa Peter Flink, Geschäftsführer der Krebshilfe Oberösterreich. Und natürlich stehen die Fragen rund um die Wirksamkeit von Methadon auch im klinischen Alltag auf der Tagesordnung (siehe Interview rechts). "Es war höchste Zeit, Antworten zu suchen", sagt Sabine Spiegl-Kreinecker.

Und so hat sich die Biologin und Leiterin des zell- und molekularbiologischen Labors der Neurochirurgie am Kepler Uniklinikum mit ihren Kolleginnen an die Arbeit gemacht, finanziert wurde das Projekt aus dem Forschungsfonds der Krebshilfe. "Die große Frage, die wir uns gestellt haben, war eben jene, ob Methadon tatsächlich die Wirkung der Chemotherapie verstärkt", sagt die Wissenschafterin.

Krebszellen im Labortest

"Dazu haben wir Zellkulturen von Hirntumoren, genauer von Glioblastomen, das sind die aggressivsten Hirntumore, untersucht." Mithilfe spezieller Labortests konnten wir den Effekt der herkömmlichen Chemotherapie in Kombination mit Methadon im Vergleich zu unbehandelten Zellen analysieren. Das Ziel jeder Therapie ist ja auch, das Tumorwachstum einzudämmen. Und das konnte durch die Zugabe von Methadon nicht verstärkt werden, wie Spiegel-Kreineckers Daten zeigten.

Dennoch gehen die Forschungen weiter. "Wir werden uns näher anschauen, ob andere Signalwege tatsächlich von Methadon beeinflusst werden. Denn auch, wenn sich Methadon nicht als das "Wundermittel" entpuppt hat, so würde in der Krebsforschung zur Zeit vieles Mut machen. "Es gibt viele Studien und sehr erfolgreiche Ansätze, vor allem die neuen Immuntherapien machen Hoffnung, dass Krebs in Zukunft in vielen Fällen von einer tödlichen zu einer chronischen Krankheit wird."

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