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Darmkrebs – viele vermeidbare Todesfälle

Bild: Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Darmkrebs - viele vermeidbare Todesfälle

Etwa 5000 Österreicher erkranken jedes Jahr an Darmkrebs. Aber nur zwölf Prozent der über 50-Jährigen gehen zur Vorsorgeuntersuchung, durch die viele Leben gerettet werden könnten.

Von Ulrike Griessl, 15. November 2017 - 00:04 Uhr

Darmkrebs ist einer der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumore, und leider sterben noch immer zu viele Menschen an dieser Krankheit", bedauert der Linzer Chirurg und Darm-Spezialist Clemens Reichl. Er will die Bevölkerung wach- rütteln. Denn eigentlich wäre ein Großteil der Darmkrebsfälle durch frühzeitige Vorsorgeuntersuchungen vermeidbar. Nicht umsonst empfehle und zahle die OÖ. Gebietskrankenkasse Frauen und Männern ab 50 Jahren alle zehn Jahre eine Darmspiegelung (Koloskopie).

"Würden alle Menschen ab diesem Alter auch tatsächlich zur Untersuchung kommen, könnten wir die Todesrate bei Darmkrebs um 76 bis 90 Prozent senken", sagt Reichl. Denn fast jeder Zweite, der an einem kolorektalen Karzinom, wie die Erkrankung in der Fachsprache heißt, im fortgeschrittenen Stadium leide, sterbe auch daran. Würden Polypen jedoch früh genug diagnostiziert und entfernt, könne die Krankheit im Keim erstickt werden.

Vorbeugung durch gesunden Lebensstil

90 Prozent der Darmtumore entstehen laut Reichl über einen Zeitraum von etwa zehn Jahren aus Dickdarmpolypen. Nur zehn Prozent seien auf Veranlagung zurückzuführen. Wer also nahe Verwandte hat, die an Dickdarmkrebs gelitten haben, sollte unbedingt ab dem 20. Lebensjahr regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung gehen. Gibt es keine genetische Vorbelastung, kann man durch gesunden Lebensstil dazu beitragen, sein Erkrankungsrisiko zu minimieren. So empfiehlt beispielsweise die österreichische Krebshilfe, folgende Punkte zu beachten:

  • regelmäßige Bewegung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen in Form von Getreideprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten
  • rotes Fleisch in Maßen zu sich nehmen und Wurstprodukte selten essen
  • Nicht rauchen
  • begrenzter Alkoholkonsum
  • ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre zur Koloskopie gehen

Das Tückische am Dickdarmkrebs ist, dass er meist bereits lange sein Unwesen im Körper treibt, bevor er Beschwerden verursacht. Zu den Symptomen dieser Krankheit zählen Blut-Beimengungen im Stuhl, Bauchschmerzen, länger anhaltende Stuhlunregelmäßigkeiten (Durchfall oder Verstopfung), Abgeschlagenheit.

So läuft die Koloskopie ab

Die weit verbreitete Angst vor der Koloskopie ist, wie Reichl betont, völlig unbegründet. "Die Patienten bekommen vorher eine leichte Sedierung und spüren daher gar nichts", erklärt der Chirurg. Sobald der Patient schläft, führt der Arzt das Endoskop durch den Anus in den Mastdarm ein und schiebt den Schlauch bis zum Übergang von Dick- zu Dünndarm vor. Der Gummischlauch wird dafür mit einem Gleitmittel versehen. Dann wird der Darm mit Gas "aufgeblasen", damit er optimal beurteilt werden kann. Mithilfe einer Videooptik wird unter langsamem Zurückziehen des Endoskops die gesamte Dickdarmwand begutachtet.

Die heutigen Endoskope erzeugen auf einem Videomonitor ein hochauflösendes digitales Bild. Durch einen kleinen Kanal innerhalb des Schlauches können Instrumente eingeführt werden, mit denen, wenn nötig, Gewebeproben (Biopsien) entnommen, Gewächse (Polypen) abgetragen oder Blutungen gestillt werden können.

Untersuchungen: Darmspiegelungen können bei Fachärzten für Innere Medizin oder Chirurgie sowie in Krankenhäusern mit Abteilungen für Innere Medizin/Gastroenterologie oder Chirurgie durchgeführt werden.

Zahlen und Fakten

 

  • Koloskopie: Darunter versteht man die Untersuchung des Dickdarms. Diese wird mithilfe eines Endoskops durchgeführt, das aus einem beweglichen Schlauch besteht, durch den der Arzt mit einer speziellen Videooptik das Innere des Verdauungstraktes sehen kann.
  • Ab 50 zur Vorsorgeuntersuchung: Wer ab dem 50. Lebensjahr alle sieben bis zehn Jahre eine Koloskopie machen lässt, wie es die Österreichische Krebshilfe empfiehlt, hat gute Chancen, durch Frühdiagnose und Beseitigung von Karzinom-Vorstufen oder eines Karzinoms geheilt zu werden. Wenn bei der Koloskopie ein Polyp entfernt wird, ist eine Kontrolle nach ein bis zwei Jahren sinnvoll.
  • Dickdarmkarzinome entwickeln sich zumeist über Jahre, wodurch genug Zeit zum rechtzeitigen Einschreiten bleibt. Die Genauigkeit der Früherkennungsuntersuchung ist laut Experten extrem hoch.
  • Sechs Prozent der Bevölkerung sind in ihrem Leben mit dem Problem Darmkrebs konfrontiert. Das ist jeder 17. Österreicher. Die Todesrate ist in den vergangenen 25 Jahren um etwa 20 Prozent gesunken.
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Kommentare

„...leider dauert ein Vorsorgetermin ein halbes Jahr!!!!“ gebirge ...leider dauert ein Vorsorgetermin ein...
„Es hängt von der DNA ab, ob jemand Darmpolypen hat, aus denen sich ein Darmkrebs entwickelt. “ decordoba Es hängt von der DNA ab, ob jemand Darmp...

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