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Chemotherapie verdirbt den Appetit

Vorübergehende Veränderung des Geschmacksempfindens und Appetitlosigkeit machen Patienten zu schaffen. Bild: colourbox

Chemotherapie verdirbt den Appetit

„Ich hab keinen Appetit und vor Fleisch graut mir“, das hört man von Krebskranken oft. Auch wenn Ärzte Nebenwirkungen von Therapien heute gut behandeln können, so hilft eine individuell auf Geruchsempfindlichkeit, Übelkeit etc. abgestimmte Kost, Kräfte für die Genesung zu mobilisieren.

Von Christine Radmayr, 10. August 2011 - 00:04 Uhr

Das Wichtigste zuerst: „Lassen Sie sich von Ihrem Körpergefühl leiten, gönnen Sie sich Ruhe, wenn Sie müde sind und essen Sie, wann es Ihr Magen erlaubt“, ermutigt die Internistin und Onkologin Irene Kührer von der Universitätsklinik am AKH Wien Karzinompatienten während der Therapie. Im Buch „Ernährung bei Krebs“ gibt sie Ratschläge, wie man Nebenwirkungen von Chemotherapie, Operation und Bestrahlung lindert. Mit einer Ernährungsexpertin stellte sie vegetarische Rezepte für eine kalorienreiche Aufbaukost zusammen und im Buch vor. Wohlschmeckendes Essen mit hoher Nährstoffdichte ist für Krebspatienten während der Therapie besonders wichtig.

Auf seinen Körper hören

Die Zeiten, in denen Patienten wegen starken Erbrechens eine Chemotherapie abgebrochen haben, sind vorbei. Durch die vorbeugende Gabe von hochwirksamen Mitteln können diese Erscheinungen fast immer verhindert werden. „Die Chemotherapie ist nach wie vor ein tragender Pfeiler der Krebstherapie. Neue Medikamente und Darreichungsformen – etwa in Tablettenform – sowie Kombinationen brachten in den letzten Jahren große Verbesserungen auch bei der Verträglichkeit“, sagt Univ.-Prof. Primar Josef Thaler, Onkologe im Klinikum Wels-Grieskirchen. Tipps gegen Nebenwirkungen:

 

Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen

Auch wer keine Anzeichen von Übelkeit verspürt, soll die verordneten Medikamente regelmäßig nehmen, um zu verhindern, dass ihm in den Tagen nach der Chemo noch schlecht wird. Zusätzlich zur medikamentösen Therapie ist eine Anpassung des Speiseplans sinnvoll. Meist ist das Unwohlsein nicht während des ganzen Tages im gleichen Maß zu verspüren. Oft werden warme Suppen auch schon zum Frühstück als angenehm empfunden. Es gilt, alles zu probieren, worauf man Lust hat und stets kleine Happen für Zwischendurch bereit halten. „Vegetarische Kost – mit schonend und fettarm zubereiteten Gerichten – wird in dieser Situation gerne gegessen. Dazu die Rezeptangaben für Schlagobers oder Butter verringern“, sagt Kührer.

• Die Chemo kann Geruchs- und Geschmacks-empfinden vorübergehend verändern. Dann schmeckt die Lieblingsspeise plötzlich nicht mehr oder man entwickelt etwa einen Widerwillen gegen Fleisch. Es hilft, mit Kräutern und Gewürzen zu experimentieren.

• Viel trinken: klare Suppen, Mineralwasser ohne Kohlensäure, Tees.

 

Entzündung der Mundschleimhaut und Speiseröhre

Ein paar Tage nach der Chemotherapie oder nach Bestrahlung im Mund- und Halsbereich kann es zu schmerzhaften Reaktionen der Mundschleimhaut kommen, die sich auch auf Rachen und Speiseröhre ausdehnen können.

• Bei ersten Anzeichen wie Rötung und Schwellung können Spülungen mit einem Mund-Antiseptikum die Ausbreitung der Entzündung verhindern.

• Bei starker Entzündung soll man ständig kleine Flüssigkeitsmengen zu sich nehmen.

• Haben sich Krusten gebildet, hilft das Lutschen von Butterflocken.

• Eiswürfel aus Kräutertee zum Lutschen lindern leichte Schmerzen im Mund.

• Kost: Mit flüssiger Nahrung wie Milchmixgetränken beginnen, dann lauwarme Cremesuppen und Püriertes essen. Gekühlte Getränke und Milcheis werden gut vertragen. Auf Saures und Scharfes verzichten.

 

Schluckstörungen

• Harte, bröslige Speisen meiden

• Kleine Bissen nehmen und gut kauen

• Ganz Flüssiges, wie klare Suppen mit Einlagen, verleiten zum Verschlucken, besser sind Cremesuppen aus püriertem Gemüse, Kartoffeln, Hülsenfrüchten und Getreide.

• Flaumige Knödel, Soufflees, Aufläufe und Cremen mit Fruchtsoßen verwöhnen den lädierten Gaumen.

 

Durchfall

Chemotherapiesubstanzen können die Darmschleimhaut vorübergehend verändern. Bei Durchfall den Arzt informieren. Es kann sein, dass man mit Infusionen den Verlust von Mineralstoffen und Flüssigkeit auffüllen muss.

• Obst und Gemüse mit vielen Ballaststoffen vermeiden, vorübergehend keine Vollkornprodukte.

• In der Akutphase helfen Hafer-, Reis- und Gerstenschleim, gekocht mit gut gesalzener Gemüsebrühe.

• Kein rohes Obst, eher Kompotte essen.

• Auf ausreichendes Trinken achten: Tees ohne Zucker, Mineralwasser ohne Kohlensäure.

Buchtipp: Dr. Irene Kührer/Elisabeth Fischer: „Ernährung bei Krebs“. Kneipp Verlag, 142 Seiten, 17,95 €.

 

Mehr Wohlbefinden durch das Essen

Während der Behandlung ist es wichtig, kalorien- und eiweißreich mit vielen Kohlenhydraten, Fett und reichlich Vitaminen und Mineralstoffen zu essen. Für Aufbau und Funktion der Körperzellen ist Eiweiß nötig (Eier, Milch, Käse, Fisch, Fleisch, Getreide, Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Tofu).
Mit zusätzlich einem Löffel Obers, Butter, Creme fraiche oder geriebenem Käse kann der Fettkonsum während der Therapie erhöht werden. Kaltgepresste Pflanzenöle mit hohem Anteil ungesättigter Fettsäuren und Nüsse werten Salate und Rohkost auf.
Am besten fünf Mahlzeiten aufnehmen. Allgemein gilt: Essen Sie, wann immer Sie Lust dazu haben!
Wer unter Appetitlosigkeit leidet, kann mit einer Tasse Pfefferminztee oder einer klaren Gemüsebrühe den Gusto anregen.

 

Rezepte für die Genesung

Das Kartoffel-Käse-Soufflee ist gut bei Appetitlosigkeit, Schluckstörungen, Kalium- und Magnesiummangel (Durchfall):

Zutaten für 3-4 Portionen: 500 g mehlige Kartoffeln, 4 Eier, 100 ml Milch, 2 TL Butter, Salz, Pfeffer, 1 Prise Muskat, 100 g Emmentaler, fein gerieben, halber Esslöffel Butter.
Zubereitung: Kartoffeln mit Schale dämpfen, in Stücke schneiden, passieren/fein reiben. Eigelb mit Milch verquirlen und in die Masse rühren – würzen. Eiweiß steif schlagen und unterheben. Danach geriebenen Käse vorsichtig in die Kartoffelmasse mischen. Souffleeform mit Butter ausfetten. Im vorgeheizten Rohr bei 200 Grad C 35 bis 40 Minuten backen. Dazu Kräuterrahmsoße reichen.


Dattel-Bananen-Milch ist gut bei Appetitlosigkeit, Schluckstörung, Kalium-Magnesiumbedarf. Zutaten (1 Glas): 4 Datteln getrocknet, 4 EL heißes Wasser, 1 Banane, 200 ml kalte Milch. Datteln im heißen Wasser 1 Std. weichen lassen. Einweichwasser, Banane, Milch im Mixer pürieren.


 

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