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Andreas Golatz

Andreas Golatz Bild: Weihbold

100 Kilogramm in zwei Jahren abgenommen

Geschafft! Gutaus Pfarrer Andreas Golatz hat sein Ziel erreicht. Vor knapp zwei Jahren startete er sein Abnehmprojekt. 175 Kilogramm wog er damals, heute sind es knapp 100 Kilogramm weniger. Eine Geschichte, die Mut machen soll.

Von Manfred Wolf, 23. Mai 2018 - 00:04 Uhr

"Ähm ... Grüß Gott?" Wenn Andreas Golatz in seiner alten Heimat in Linz oder in Traun auf Weggefährten von damals trifft, dann löst sein freundliches "Hallo" nicht selten obige Reaktion aus. Mit fragendem Blick sehen ihm die Menschen ins Gesicht, können es aber nicht zuordnen. Den Pfarrer, der seit vier Jahren im Mühlviertel ist, stört es nicht, dass ihn niemand mehr erkennt, ganz im Gegenteil, es freut ihn sogar ein Stück weit.

Rückblende I: August 2016. Andreas Golatz blickt auf ein Foto von sich, und es gefällt ihm nicht. Gar nicht. Er ist füllig, das Gesicht rund. Er wiegt 175 Kilogramm. Will er vom Pfarrheim die knapp 200 Meter hinauf zum Gasthaus gehen, braucht er eine Verschnaufpause. Der Alltag ist im wahrsten Sinn des Wortes beschwerlich. Vor allem auch, weil er im Obergeschoß des Pfarrhauses wohnt. Sämtliche Wege, bei denen Stiegen im Spiel sind, überprüft er auf Effizienz, überlegt, wie er es anstellt, dass er die Stiege möglichst selten benutzen muss. Doch damit soll nun genug sein: Der innere Schweinehund, der bisher so oft die Oberhand behalten hatte, soll endlich besiegt werden.

Mit Hypnose gegen den Heißhunger

Golatz setzt sich ein ambitioniertes Ziel: Knapp 100 Kilogramm müssen weg. Später will er sich bei 85 Kilo einpendeln, was für seine Größe, 191 Zentimeter, seinem Idealgewicht entspricht. Aber ihm ist klar, dass er diesen Weg nicht alleine schafft. Mit Hypnose will er seinen Heißhunger auf Süßigkeiten bändigen. Nach zwei von fünf Sitzungen verliert er tatsächlich die Lust auf Süßes. "Ich hatte damals eine Packung Auer-Baumstämme im Kühlschrank liegen", erinnert sich der heute 43-Jährige. "Das war für mich eine Art Prüfung. Schaffe ich es, sie nicht anzurühren? Nach ein paar Monaten hab’ ich sie hergeschenkt, sonst wären sie schlecht geworden."

Der Heißhunger ist gestillt, die Lust auf Bewegung geweckt. Golatz beginnt "längere" Spaziergänge zu machen. Dabei geht er es schlau an. Er überfordert sich nicht, sondern fordert sich lediglich. Die Runden sind klein – drei Kilometer – und er pausiert mehrmals. Zweieinhalb Stunden dauert so eine Runde. Anfangs nimmt er noch Cola mit, das aber bald gegen Wasser ausgetauscht wird.

Links: Gutaus Pfarrer Andreas Golatz im April 2016, wenige Monate bevor er zum Abnehmen begann. Rechts: So sieht Golatz heute aus.  
Bild: privat/Weihbold

Vom Fast-Food-Fan zum Selberkocher

Überhaupt beginnt er sukzessive seine Ernährung umzustellen, informiert sich bei seiner Ärztin und bei Ernährungsexperten. "Essen, wenn der Hunger da ist – und nicht hungrig einkaufen, denn dann greifst du zu Süßigkeiten", sagt er. Dies sei ein weiterer wichtiger Schritt gewesen. "Heute achte ich genau auf meine Ernährung. Ich koche jetzt auch selbst, weil ich nur so sicherstellen kann, dass in meinem Essen nur das enthalten ist, was ich meinem Körper zuführen möchte", sagt der ehemalige Fast-Food-Esser.

Parallel dazu beginnt Golatz mit Mandu, einer Trainingsmethode, bei der zur Bewegung die Muskeln mit elektronischen Impulsen stimuliert werden. Er baut seine Muskulatur auf, die wiederum wie ein Motor die Kalorien verbrennt.

Golatz stellt sich jeden Tag auf die Waage und trägt Gewicht sowie gegangene – später gelaufene – Kilometer in eine Tabelle ein. "Diese Tabelle war für mich entscheidend", sagt der Pfarrer, der auch ein Mann der Zahlen ist. Auf diese Art und Weise hat er nicht nur einen genauen Überblick über sein aktuelles Gewicht, sondern er zieht auch Motivation daraus. "Gleich zu Beginn habe ich zehn Kilo verloren, das freut einen natürlich. Aber vor allem habe ich jeden Tag ein Minus eintragen können. Und wenn es einmal stagniert hat oder ein Tag mit einem Plus dabei war, so habe ich doch am Ende der Woche in der Tabelle ein klares Minus gesehen. Das hat mich immer motiviert." Und noch einen Vorteil sieht er darin: Wenn er sein Monatsziel einmal nicht erreicht, dann kann er nachjustieren.

"Ist der Pfarrer krank?"

Woche für Woche purzeln die Kilos. Seine Mitmenschen machen sich Sorgen um ihn. "Ist er krank?", steht im Raum. "Viele haben gesagt, dass es schon zu weit geht und ich aufhören soll", sagt Golatz, dem es aber auch schmeichelt, dass sich die Menschen in seinem Umfeld um ihn sorgen. "Aber es ging mir ja körperlich gut. Nur in Gutau kannte man mich nicht dünn, dieses Bild waren sie nicht gewöhnt."

Schritt für Schritt nähert er sich seinem Ziel. Doch Anfang des Jahres 2018 rebelliert die Gallenblase. "Die Ärzte meinten, es sei schon möglich, dass sich durch das Abnehmen die Gallensteine gelöst haben", sagt Golatz. Eine schmerzhafte Erfahrung, die er aber gut übersteht.

Eine Operation bleibt ihm nicht erspart. "Ich bin kein Fan von Operationen", sagt er. "Darum wäre auch ein Magenband nicht in Frage gekommen." Weil er später auch eine kosmetische Operation vermeiden will, setzt Golatz von Anfang an auf Kieselerde, die er begleitend einnimmt. "Die strafft die Haut", sagt er, darum habe er jetzt auch kein Problem mit der überschüssigen Haut.

Rückblende II. Andreas Golatz geht im Petrinum in Linz zur Schule. Dass er später einmal Pfarrer werden wird, ist klar, er fühlt sich dazu berufen, mehr als zum Familienvater. Pfarrer ist seit der Volksschule sein erklärter Traumberuf. Andreas zählt zu den festeren Schülern, Mobbing und seelische Verletzungen kennt er nur zu gut. Woran er aber nicht zerbricht, er umgibt sich mit Menschen, die ihn so akzeptieren, wie er ist. Und der Rest "wird dir irgendwann einmal egal".

Mai 2018: Dieser Tage hat Andreas Golatz sein Ziel erreicht – er wiegt etwas unter 80 Kilogramm, beinahe 100 Kilogramm hat er abgenommen. Ob ihm sein Glaube dabei geholfen hat? "Er gibt schon einen Rückhalt, aber ich glaube nicht, dass das eine Rolle gespielt hat. Wenn es einmal klick macht, kann es jeder schaffen", sagt Golatz. An die große Glocke möchte er seinen Erfolg eigentlich nicht hängen. Doch weil er anderen, die dieses Ziel schon lange vor sich herschieben, Mut machen will, hat er seinen Erfolg auch in einem Blog niedergeschrieben.

Vieles hat sich verändert

Die vergangenen eineinhalb Jahre haben ihn aber doch verändert, mehr – und anders – als er gedacht hatte. "Ich habe geglaubt, ich nehme ab, und das war’s. Aber wenn du dich mit Ernährung und Sport beschäftigst, dann verändert sich viel mehr in einem", sagt er. Den Fernseher mit seinen geliebten Serien schaltet er kaum noch ein. "Da werde ich aggressiv davon." Ernährung spielt eine große Rolle, Cola kommt wegen des hohen Zuckergehalts für ihn nicht mehr in Frage. Aber auch was den inneren Schweinehund betrifft, ist er strenger geworden. Ausreden lässt er nicht mehr so leicht gelten. "Du kannst im Kopf viel steuern, wenn du willst", sagt er. So hat auch der Bibelspruch "Wenn euer Glaube nur so groß wäre wie ein Senfkorn, könntet ihr zu diesem Berg sagen: ‚Rücke von hier dorthin!’, und es würde geschehen. Nichts wäre euch unmöglich!" für ihn eine neue Bedeutung bekommen.

Und sein nächster "Berg"? "Einen Halbmarathon laufen", sagt Golatz.

Hätte ihm vor zwei Jahren jemand gesagt, dass er heute dieses Ziel hat, er hätte es nicht geglaubt. Er hätte wohl ähnlich verdutzt geschaut wie jene Menschen, denen er heute in seiner alten Heimat begegnet.
 

4 Tipps

... von Andreas Golatz, mit denen er es geschafft hat, abzunehmen ... und was der Experte, Primar Wolfgang Brandmayr, Leiter der Abteilung für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin im LKH Steyr, zusätzlich rät.

  1. Golatz‘ erster Schritt war Hypnose - Brandmayr: „Wichtig ist, dass Hypnose kein Zaubermittel ist. Nur Hypnose alleine ist also zu wenig. Man muss auch auf Sport und Ernährung achten. Bei der Hypnose passiert eine Emotionsregulation. Es wird also geschaut, was passiert, bevor ich – wie in diesem Fall – Heißhunger auf Süßigkeiten bekomme, woran denke ich da, wovor muss ich mich ablenken, wenn ich mir Süßes zuführe. Mit Hypnose lassen sich lang erlernte, oft unterbewusste Verhaltensmuster erkennen und auflösen.“ Info: Hypnose wird unter anderem in Steyr angeboten.
  2. Dann kam die Bewegung dazu - Brandmayr: „Bewegung und Ernährung gehen Hand in Hand. Zum einen verbrennt der Körper Kalorien, durch Sport baut er zusätzlich Stress ab. Wenn ich Stress habe, lagere ich mehr Kalorien ein, weil der Körper den Impuls bekommt, es kommen Notzeiten.“
  3. Gewichtsverlust wurde in einer Tabelle aufgezeichnet - Brandmayr: „Davor warne ich ein wenig, weil die Zahl auf der Waage Stress verursachen kann. Vielen hilft es, wenn sie sich vor Augen führen, dass ihnen dann wieder kleinere Größen passen und sie beweglicher werden.“
  4. Nach und nach stellte er die Ernährung um - Brandmayr: „Es ist vernünftig, sich, wie Golatz, vorher zu informieren und auf sein natürliches Sättigungsgefühl zu hören. Wichtig ist regelmäßiges Essen und nicht erst, weil es am Tag so stressig war, am Abend reinschlingen. Vorsicht vor verstecktem Zucker und Fett: Vermeiden Sie Weißbrot und auch Limonaden. Und keine Light-Produkte als Ersatz. Denn wenn diese weniger Zucker haben, haben sie mehr Fett. Irgendwo muss der Geschmack ja herkommen. Light-Produkte sind oft eine Falle. Beim Essen ist es auch wichtig, gesunde Sachen, also Obst und Gemüse, und möglichst frische, natürliche und unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen.“
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Kommentare

„Sehr geehrter Herr Pfarrer Andreas! Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg und viele guten ...“ gabistaffel Sehr geehrter Herr Pfarrer Andreas! Herz...
„Am Foto im Laufdress sieht man, dass da tatsächlich keine Haut rumschwabbelt, wie man es bei so ...“ alleswisser Am Foto im Laufdress sieht man, dass da ...
„Gratulation Herr Pfarrer, wer kennt nicht die Plagen des Abnehmen. “ Fortunatus Gratulation Herr Pfarrer, wer kennt nich...

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