
Bei den beiden bisher nach der Gasexplosion am Spatzerner Kirchenweg in St. Pölten geborgenen Leichen handelt es sich um eine Frau und einen Mann. Das teilte Alfred Schuller von NÖ Landeskriminalamt am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz in St. Pölten mit. Ihre genaue Identität war zunächst ungeklärt. "Wir sind gerade dabei, das Zahnschema zu prüfen und DNA-Proben zu entnehmen", so der Kriminalist. Am Freitag sollten die Toten obduziert werden.
Noch drei Vermisste
Unterdessen wurden auch einige weitere Details zur Identität der Vermissten bekannt. So dürfte es sich bei dem Gast um den Lebensgefährten der Tochter des älteren Ehepaars handeln. Er war offenbar im Wirtschaftshof der Stadt St. Pölten im Außendienst beschäftigt . Bei ihm dürfte es sich um einen Nigerianer handeln, der bereits seit längerem in St. Pölten aufhältig und ursprünglich als Zeitungsverkäufer tätig war. Der Vater der Frau war wiederum ein passionierter Kunstmaler.
200 Tonnen Schutt weggeräumt
200 Tonnen Schutt hatten die Einsatzkräfte bis Donnerstagabend großteils händisch weggeräumt, sagte Bezirksfeuerwehrkommandant Dietmar Fahrafellner. Man habe dennoch genug Ressourcen für die nächsten fünf Stunden. Bis jetzt habe es keinen einzigen Verletzten gegeben.
Ermittlungen zu Ursache
Die Staatsanwaltschaft St. Pölten leitete unterdessen formell Ermittlungen wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung bzw. der fahrlässigen Gemeingefährdung ein. "Es ist so, dass Fremdverschulden in solchen Situationen nie auszuschließen ist", sagte ein Vertreter der Staatsanwaltschaft. Die Ermittlungen beschränkten sich Schuller zufolge auf Umfelderhebungen und Befragungen von Zeugen.
Dach weggehoben
Donnerstagmittag wurde bereits das Dach des teilweise eingestürzten Hauses weggehoben. Nun wurde versucht, mit massivem Bagger- und Schaufeleinsatz sukzessiv zu den Wohn- und Schlafräumen vorzudringen, berichtete Fahrafellner. Dabei kam schweres Bergegerät zum Einsatz, u.a. ein 60 Tonnen schwerer Kran. Nach Angaben von Rotkreuzsprecher Andreas Zenker war nach wie vor unklar, wieviele Menschen sich im Gebäude befanden. Den Rettungskräften sei es bisher nicht gelungen, in das teilweise eingestürzte, brennende Haus einzudringen. Der ÖAMTC sprach von vermutlich sieben Eingeschlossenen. Laut “144 - Notruf NÖ“ wurde auch die niederösterreichische Rettungshundestaffel angefordert.
Aus Nachbarobjekten wurden vier Menschen geborgen, sagte Zenker. Drei davon wurden mit Rauchgasvergiftungen ins Spital gebracht.
Gas strömte aus
„Dramatische Szenen spielen sich ab“, schilderte NÖ Feuerwehrsprecher Franz Resperger am Donnerstagvormittag die brisante Situation nach der Explosion eines Wohnhauses in St. Pölten. Durch weiter ausströmendes Gas - aus der Kanalisation - bestand akute Explosionsgefahr, weshalb über Anordnung der Feuerwehr das Gas im Süden der Landeshauptstadt abgeschaltet wurde. Der Stadtteil werde großräumig evakuiert, wofür eine eigene Polizeieinheit zusammengestellt wurde.
EVN-Techniker waren dabei, den Bereich auf die Gaskonzentration zu durchmessen, so Resperger. Vor dem Haus (nach Feuerwehrangaben Munggenaststraße 35, nicht 43) lasse die EVN die Straße aufgraben, um nach der - vermutlich geborstenen - Leitung zu suchen.
Explosion auch im Landhaus spürbar
Die Explosion um 7.55 Uhr sei so heftig gewesen, dass sie auch im Landhaus - geschätzte 300 bis 400 Meter Luftlinie entfernt - zu spüren war. Rund 30 Feuerwehren standen im Einsatz. „Wir brauchen viele Atemschutzträger“, verwies Resperger, der von einem „hochgefährlichen“ Einsatz sprach, auf die enorme Rauchentwicklung.
Die Wucht der Explosion war so heftig, dass die Nachbarhäuser massiv beschädigt wurden: Teilweise wurden die Fensterstöcke herausgerissen und 30 Meter weit weg geschleudert, schilderte Franz Resperger vom NÖ Landesfeuerwehrkommando. Die Bewohner der umliegenden Straßen wurden evakuiert.
"Wir stehen unter Schock"
Indessen wurde im alten Forum-Kino eine improvisierte Pressekonferenz abgehalten, bei der sich Bürgermeister Matthias Stadler (S) laut Resperger tief betroffen zeigte: „Wir stehen unter Schock.“ Man hoffe, noch Überlebende zu bergen. Zum derzeitigen Erkenntnisstand würden fünf bis acht Personen vermisst. Auch die Rettungshundebrigade wurde angefordert. Das Haus sei fast zur Gänze eingestürzt. Für die evakuierten Bewohner der angrenzenden Objekte müssten Notquartiere beschafft werden
Erinnerung an Explosion vor zehn Jahren
Das Geschehen erinnert an die Gasexplosion, die vor mehr als zehn Jahren ein Wohnhaus in Wilhelmsburg in einen gigantischen Trümmerhaufen verwandelte. Die „physische Sichtbarkeit“ der Katastrophe sei nach Angaben von Rettungskräften nicht so groß wie damals, verwies Zenker darauf, dass das Haus nur teilweise eingestürzt sei - die Tragweite der menschlichen Dimension war noch nicht bekannt.
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