Im Audimax, dem größten Hörsaal der Uni Wien, sind seit Mittag bereits wieder alle Plätze von Protestierenden belegt. Die Besetzer, laut den Organisatoren sind es derzeit rund 1.000 Studenten, haben angekündigt, ihren Protest auch auf die Straße zu tragen. Am Nachmittag ging es für eine Gruppe von rund 350 Personen auf den Ring und zum Minoritenplatz, wo unter "Der Hahn gehört gerupft"-Rufen Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) ein Besuch abgestattet werden sollte. Anschließend zogen die Studenten an die ebenfalls besetzte Akademie der Bildenden Künste und zurück zum Audimax. Auch für die nächste Woche seien Protestaktionen geplant.
Verhandlungen mit dem Rektorat der Uni Wien, das die Besetzer zur Räumung des größten Hörsaales bewegen will, habe es noch keine gegeben. „Das hören wir immer nur aus den Medien“, betonte der Protestteilnehmer. Rektor Georg Winckler könne sich aber gerne vor das Plenum stellen und mit den Studenten diskutieren. Zielscheibe der Proteste sei aber ohnehin nicht Winckler, „der ist eigentlich ein - unter Anführungszeichen - armes Schwein, weil er selbst finanziell beschnitten wird“.
Hahn: "Lokaler Protest"
Stattdessen solle Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) endlich anerkennen, dass sich die Proteste gegen ihn richten. „Es geht um bundespolitische Fragen, der einzig legitime Ansprechpartner für uns ist Hahn. Wenn sich jemand bei uns melden muss, dann er“, betonte der Besetzer. Hahn hatte am Vormittag am Rande einer Pressekonferenz von einem lokalen Protest gesprochen: „Die Uni Wien muss entscheiden, was sie unternimmt.“
Grünen-Politiker solidarisieren sich mit Besetzern
Die Besetzer des Audimax bekamen am späten Freitagvormittag einen Solidaritätsbesuch der Grünen-Politiker Peter Pilz und Werner Kogler. „Wir wollten den Leuten signalisieren, dass es wichtig ist, dass sie die Situation in die eigene Hand nehmen, wenn schon die Regierung die Unis im Stich lässt und wirtschaftlich und kulturell vor die Hunde gehen lässt“, begründete Pilz seine Visite. Und er wollte den Studenten seine Unterstützung im Falle einer Räumung signalisieren. „Sollte jemand daran denken, sie mit Gewalt zu vertreiben, bin ich auch gleich da.“
Unterstützung für die Besetzer kommt auch von der Gewerkschaftsjugend sowie von den SPÖ-Vorfeldorganisationen Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS) und Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ). FPÖ-Wissenschaftssprecher Martin Graf machte Hahn für die Proteste verantwortlich.