Für die Niederösterreichische Gebietskrankenkasse war es die übliche Vorgangsweise gegen einen Firmenchef, der mit seiner Zahlungspflicht ins Hintertreffen geraten war. Weil Josef F. mit seinem Beitrag säumig war, stellte die Kasse wegen ausständiger 2000 Euro Konkursantrag beim Landesgericht St. Pölten.
Der Inzestvater, dem von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt wird, seine Tochter Elisabeth F. 24 Jahre lang in ein Kellerverlies gesperrt und mit ihr sieben Kinder gezeugt zu haben, hat damit als Einzelunternehmer nun ein Insolvenzverfahren am Hals. Weil das Unternehmen keine Mitarbeiter beschäftigt, bleibt nur die Möglichkeit, dass der Chef seinen eigenen Kassenbeitrag nicht beglichen hat. Über das Ausmaß der Verschuldung muss sich Masseverwalter Walter Anzböck erst ein Bild machen: „Es gibt noch keine Vermögensaufstellung. Ich bin erst dabei, mir einen Überblick zu verschaffen“, sagt der Rechtsanwalt aus Tulln.
Bank als HauptgläubigerHauptgläubiger ist die niederösterreichische Hypo-Landesbank, die sich im Grundbuch für die Liegenschaften von Josef F. in Millionenhöhe mit dem erstrangigen Pfandrecht besichert hat.
Anzböck geht davon aus, dass sich die Opfer, vorrangig Elisabeth F., mit Schadenersatzansprüchen am Konkursverfahren beteiligen werden. Der Masseverwalter befürchtet aber, dass es für die Familie schwierig werde, bei Abfindungen aus dem Konkurs in der Reihenfolge der Gläubiger zum Zug zu kommen.
In die Vermögensverwertung werde er auf jeden Fall alle Tantiemen aus Film- und Medienrechten einbeziehen, falls F. den Gedanken weiterverfolge, seinen Kriminalfall zu vermarkten. „Weil ich als Masseverwalter schlichtweg dazu verpflichtet bin, jedes mögliche Einkommen in die Verwertung einzubeziehen“, merkt der Jurist an.
Um die Wirtschaftslage von Josef F. abschätzen zu können, wird Anzböck den Untersuchungshäftling besuchen. Welche weitere Forderungen – etwa vom Finanzamt – bestehen, ist noch nicht bekannt.
Das Haus soll wegDer Masseverwalter kündigt an, auch das Gespräch mit den Opferanwälten zu suchen. Für eine Verwertung der „Betonburg“ in der Ybbsstraße, in deren Kellerverlies Elisabeth von ihrem Vater mutmaßlich gefangen gehalten und gepeinigt worden war, hat die Stadt Amstetten an ein Dutzend Wohnbaugesellschaften Bewerbungsschreiben gerichtet, auf der Parzelle Reihenhäuser zu errichten. Das Haus von F. soll dem Erdboden gleich gemacht werden, damit keine geschmacklose Sehenswürdigkeit für Schaulustige aus aller Welt übrig bleibt.
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