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"Fröhliche Menschen haben ausgeglichene Hunde"

Verhaltensbiologin Iris Schöberl belegt mit aktueller Studie Wahrheitsgehalt des Sprichworts "Wie der Herr, so's G'scherr". Im OÖN-Interview erklärt sie die Details.

"Fröhliche Menschen haben ausgeglichene Hunde"

Verhaltensbiologen Iris Schöberl Bild:

Das alte Sprichwort "Wie der Herr, so’s G’scherr" kennt jeder. Besonders im Zusammenhang mit Hundebesitzern und deren treuen Begleitern findet es oft Verwendung. Aber stimmt es, dass Hunde Eigenschaften von ihrem Herrchen oder Frauchen übernehmen? "Ja", sagen die Wissenschafter Iris Schöberl und Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien.

In ihrer jüngsten Studie haben die Forscher bewiesen, dass sich Mensch und Hund im täglichen Leben gegenseitig beeinflussen – vor allem, wenn es um die Übertragung von Stress geht. Im OÖNachrichten-Interview erklärt Iris Schöberl Details zur Studie.

Können Sie das Ergebnis Ihrer Studie konkreter beschreiben?

Sie hat gezeigt, dass die Persönlichkeit von Herrchen und Frauchen auch das Stressmanagement ihrer Hunde beeinflusst. Hunde, deren Halter offen und optimistisch sind, tun sich leichter beim Stressabbau. Wenn also jemand mit einer rosaroten Brille durchs Leben geht, dann ist auch sein Hund entspannter.

Und wenn man auf einen Hund trifft, der nervös, ängstlich oder sogar angriffslustig wirkt, kann man davon ausgehen, dass sein Besitzer gestresst und unausgeglichen ist?

Es gibt viele Ursachen, warum ein Hund ängstlich oder aggressiv ist. Jedenfalls neigt der Hund zu einem schlechteren Stressmanagement, wenn sein Besitzer generell unsicher in Beziehungen ist. Zudem sind Hunde, die keine sichere Bindung zu ihrem Halter haben und ihn oder sie als unzuverlässigen Partner erleben, gestresster als Hunde verlässlicher Besitzer.

Wie kommt es, dass Hunde die Stimmungslagen von uns Menschen zum einen so gut erkennen können und zum anderen sogar von uns übernehmen?

Das liegt daran, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. Hunde sind ebenso soziale Wesen wie wir Menschen. Zudem hat die Jahrtausende lange gemeinsame Geschichte ihre Spuren hinterlassen. Hunde haben durch das Zusammenleben mit uns gelernt, unsere Mimik und unser Verhalten zu lesen und unsere Gefühle dadurch perfekt einzuschätzen.

Funktioniert die Stimmungsübertragung immer in Richtung Mensch Hund oder kann auch der Hund seinen Besitzer beeinflussen?

Auch wir Menschen lassen uns von unseren Hunden beeinflussen. In der tiergestützten Therapie wird diese Tatsache genützt. Da geht es unter anderem darum, dass sich Menschen in Anwesenheit eines ausgeglichenen Tieres besonders gut entspannen können.

Haben Sie als Verhaltenstrainerin für Hunde Tipps, wie man einem nervösen Tier helfen kann, seinen Stresslevel zu senken?

Zuerst ist es natürlich wichtig, sich selbst zu beobachten und darauf zu achten, ruhig und entspannt zu sein. Wichtig ist es aber auch, dem Hund genügend Rastphasen zu gönnen. Erwachsene Hunde brauchen im Schnitt 17 bis 18 Stunden Ruhe und Schlaf pro Tag. Manche Hundebesitzer glauben, ihrem Tier Gutes zu tun, wenn sie ihm ständig Action bieten, aber Überforderung ist genauso schlecht wie Unterforderung. Die goldene Mitte ist ideal.

Die Studie hat auch gezeigt, dass das Geschlecht vom Hundehalter und das seines Hundes eine Rolle beim Thema Stress spielt.

Ja. Frauen mit Rüden waren durchwegs gestresster als Frauen mit weiblichen Hunden und Männer mit Weibchen oder Rüden. Das passt zu den Ergebnissen eines anderen Pilotprojekts, das ergeben hat, dass Rüden in Männerhand sozialer sind als in Frauenhand.

 

Die Studie

"Faktoren der Mensch-Hund-Beziehung" untersuchte das Team um Iris Schöberl und Kurt Kotrschal vom Department für Verhaltensbiologie der Uni Wien. Dafür analysierten die Forscher 132 Familienhunde und ihre Hauptbezugspersonen in verschiedenen Situationen – wie etwa beim Spiel, bei Leistungstests oder bei einer simulierten Bedrohung.

Vor und nach den Tests nahmen die Forscher Speichelproben von Haltern und Hunden, um über die Konzentration des Stresshormons Cortisol Rückschlüsse auf die Reaktionen der Paare zu ziehen. Dabei wurde klar, dass die Qualität der Bindung zwischen Hund und Besitzer eine wesentliche Rolle dabei spielt, ob der Stresslevel (Cortisolspiegel) beim Umgang miteinander sinkt. Bei Hunden mit einer sicheren Bindung zu ihren Haltern war der Abfall des Stresshormons nach einem gemeinsamen Spiel und einem Bindungstest deutlich messbar.

 

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Artikel Ulrike Griessl 02. März 2017 - 06:11 Uhr
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