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Ermittlungen gegen Helikopter-Pilot: Seil mit Rettungsmännern ausgeklinkt

PRÄGRATEN. War das Risiko, einen Toten bei schlechtem Wetter zu bergen, zu groß? Warum hat der Hubschrauberpilot das Tau ausgeklinkt? Diese Fragen müssen die Ermittler und Verantwortlichen nach dem tödlichen Unfall eines Alpinpolizisten am Großvenediger beantworten.

Ermittlungen gegen Helikopter-Pilot: Seil mit Rettungsmännern ausgeklinkt

Die drei Helfer unmittelbar vor dem tödlichen Unglück Bild: BRUNNER IMAGES

Auslöser für den tödlichen Bergeeinsatz war ein Unglück in 3412 Metern Höhe. Ein slowakischer Bergsteiger, ein Polizist, war am Samstag gegen 12.30 Uhr beim Abstieg vom Großvenediger kopfüber in eine 40 Meter tiefe Gletscherspalte gestürzt. Dabei dürfte er sofort ums Leben gekommen sein. Bis in die Abendstunden versuchten Bergretter und Alpinpolizisten, mit Hilfe eines Schremmhammers zu dem 36-Jährigen vorzudringen. Die Rettungsaktion musste in den Abendstunden erfolglos abgebrochen werden.

Gestern früh wurden trotz widriger Wetterverhältnisse die Bergeversuche fortgesetzt. Ein Hubschrauber des Flugunternehmers Roy Knaus flog dazu Helfer am Tau zur Spalte. Beim dritten Flug kam es zu dem Unglück. Der Hubschrauber geriet in dichte Wolken, dazu wehte der Wind mit 140 Kilometern pro Stunde. „Der Pilot sagte aus, dass er in Bedrängnis war. Als er glaubte, schon fast über dem Boden zu sein und abzustürzen, klinkte er das Tau mit den drei Bergekräften aus“, schildert ein Ermittler. Franz Franzescon (52), Chef der Alpinpolizei, und die zwei Bergretter stürzten in der Folge auf blankes Eis. Der 52-Jährige kam durch den Sturz zu Tode, die anderen beiden wurden teils schwer verletzt.

Das Schlechtwetter machte auch ihre Bergung zu einer logistischen Herausforderung. „Der Wind ließ es nicht zu, auf 3400 Meter hinaufzufliegen“, sagt Klaus Rainer, Chefpilot vom Rettungshubschrauber „Christophorus 7“. Es habe zwei Stunden gedauert, bis die drei Abgestürzten mit einem Akja die nötigen 1200 Höhenmeter zu Fuß bis zum Helikopter gebracht wurden und die Verletzten in ein Spital geflogen werden konnten.

Der verstorbene Alpinpolizist hinterlässt eine Lebensgefährtin und zwei erwachsene Kinder. Der Hubschrauber der Firma Knaus wurde beschlagnahmt, der Pilot vernommen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

 

Heli-Chef Knaus: „Erfahrener Pilot“

Der Hubschrauber, der in den tödlichen Bergeunfall verwickelt war, gehört Heli-Austria-Chef Roy Knaus. Dieser sagte gestern, der Pilot sei „sehr erfahren“ und habe sich angesichts der plötzlich eingefallenen Nebelbank für ein Auslösen des Transportseils entschieden, um „Schlimmeres“ zu verhindern. Aus welcher Höhe die drei Bergretter abgestürzt sind, ist noch unklar. Die Polizei spricht von zehn Metern, ein Überlebender habe 20 Meter angegeben, und Knaus geht von „fünf Metern über Grund“ aus. Das Flugunternehmen Knaus ist schon mehrmals durch (tödliche) Flugunfälle in die Schlagzeilen geraten.
 

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Artikel Manuela Kaltenreiner 30. April 2012 - 00:04 Uhr
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