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Doppel-Olympiasieger wegen Kindesmissbrauchs angeklagt

WIEN. Der Doppel-Olympiasieger im Judo, Peter Seisenbacher, wird wegen Kindesmissbrauchs angeklagt.

Die Ermittlungen waren - wie berichtet - im Juni abgeschlossen worden. Die Staatsanwaltschaft Wien hat nun gegen Peter Seisenbacher Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses erhoben. Das bestätigte Behördensprecherin Nina Bussek am Mittwochnachmittag der APA. Seisenbacher - Österreichs erfolgreichster Sommer-Sportler - soll als Trainer zwei ihm anvertraute Mädchen missbraucht haben.

"Die beiden Betroffenen waren laut Anklage im jeweiligen Tatzeitraum noch keine 14", stellte Bussek fest. In einem Fall sollen sich die Übergriffe über mehrere Jahre gezogen haben. Die Anklage umfasst auch ein drittes Mädchen, das sich gegen die Zudringlichkeiten zur Wehr gesetzt haben soll. Dieses Faktum wird von der Staatsanwaltschaft als versuchter Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses qualifiziert.

Der nicht rechtskräftigen Anklage zufolge soll sich Peter Seisenbacher an seinem ersten Opfer zwischen 1998 und 2001 wiederholt vergangen haben. Zu Beginn der inkriminierten Übergriffe war das Mädchen elf Jahre alt. Für den mittlerweile 56-Jährigen gilt die Unschuldsvermutung. Er hat ab Zustellung der Anklage zwei Wochen Zeit, um diese zu beeinspruchen.

Mit einem Einspruch müsste sich das Wiener Oberlandesgericht (OLG) auseinandersetzen. Sollte es zu einem Prozess wegen mehrfachen Kindesmissbrauchs kommen, wird diesen Richter Christoph Bauer leiten.

Ermittlungen seit 2013

Die Staatsanwaltschaft Wien hatte seit Herbst 2013 gegen Peter Seisenbacher ermittelt, nachdem in Judo-Kreisen schon länger Gerüchte über sein Naheverhältnis zu weiblichen, noch unmündigen Schützlingen die Runde machten. Diese waren ihm als Vereinstrainer anvertraut. Die strafrechtlichen Untersuchungen kamen ins Laufen, nachdem Betroffene direkt an die Staatsanwaltschaft herangetreten waren.

Die mittlerweile erwachsenen jungen Frauen belasteten den 56-Jährigen dabei teilweise massiv. Seisenbacher und sein Rechtsvertreter haben sich bisher nicht öffentlich zu den Vorwürfen geäußert. Die lange Ermittlungsdauer dürfte sich damit erklären, dass in diesem Fall aufgrund der Prominenz des Verdächtigen die Glaubwürdigkeit der Zeuginnen von der Staatsanwaltschaft besonders eingehend überprüft wurde.

Vorerst keine Stellungnahme von Seisenbacher

Peter Seisenbachers Anwalt Bernhard Lehofer bestätigte am Mittwochabend, die auf mehrfachen schweren Kindesmissbrauch lautende Anklage zugestellt bekommen zu haben. "Herr Seisenbacher weiß Bescheid. Er befindet sich derzeit in Aserbaidschan, wo er als Nationaltrainer tätig ist. Er wird selbstverständlich zur Hauptverhandlung kommen", teilte der Grazer Anwalt mit.

Bis dahin wollen der Ex-Judoka und sein Rechtsbeistand keine Stellungnahmen zu den Vorwürfen abgeben. "Wir werden keinen medialen Zirkus beginnen. Er wird alles, was er dazu sagen hat, in der Hauptverhandlung sagen", kündigte Lehofer an.

Ob er die Anklage beeinspruchen wird, müsse er erst prüfen, meinte der Verteidiger. "Ein solcher würde nur Sinn machen, wenn formale Fehler evident sind." Die Causa Seisenbacher war aufgrund der Prominenz des Verdächtigen berichtspflichtig. Der Anklageentwurf wurde von der Oberstaatsanwaltschaft (OStA) und vom von Justizminister Wolfgang Brandstetter eingerichteten Weisungsrat abgesegnet.

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Artikel nachrichten.at/apa 05. Oktober 2016 - 14:41 Uhr
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