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Das geheime Zeitdiagramm des toten Kampusch-Chefermittlers

WIEN. Chefinspektor Franz Kröll fertigte über den Tag der Flucht von Natascha Kampusch ein minutiöses Zeitdiagramm an, das neue massive Polizei-Pannen aufzeigt. Kröll wollte im Dezember 2009 mehrere kritische Punkte weiterverfolgen, dies wurde ihm von der Staatsanwaltschaft Wien untersagt. Im Juni 2010 beging er Suizid.

Das geheime Zeitdiagramm des toten Kampusch-Chefermittlers

Auszug aus dem detaillierten Bericht von Oberst Kröll Bild: OÖN

Kröll hielt in dem Papier alle relevanten Vorgänge samt Telefonaten Priklopils fest. Das Zeitdiagramm offenbart aufklärungswürdige Details. So wurde nun erstmals öffentlich bekannt, dass die Polizei Priklopil nur zehn Minuten nach Kampuschs Flucht um ein Haar gestellt hätte oder dass Priklopil an diesem Tag von 13 Personen angerufen wurde, die aber dazu nie befragt wurden. Auch die Rolle des Freundes Ernst H. ist undurchsichtig.

Aus dem Protokoll vom 23. August 2006:

12.56 Uhr: Priklopil erhält auf seinem Handy den Anruf eines Firmenmitarbeiters. Für Natascha Kampusch war dies der geeignete Zeitpunkt zur Flucht.

13.00 Uhr: Natascha Kampusch flüchtet vom Anwesen ihres Entführers. Sie läuft zu Nachbarn und schlägt Alarm.

13.04 Uhr: Der Einsatz der niederösterreichischen Polizei läuft an. Funkspruch der Landesleitzentrale: Fahndung nach Wolfgang Priklopil, unterwegs mit einem weißen Kastenwagen, Marke Mercedes.

13.10 Uhr: Eine Nachbarin sieht Priklopil mit dem Kastenwagen.

13.15 Uhr: Der flüchtende Priklopil tauscht den Kastenwagen gegen seinen weinroten BMW 850 aus. Ein anderer Nachbar sieht ihn damit aus der Garage seines Hauses rasen.

13.20 Uhr: Ein Anhalteversuch des Flüchtenden durch eine Polizeistreife misslingt. Die Beamten verlieren den Wagen auch aus den Augen.

13.30 Uhr: Die nach dem Verschwinden von Kampusch gegründete SOKO wird informiert.

14.17 Uhr: Priklopil telefoniert erstmals nach der Flucht von Kampusch mit H.
Eine Viertelstunde später treffen sich die beiden Männer beim Donauzentrum im 23. Wiener Bezirk. Insgesamt telefoniert Priklopil von 8.44 bis 19 Uhr mit zwölf weiteren Personen.

18.15 Uhr: Erst jetzt erfolgt eine Handypeilung des flüchtigen Priklopil. Diese bleibt erfolglos.
Auch eine zweite Peilung um 18.50 Uhr bleibt erfolglos. Kröll fragte: Warum?

20.00 Uhr: H. trennt sich von Priklopil.
50 Minuten später wirft sich Wolfgang Priklopil vor einen Zug.

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Artikel Von Gerhard Lukesch und Robert Stammler 13. November 2010 - 00:04 Uhr
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