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Banker vor Gericht - Staatsanwältin im Zeugenstand

WIEN. Erst am frühen Abend - und damit zu einem Zeitpunkt, als die meisten Medienvertreter längst das Landesgericht Korneuburg verlassen hatten - hat die Ex-Frau des Bankers in den Zeugenstand treten müssen.

Die bei der Staatsanwaltschaft Wien tätige Staatsanwältin, der ein Entschlagungsrecht zugestanden wäre, war zu einer Zeugenaussage bereit - allerdings erst nach Ausschluss der Öffentlichkeit.

Nach kurzer Beratung leistete der Drei-Richter-Senat einem entsprechenden Antrag Folge. Bis auf rund ein Dutzend Rechtspraktikanten mussten sämtliche Zuhörer den Gerichtssaal verlassen, weil die Staatsanwältin ihren höchstpersönlichen Lebensbereich nicht coram publico darlegen wollte. Dies nahm insofern wunder, als zwei Tage vor der Verhandlung das Nachrichten-Magazin "News" ein Interview mit der Staatsanwältin veröffentlicht hatte.

Im Gespräch mit der Zeitschrift hatte die Anklägerin versichert, sie hätte keine Affäre mit Eric J., dem Stiefbruder des Angeklagten, gehabt. "Wir waren befreundet. Wir hatten alle drei ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Wir haben uns zu dritt getroffen oder in jeder Konstellation zu zweit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Ex-Mann da irgendwie eifersüchtig geworden wäre", zitierte "News" die Juristin. Ihr Ex-Mann sei grundsätzlich kein eifersüchtiger Mensch. Dass ihr dessen Stiefbruder anzügliche SMS schickte, nannte die Staatsanwältin "News" gegenüber eine "einseitige Konversation". Sie sei "nicht der Moralapostel, der meinen Freunden vorschreibt, wie sie sich auszudrücken haben".

Laut "News" hat die Staatsanwältin ihren unter Mordverdacht in U-Haft sitzenden Ex-Mann auch im Gefängnis besucht. Sie sei "davon überzeugt, dass es ein Unfall war, ja", wird sie in der aktuellen Ausgabe des Magazins zitiert. Die Frage, ob sie den Kontakt zu dem 45-Jährigen im Fall einer Verurteilung abbrechen würde, machte die Staatsanwältin in dem Interview vom Ausgang des Verfahrens abhängig: "Es kommt darauf an, was bei dieser Verhandlung herauskommt, also insgesamt, nicht nur auf den Urteilsspruch. Oder würden Sie den Kontakt abbrechen zu jemandem, der Ihr Freund ist, wenn er verurteilt wurde, und Sie sind der Meinung, das passt nicht so ganz zusammen? Ich glaub, das macht man nicht mit Freunden, oder?"

Aus welchen Gründen die Zeugin diese Angaben nicht im Gerichtssaal öffentlich wiederholen wollte, blieb offen. Möglicherweise befürchtete sie weitergehende, tiefer in ihr Privatleben reichende Fragen. Die Verhandlung wird morgen, Dienstag, um 8.30 Uhr fortgesetzt. Zahlreiche Sachverständige werden ihre Expertisen abgeben. Dabei dürfte vor allem die Gutachterin für Blutspurenmuster-Analyse, Silke Brodbeck, im Mittelpunkt stehen. Anhand von Blutspritzern am Tatort hält sie es für wahrscheinlicher, dass die Schilderung des Angeklagten zum Tathergang nicht den Tatsachen entspricht. Allerdings soll Brodbeck für ihre Sachverständigentätigkeit nicht sämtliche Fotos aus der Tatort-Mappe bekommen und sich ihr Gutachtenauftrag auf nicht alle Blutspuren bezogen haben.

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Artikel nachrichten.at/apa 20. März 2017 - 18:06 Uhr
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