„Die Frage nach meinen drei Lieblings-LPs bzw. -CDs ist schwer zu beantworten. Es gibt so viele großartige Alben. Manche haben mich nicht nur als Sänger, sondern auch als Pianist, als Saxophonist, als Gitarrist, als Songschreiber und Arrangeur beeinflusst, ganz zu schweigen von den Filmmusiken. Ich stecke gerade in einem Prozess, um mein Leben zu vereinfachen und die Unordnung loszuwerden. Weil mein Besitz mich zunehmend fesselt, bin ich gerade am Durchforsten meiner Vinyl-LPs und übertrage alles ins digitale Format. So gesehen ist die Frage nach meinen Lieblingsalben eine gute im Moment.
1. Elvis Presley „Sun Sessions“
Wir hatten keine LPs damals im Jahr 1954, nur Singles. Deshalb denke ich, dass ich die gesamte Aufnahme erst gehört habe, als Stevie Ray Vaughn und ich bis 6 Uhr früh die „Sun Sessions“ hörten, ein paar Tage, nachdem sie 1976 veröffentlicht wurden. Mein Vater brachte Elvis’ erste Single „That’s alright Mama“ 1954 nach Hause. Ich war drei Jahre alt, und wir hörten die ganze Zeit den Song. Mein Vater hatte sein Büro über einem Plattengeschäft, und der Inhaber wusste, dass mein Dad drei Söhne hat, die Musiker werden wollen.
Er erzählte meinem Vater, dass Elvis sehr groß werden wird. Auf dem Plattencover war kein Bild von Elvis, es war nur das coole Logo von Sun Records abgebildet. Der Song klang so bluesig, und wir wussten nicht, ob Elvis schwarz oder weiß ist. Er klang zudem ein wenig nach Country, weshalb den Song die schwarzen und die Country-Radiostationen im ganzen Süden spielten. Ich traf Elvis und seine Mutter sowie seinen Vater drei Jahre später ein paar Türen entfernt von meiner Tante und meinem Onkel in Memphis. Elvis machte großartige Platten für RCA, aber diese „Sun Sessions“ haben ein Feuer und eine Leidenschaft in seiner Stimme, die ich in seinen späteren Aufnahmen vermisse.
2. „The Genius Of Ray Charles“
Als ich acht Jahre alt war, brachte mein Bruder Chip, ein großartiger R&B-Klavierspieler diese Platte, 1959 veröffentlicht, nach Hause. Sein Schlafzimmer war unmittelbar neben meinem, und ich hörte die Songs jeden Tag stundenlang durch die Mauern tönen. Es brannte sich in meine Gehirnzellen ein. Es stellte die Count Basie und Duke Ellington Bands in den Blickpunkt, mit Arrangements von Quincy Jones. Darauf sind R&B-Klassiker wie „Let The Good Times Roll“, die ich gelegentlich live spiele. Es finden sich darauf großartige Standards wie „Come Rain, Come Shine“ von Johnny Mercer und Harold Arlen, den Meistern des „American Songbook“.
Ich verdanke viel von meinem Klavier- und Gesangsstil Ray Charles wie auch mein Tenorsaxofonspiel von David Fathead Newman geprägt ist, der die Saxofonsolos auf diesem Album eingespielt hat. Zum ersten Mal hörte ich David in South Dallas Texas, wo er herkam. Einer der Höhepunkte in meiner musikalischen Karriere war die Zusammenarbeit mit David Newman in einem Jazz R&B Club in Dallas. Ich war gerade fertig mit dem College in Texas. Viele der Musiker in der Ray Charles Band waren aus Dallas, meiner Heimat in den 1970er-Jahren. Sie legten eine feine Linie zwischen Blues und Jazz und schafften es, dass diese Verbindung perfekt in der Musik des Ray Charles Orchester funktionierte.
3. The Beatles „Rubber Soul“
Ich liebe alle Alben der Beatles, aber dieses kam zu einem der glücklichsten Zeitpunkte in meinem Leben heraus. Ich lebte damals in Alabama, lernte gerade Autofahren, begann mich mit Mädchen zu verabreden und startete mit ersten Auftritten als Künstler. Eine lokale Radiostation in meiner Heimatstadt Birmingham organisierte eine öffentliche Verbrennung von Beatles-Alben, weil John Lennon gesagt hatte, die Beatles seien populärer als Jesus. Über diese Aktion wurde im ganzen Land berichtet, aber ich fand heraus, dass es einfach eine Publicity-Aktion einer schwächelnden Radiostation war. Zudem realisierte ich, dass John Lennon, wie ich auch, nicht immer gedacht hat, bevor er redete. Ich erinnere mich an alle Einzelheiten jeder Beatles-LP, die veröffentlicht wurde und die allmählich immer komplexer wurden, je mehr die Zeit verging.
Ich habe Klavier studiert, und das zwang mich dazu, mich mit ihnen musikalisch zu entwickeln. Ihre Alben wurde immer komplexer und technischer, was es deutlich erschwerte, das live als eine Vier-Mann-Band zu spielen. „Rubber Soul“ war die letzte LP, die so geschrieben war, dass sie eine Vier-Mann-Band spielen konnte. Sehr akustisch in Teilbereichen. Es ist ein brillantes Album, keiner der Songs ist länger als drei Minuten, aber die Kombination der vier Musiker mit George Martin, textlich und melodisch, ist herausragend und gehört zur großartigsten Musik des 20. Jahrhunderts. Die Beatles schufen einen Band-Sound. Indem ich ihre Musik analysiert habe, wurde ich über die Jahre ein besserer Arrangeur, Produzent und Bandleader. Und zum ersten Mal in der Musikgeschichte, hatten die Künstler die Kontrolle über den Aufnahmeprozess. Ein Resultat davon ist, dass großartige Alben gemacht werden konnten.“
John Lee Sanders & The World Blue Band (Frank Folgmann, Gottfried Angerer, Jan Korinek, Jeff Boudreaux) auf Tour:
14. März, 21 Uhr, Cafe Museum Passau - 16. März, 20 Uhr, Arbeiterkammer Kongresssaal Linz - 19. März, 20 Uhr, KiK Ried/Innkreis - 20. März, 20 Uhr, GH Rettenbacher Kirchdorf
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