„Ein Augenblick Freiheit“ (Österreich / Frankreich 2008, 106 Min.) Regie: Arash T. Riahi (Moviemento)
OÖN Bewertung: ******
Was für Geschichten verbergen sich hinter den Menschen, die auf der Straße unbemerkt an einem vorbeigehen? Welche Schicksale treiben Flüchtlinge nach Österreich? Und wie enden diese Geschichten vom Verlassen der Heimat, von der Suche nach einem Neuanfang? In Freiheit, Umkehr, Tod?
Drei dieser Schicksale zeigt Arash T. Riahi in seinem dreizehnfach preisgekrönten Flüchtlingsdrama „Ein Augenblick Freiheit“: Azy und Arman, zwei Kinder, die von ihrem Onkel und dessen Freund vom Iran nach Österreich gebracht werden, um endlich mit ihren Eltern wiedervereint zu werden. Die Familie, die aus dem Iran flieht, um in Freiheit ein besseres Leben zu leben, „eines, in dem uns keiner sagt, was wir zu tun oder zu denken haben“. Und ein ungleiches irakisch-iranisches Männerpaar aus politischen Flüchtlingen, das sich in einer Übergangsabsteige in Ankara gefunden hat.
Dort harren sie alle aus, nachdem sie Fahrten mit Schleppern und tagelange Ritte durch verschneite Berge einmal hinter sich gebracht haben. Denn den Weg zur Freiheit verstellt die Bürokratie – bald wird Flucht gleichbedeutend mit tagelangem Anstellen vor dem UNO-Gebäude und dem bangen Warten auf Bescheide.
Vor den Augen das Ziel und die Hoffnung, im Hinterkopf die Angst vor dem Entdecktwerden: Mit einer Mischung aus Profi- und Laienschauspielern und in technischer Ausgereiftheit lässt Riahi, der selbst im Alter von neun Jahren mit seinen Eltern aus dem Iran geflohen ist, die Authentizität des Erzählten spürbar werden.
Dass Lachen und Weinen nah beieinanderliegen, sind vielgebrauchte Worte. Doch selten stimmen sie auch für den Zuschauer so wie in „Ein Augenblick Freiheit“. Bis zum Rand voll von Emotionen, echtem Leben und den kleinen Details, die den Unterschied zwischen einem guten und einem großartigen Film machen, reiht sich das Flüchtlingsdrama in die Reihe Letzterer ein.
Wie viel von mir selbst darf ich hergeben, um ans Ziel Freiheit zu gelangen? Wem bin ich verpflichtet? Was ist Heimat? Ein Film, der die großen Fragen stellt und sie ganz nah an seinen Figuren mitten in der Realität beantwortet.
Lesen Sie morgen über die OÖN-Filmnacht, in der Arash T. Riahi den Film im Moviemento präsentierte.