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"Wonder Wheel": Romantik ist doch die Hölle

Woody Allens neuer Film kuriert auf furiose Weise naive Träume.

Romantik ist doch die Hölle

Kate Winslet brilliert als Kellnerin, die sich an ihren Lebenstraum klammert. Bild: Warner

Wer noch an die Romantik, an das große Glück und Träume glauben will, wird "Wonder Wheel" als harte Prüfung empfinden. Der neue Film von Woody Allen (82) handelt von Menschen, die sich ihren Gefühlen hingeben, sich mit ihnen so weit aus dem Fenster lehnen, dass ein tiefer Fall und ein harter Aufprall unausweichlich sind.

"Wonder Wheel" ("Glücksrad") spielt in den 50er-Jahren auf der New Yorker Halbinsel "Coney Island", wo ein Vergnügungspark auf den Atlantikstrand trifft.

Eine Umgebung, die Allen mithilfe klug gewählter, schmachtender Grammophon-Musik, Swing, Nostalgie und Vintage-Esprit zum Ort der Sehnsucht stilisiert.

Rettungslos falsch verliebt

Dort begegnen einander Menschen, die sich auf naive Weise selbst belügen und verletzen werden, weil sie sich erlauben, ihren Wünschen nachzugeben. Die 26-jährige Carolina, Juno Temple als süße Verführung, hat ihr Herz für die Liebe noch immer nicht verschlossen, obwohl sie blutjung einen Mafia-Gangster geheiratet, nun beim FBI angeschwärzt hat.

Weil der sie deshalb töten will, sucht sie Halt bei ihrem Vater, der sie einst verstoßen hat. James Belushi gibt diesen famos bärbeißigen Vater namens Humpty – ein alkoholkranker Ringelspiel-Betreiber, der trotz allem schmuseweich wird, wenn er den Fehler begeht, "seine" Kleine als kluge Kindfrau mit Klasse auf ein Podest zu heben. Humpty wiederum ist der Fehler, den Ginney, seine zweite Frau, gemacht hat. Obwohl Allen einen Ensemble-Film geschrieben hat, steht sie im Zentrum.

Eine grandiose Kate Winslet macht die als Schauspielerin gescheiterte Kellnerin auch zum Mittelpunkt des Darstellerischen. Sie hat eine Affäre mit einem verklärten Studenten und Nebenerwerbs-Rettungsschwimmer, in dem sie ihren Lebensretter zu sehen beginnt. Mickey, ein eher blasser Justin Timberlake, erliegt jedoch mehr und mehr Carolina ... Bis dahin ist "Wonder Wheel" ein bequemer Film, der uns – typisch Allen – über die chaotischen Gefühlswelten schmunzeln lässt. Doch wie in seinem Frauendrama "Blue Jasmine" (2013) verlässt er diese Oberfläche, der Neurotisches und Liebliches Spannung verleihen.

Er sucht die Tiefe, und man findet sie in Winslet, die Neid und Verzweiflung ein so fantastisches Gesicht gibt. Wie ihr alles aus der Hand gleitet, ist laut, fordernd, aufreibend, aber bleibt elektrisierend, weil sich Allen Schwarz-Weiß-Malerei verboten hat. So bleibt "Wonder Wheel" einnehmend bunt wie seine Bilder von "Coney Island", die alle Facetten von Rot, Grün und Blau kennen – von kraftvoll leuchtend bis ausgebleicht und schäbig abgeblättert.

"Wonder Wheel": USA 2017, 101 min., Regie: W. Allen

OÖN Bewertung:

 

Der Trailer zum Film:

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Artikel Nora Bruckmüller 13. Januar 2018 - 00:04 Uhr
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