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"WINWIN": Reich an zerplatzenden Sprachblasen

Eine bissige Kritik an kriminellen Investoren und ihren Worthülsen.

Reich an zerplatzenden Sprachblasen

Nicolas Lachman (Christoph Dostal) sieht nichts, Bild:

Mit dem Film "WINWIN" des Wieners Daniel Hoesl startet heute in Oberösterreich eine Arbeit, die erscheint, als hätte sie der frühere Regie-Assistent von Ulrich Seidl extra zur Veröffentlichung der "Panama Papers" geschaffen.

Denn "WINWIN" erzählt von einer äußerst schicken Investorengruppe (Foto oben), die plötzlich in Österreich auftaucht, um ein Unternehmen in finanziellen Nöten zu retten, also zu schlucken und zu zerschlagen. Bloß es steckt nichts Greifbares dahinter, am Ende bleibt auch nichts, eventuell virtuelle Summen auf Off-Shore-Konten. Das von Hoesls "European Film Conspiracy", einer Gruppe junger Unkonventioneller, realisierte Werk entlarvt Blender der Hochfinanz auf höchst künstlerische, überzeichnete wie bissige Weise. Vor allem, was die Sprache betrifft. Ständig reden Wirtschafter, Journalisten oder Ministerin Rolles (Johanna Orsini-Rosenberg). Im Kern wird aber nichts gesagt, im Ohr klingen Worthülsen nach wie "Wir müssen uns der Aufgabe stellen, die Firma neu zu erfinden, um sie am internationalen Mark zu stärken", oder "Wir müssen uns nach der Decke strecken, um die Kultur zu erhalten." Das klingt vertraut, weil solche rhetorischen Muster Teil der öffentlichen Diskussion sind. Trotzdem erscheinen sie fremd.

Warum das so ist, weiß die deutsche Linguistin Elisabeth Wehling, die an der Universität von Kalifornien in Berkeley forscht. Auf Begriffe wie etwa "freier Markt" reagiere das Gehirn anders als auf Worte, die jene Hirnareale aktivieren, der sehr viel Erfahrungswissen aus dem Alltag zu diesen Worten gespeichert haben. Ein Beispiel ist das Wort "Katze". Nimmt man es wahr, wird ein eindeutiges Bild dazu abgerufen (inklusive Tastsinn, Geruch und Geräusche).

Beim allgemeineren Wort "Tier" schon nicht mehr. Wehling: "Und weder Sie noch ich haben jemals den freien Markt angefasst."

Warum ist diese Art von Sprache dann so verbreitet? "Viele Politiker verwenden sie sozusagen aus Versehen. Abstrakte Sprache gilt oft als besonders intellektuell. Andere verwenden sie gezielt, um möglichst wenige Assoziationen auszulösen." Der Text für "WINWIN" wurde jedenfalls akribisch recherchiert. Hoesl hat dabei eine handfeste Erkenntnis gewonnen. "Es ist eine Sprache, die möglichst unangreifbar machen soll."

Premiere mit Regisseur: heute, 20 Uhr, Moviemento Linz

Trailer: 

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Artikel Nora Bruckmüller 08. April 2016 - 00:04 Uhr
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