Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Mittwoch, 18. Oktober 2017, 11:21 Uhr

Linz: 12°C Ort wählen »
 
Mittwoch, 18. Oktober 2017, 11:21 Uhr mehr Wetter »
Freizeit  > Kino  > OÖN-Filmkritik

„Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“: Mädchenträume, mit Blut getränkt

Mädchenträume, mit Blut getränkt

Keine langen Eckzähne, dafür ein Blick wie James Dean: Vampir Edward Cullen (Robert Pattinson) in „Twilight“. Bild: concorde

„Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ (USA 2008, 122 Min.) Regie: Catherine Hardwicke (derzeit im Megaplex und Cineplexx)

OÖN Bewertung:

Das ist der Stoff, an dem Teenager-Mädchen weltweit Blut geleckt haben: Bella Swan, heranwachsender scheuer Highschool-Normalo, zieht ins regnerische Kleinstädtchen Forks. Dort fasziniert sie der geheimnisvolle, bleiche Edward Cullen (Robert Pattinson) mit seiner Aura von Gefahr und Geheimnis, in seinem mühsam verborgenen Widerspruch zwischen Abscheu und Beschützerinstinkt ihr gegenüber.

„Bleib fern von mir“ ist dann auch alles, was er sagen kann, weil ihn trotz aller Liebe zu Bella das Begehren nach ihr fast umbringt. Er: „Ich weiß nicht, ob ich mich zurückhalten kann.“ Sie: „Ich würde lieber sterben, als dir fernzubleiben.“

Diese Liebe, die unkörperlich bleiben muss, strotzt vor Metaphern der sexuellen Enthaltsamkeit. Das begründet sich in diesem Fall aus Angst vor Blutverlust, weil Edward ein Vampir ist. Ein „vegetarischer“ zwar, der sich auf Tierblut beschränkt – wenn Bella nur nicht so verführerisch riechen würde...

„Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“ basiert auf der weltweit erfolgreichen Romanreihe von Stephenie Meyer. In der Leinwand-Version mimt Kristen Stewart eine durchschnittliche Identifikationsfläche für jederfräulein, Robert Pattinson legt seinen Blutsauger reduziert in der Gestik und dafür mit doppelter Menge James-Dean-Blick an.

Vampire aus dem Jahr 2009 beginnen im Sonnenlicht golden zu funkeln, anstatt zu zucken, und haben nicht nur ein entspanntes Verhältnis zu Weihwasser und Kreuzen, sie spielen auch Baseball zur Freizeitunterhaltung. Derartige Szenen nutzt die Regisseurin, um einen durchgestylt-modernen Pop-Jugendfilm auf die Leinwand zu werfen.

Dann wechseln die Dialoge wieder zwischen Pathos und (unfreiwilligem) Witz, Teile der Handlung und der Sinn von Nebenfiguren erschließen sich oft nur derjenigen, die das Buch gelesen hat. Die Zielgruppe der heranwachsenden Mädchen hat das getan und kann sich so auch vorrangig auf das fröhliche Mitschmachten konzentrieren, als auf das genaue Hinterfragen.

Denn ein wenig Kopfzerbrechen bleibt. Man rechne: 1901 ist Edward, der Vampir, geboren. Wenn auch im Körper eines jungen Adonis, ist er trotzdem 108 Jahre alt. Die Highschool sollte den geistigen Horizont damit nicht mehr erschöpfen. Und als so betagter Mann ausgerechnet einer Minderjährigen nachzustellen... das, während wir Nicht-Vampire denken, dass die Freundinnen von gewissen Fußballern zu jung geraten sind.

Teil zwei bereits fixiert

Ganz egal: „Twilight“ war in den USA bereits so erfolgreich, dass Teil zwei für nächstes Jahr bereits fixiert ist. Bis dahin beeindruckt die Fantasy-Geschichte vielleicht nicht mit übermäßig viel Biss, einen fröhlichen Kinoabend verspricht sie aber auch Menschen über 16.

Kommentare anzeigen »
Artikel Von Julia Evers 17. Januar 2009 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

Borg vs. McEnroe: Spiel, Satz, Leinwand-Sieg

Am 5. Juli 1980 kämpften John McEnroe und Björn Borg um den Sieg in Wimbledon.

"Weit": Per Autostopp um die Welt

"Weit." erzählt die Reise-Geschichten von Patrick und Gwen.

"American Assassin": Schonungsloser Rachefeldzug

Brutal und realistisch inszenierter Film über den Terror.

"Blade Runner 2049": Alle Zeit der Welt für den neuen Blade Runner

Ryan Gosling wandelt in "Blade Runner 2049" auf Harrison Fords Spuren.

"Eine fantastische Frau": Liebe einer ungewöhnlichen Frau

Chilenin Daniela Vega zeigt beeindruckende Schauspiel-Leistung.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!