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"The Founder": Michael Keaton verleibt sich "McDonald’s" ein

The Founder erzählt nach wahren Begebenheiten vom Beginn des Fastfood-Riesen. Keaton brilliert als unerbittlicher Geschäftsmann.

Michael Keaton verleibt sich im Kino "McDonald’s" ein

Michael Keaton lässt sich als "Gründer" für Ideen anderer feiern. Bild: Weinstein Company

Je länger "The Founder" dauert, umso leichter kann man Ray Kroc hassen. Oder ihn für die Härte bewundern, mit der er sich genommen hat, was er haben wollte.

Ray Kroc, den Michael Keaton ("Birdman") spielt, tingelte in den 50ern durch die USA, um Küchenhelfer an Gastronomen zu verkaufen. Bis er selbst zuschlagen musste. Der Händler konnte es nicht glauben, dass die Brüder Dick und Mac McDonald tatsächlich sechs seiner Milchshake-Mixer kaufen wollten. Das musste ein Fehler sein. War es nicht.

Denn das Geschäft von Dick (Nick Offerman) und Mac (John Carroll Lynch) boomte. In ihrem Drive-in musste man nur 30 Sekunden auf die heilige Dreifaltigkeit des Fasstfoods warten: Hamburger, Pommes, Cola. Mühevoll hatten sie die Logistik ihrer Küche als perfekt choreographiertes Ballett aufgestellt – aus Burgern, und denen, die sie herrichteten. Servicepersonal gab es keines mehr. Doch erst Kroc war es, der aus diesem Lokal das Imperium "The McDonald’s Corporation" stampfen sollte, von dem sich heute Millionen Schnellesser freiwillig Beine machen lassen.

Kroc erkannte das Potenzial sofort. So wie Regisseur John Lee Hancock die Möglichkeit , die Anfänge des Fastfood-Riesen anders zu erzählen, als man es erwartet. Langsam, nicht schnell.

Er lässt sich Zeit damit, Kroc als jemanden erscheinen zu lassen, den man mögen, etwas bemitleiden kann. Einen Sisyphus, der statt eines Felsen ewig auf einen Hügel zu wälzen, tagtäglich schwere Stahlmixer schleppt.

Bald wirkt das fast klischeehaft. Außerdem möchte man mehr von Keaton sehen. Doch Hancock hat beinhart heimlich kalkuliert, so wie Kroc einst die geschäftliche Eliminierung der Brüder. Man spürt Wärme, die eiskalt vernichtet wird. Keaton ist ideal dafür. Anfangs wache Rehaugen, mildes Lächeln, dann wie ein Tier auf Jagd, missgünstig in seinen Fratzen. Kroc, der sich als Franchise-Verantwortlicher zum "Big Boss" stilisiert, zwingt Dick und Mac zum Verkauf – für je gut eine Millionen Dollar.

Kroc hatte sich einverleibt, was er sofort haben wollte. "The Founder" hat diese Philosophie des Konsums stilsicher porträtiert. Er spielt zwar in den 50ern, passt aber herrlich in unsere Zeit.

 

The Founder: USA 2016, 115 Min, John L. Hancock

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Nora Bruckmüller 22. April 2017 - 00:04 Uhr
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