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"Lady Susan": Ein Biest der Oberklasse jagt nach einem neuen Ehemann

"Lady Susan" bringt eine harte Heldin nach Jane Austen ins Kino.

Ein Biest der Oberklasse jagt nach einem neuen Ehemann

Wenn sie die Ehe retten soll, dann nach ihren Bedingungen: Kate Beckinsale (r.) als Susan, Chloë Sevigny als Komplizin. Bild: ©Churchill Produtions Limited

Wer vorschlägt, einen Film nach einer Vorlage von Jane Austen anzusehen, erntet vom Gegenüber gerne eine verzogene Miene, geformt vom Bedenken, sich Gefühlskitsch und altertümlichen Frauenthemen auszusetzen.

Natürlich gibt es auch solche Adaptionen. Doch die aktuelleren verstehen sich gut darauf, das Rebellische an den Charakteren der Autorin (mehr in der Box) zu skizzieren. In "Love & Friendship" – nach dem Roman "Lady Susan", wahrscheinlich 1794 geschrieben – reiht sich die Hauptfigur in eine populäre Tradition.

Man liebt und hasst sie

In die des Biests, das man wie etwa Joan Collins in "Denver Clan" bewundern muss, weil es sich nimmt, was es will. Genauso, wie man es hassen muss, weil es unglaublich abgefeimt agiert. So wie man es selbst gerne einmal tun würde, bis der anerzogene Anstand einen Riegel vorschiebt.

In "Love & Friendship" verkörpert all das Kate Beckinsale, die extrem gut und nuanciert aufspielt. Eingebettet in die britische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts, in pittoreske Landsitze und in mit Brokat und Stuck geschmückten Londoner Anwesen, jagt sie als Witwe nach einer neuen, guten Partie, während sie eine skandalöse Affäre mit einem vermählten Lord weiter unterhält. Regisseur Whit Stilman schafft es auf raffinierte Weise, Beckinsale als Entsprechung der fein ausstaffierten Kulissen und von Konventionen und Etiketten geprägten Oberklasse zu präsentieren. Genauso wie als eine Frau, die all das gekonnt unterwandert.

Beckinsale, stets von Locken umspielt, zeigt Susan als virtuose, geistreiche Gesellschafterin. Ihr größter Schmuck sind zugleich ihre Waffen: die Worte. Eloquent, stets wach, deutet sie Vorwürfe, Gerüchte und Untaten zu ihrem Vorteil um. Mit Esprit lenkt sie als General des Privaten zehn Personen in vier Haushalten, darunter Chloë Sevigny als ihre Komplizin, Stephen Frey als deren sensiblen Gatten und Xavier Samuel als ihre blutjunge Beute.

Ein dreistes, äußerst witziges Spiel, das schlicht Laune macht.

Love & Friendship: IRL/NL/F 2016, 92 Min.,

OÖN Bewertung:

Trailer:

 

 

Jane Austen

Jane Austen wurde 1775 im Pfarrhaus von Steventon in Hampshire, als siebtes von acht Kindern, geboren. Die Familie war überdurchschnittlich gebildet und belesen.

1809 zog sie mit ihrer Freundin Martha Lloyd nach Chawton, wo ihnen ihr Bruder Edward auf seinem Anwesen ein kleines Landhaus zur Verfügung stellte. Dort lebte Jane Austen bis zu ihrem Tod und überarbeitete, schrieb und veröffentlichte alle ihre Romane.

Als etablierte Romanautorin lebte sie in relativer Zurückgezogenheit und wurde schließlich im Alter von 40 Jahren schwer krank – vermutlich Nebennierenrindeninsuffizienz. Sie reiste am 24. Mai 1817 nach Winchester, um dort Heilung zu suchen, starb dort am 18. Juli und wurde in der Kathedrale von Winchester beigesetzt.
Jane Austen veröffentlichte zeitlebens anonym, die Bücher trugen die Verfasserangabe "by a lady".

Hauptwerke: "Stolz und Vorurteil" und "Emma", die auch verfilmt wurden.

 

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Artikel Nora Bruckmüller 31. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
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