Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Dienstag, 12. Dezember 2017, 18:47 Uhr

Linz: 3°C Ort wählen »
 
Dienstag, 12. Dezember 2017, 18:47 Uhr mehr Wetter »
Freizeit  > Kino  > OÖN-Filmkritik

"Hell or High Water": Das ökonomische Ende des Amerikanischen Traums

Der Film von David Mackenzie stellt die Frage nach der moralischen Rechtmäßigkeit, Banken zu überfallen.

Das ökonomische Ende des Amerikanischen Traums

Gil Birmingham (Deputy Parker, l.) und Jeff Bridges (Ranger Hamilton) Bild: (PC)

Die Idylle der Kamerafahrten auf den endlosen Landstraßen im US-amerikanischen Hinterland ist trügerisch. Dort, wo früher Cowboys die Herden zu kargen Grasbüscheln getrieben haben, ist nichts mehr von großer Freiheit zu spüren, sondern ihr ökonomisches Ende. In den Dörfern stehen Plakate, die mit schnellem Geld Erleichterung bei Schulden versprechen. An ein Bankgebäude hat jemand "Drei Einsätze im Irak, aber kein Schuldenerlass für Leute wie uns" geschmiert.

Diese Stimmung verpasst David Mackkenzies schnörkellos wie furios erzähltem Film "Hell or High Water" die Grundierung für jene Ausweglosigkeit, in der die beiden Howard-Brüder – der kreuzbrave Toby (Chris Pine) und der radikalere, eben aus dem Gefängnis entlassene Tanner (Ben Foster) – stecken. Sie verlegen sich auf Banküberfälle, weil Toby keine andere Möglichkeit sieht, die nach dem Tod ihrer Mutter fällig gestellte Hypothek für die Ranch zu begleichen. Niemals würden sie riskieren, dass alles an die Bank fällt.

Blöd nur, dass die Banken auch in dieser Gegend gerade mit digitaler Überwachung ausgestattet werden, also bekommt der kurz vor seiner Pension stehende Texas-Ranger Hamilton (grandios: Jeff Bridges) ein Foto von Tanner in die Hände. Toby, der obendrein schlauere Howard, lässt die Beute in einem indianischen Casino in Oklahoma waschen und den Besitz in eine Stiftung für seine bei ihrer Mutter lebenden Söhne umwandeln.

Auf der Ranch ist inzwischen Öl gefunden worden – und die mit der Stiftung betraute Bank hat kein Interesse daran, das fette Geschäft mit Nachforschungen über das Geld zu gefährden. Dem knorrigen Hamilton, der das Muster der Überfälle bald erkennt, aber nichts beweisen kann, bleibt einzig das Glücksgefühl, dass er seinen oft wegen dessen indianischer Vergangenheit veräppelten und von Tanner erschossenen Deputy Parker (Gil Birmingham), gerächt hat.

Kino: "Hell or High Water", USA 2016, 102 Min., Regie: David Mackenzie, Paramount.

OÖN Bewertung:

 

Trailer: 

Kommentare anzeigen »
Artikel Peter Grubmüller 20. Mai 2017 - 00:04 Uhr
Weitere Themen

"Zwischen zwei Leben": Dieser Film verunglückt, noch bevor das Flugzeug in den Bergen abstürzt

"Zwischen zwei Leben" überlebt knapp – dank Kate Winslet, Idris Elba und famoser Bilder

"Harri Pinter Drecksau": Der Mensch im Macho

Harri Pinter, Drecksau: Jürgen Maurer spielt einen Sportler, der in den besten Jahren erwachsen wird.

"Coco": Diese Toten sind alles, nur nicht knochentrocken

Ein buntes, lebensfrohes Abenteuer im Jenseits.

„Lady Macbeth“: Gefangen im düsteren Käfig einer lieblosen Ehe

Die junge Schauspielerin Florence Pugh brilliert im britischen Kostümfilm „Lady Macbeth“ nach ...
Meistgelesene Artikel   mehr »
Weitere Meldungen
OÖNachrichten auf Facebook OÖNachrichten auf Twitter OÖNachrichten auf Google+ OÖNachrichten RSS
Bitte Javascript aktivieren!