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"Ghost in the Shell": Überwältigt von Scarlett

Der Comicfilm "Ghost in the Shell" überzeugt (fast) nur äußerlich

Überwältigt von Scarlett

110 Millionen Dollar hat die Produktion gekostet. Mit Scarlett Johansson will man diese Summe und mehr einspielen. Bild:

"Ghost in the Shell" ist ein Film, der nicht mit seinen Reizen geizt. Sein größter Reiz ist Scarlett Johansson. Der Hollywood-Star schlüpft für die Adaption des berühmten japanischen Comics (1989) in die Rolle von Major. Und dafür auch in einen extrem kurvenbetonenden Kampfanzug.

Doch Johansson setzt darstellerisch so hoch an, dass sie über Spötter erhaben ist, die ihre Qualifikation auf den Körper reduzieren. Eine Spitzenleistung. Denn Major ist eine Besonderheit – im Film und im Figurenrepertoire des Kinos. Sie war einmal ein Mensch, dessen Gehirn mit einem künstlichen Körper vereint worden ist. Johansson spielt kein überirdisches Wesen, wie es Leeloo in "Das fünfte Element" (1997) war, keinen Terminator auf Zeitreise, keinen Roboter mit Menschenzügen, auch keinen Menschen, der sich wie Batman freiwillig aufrüstet. Um das Böse zu bekämpfen, wird Major im Labor von Dr. Ouélet gemacht – einer rührenden Juliette Binoche.

Die Seele ist nicht zu löschen

Und zwar in einer Zukunft, in der Technologie und Biologie, Maschine und Mensch längst verschmolzen sind. Sie aber ist die Erste ihrer extremen Art, produziert vom Konzern Hanka Robotics. Nach kapitalistischer Logik wurde Major als "Waffe" der Anti-Kriminalitätssektion 9 zugeteilt.

Dem folgt ein Spannungsfeld, in dem sich Johansson mit der Eleganz eines Raubtiers und der Schwermut einer geplanten Seele bewegt – zwischen einem Körper (shell), der ständig repariert werden kann, sowie Funktionen, die man neu programmieren darf. Und Resten alten Bewusstseins (ghost), das sich nicht löschen lässt. Diese Reste sind es auch, die Major um ihre Biographie kämpfen lassen. In einem bunt leuchtenden Tokio, zwischen grandios futuristischen Stadt-Schluchten, in furiosen Kämpfen.

Doch Regisseur Rupert Sanders ist das Gleiche passiert wie bei "Snow White and the Huntsmen" (2012). Er überwältigt mit Bildern, nicht mit Inhalten. Seine Erzählung ist ein leidiger Mix aus Polizeiarbeit, als treffe eine CSI-Folge auf Science-Fiction, Momenten des Pathos und zu wenig Tiefgang im komplexen Mensch-Maschine-Thema. Das lässt seine noch so brillante Reizüberflutung immer wieder mau werden.

Ghost in the Shell: USA 2017, 106 Min.,

OÖN Bewertung:

 

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Artikel Nora Bruckmüller 01. April 2017 - 00:04 Uhr
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